Mit Semmeln und Stickern: So gehen CSU und SPD in die Stichwahl in Regensburg

Ministerpräsident Markus Söder werde wohl bald nach Regensburg kommen und zugunsten von CSU-Kandidatin Astrid Freudenstein „in eine Semmel beißen“, mutmaßte am Wahltag Politkünstler Jakob Friedl. Ein Söder-Besuch sei nicht geplant, sagt allerdings Freudenstein, die Söder am Montag im CSU-Landesvorstand traf. Mit Semmeln zieht die 52-Jährige allerdings durchaus in die Wahlkampf-Verlängerung.
Die CSU werde, wie schon in den vergangenen Wochen, weiterhin potenzielle Wähler an ihren Haustüren mit Backwaren überraschen, so Freudenstein. Die SPD dagegen arbeitet auch daran, möglichst viel Unterstützung von Parteien zu erhalten, deren Bewerber es nicht in die Stichwahl schafften
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Freudenstein hatte bei einer Wahlbeteiligung von 57,7 Prozent 37,5 Prozent der Wählerstimmen errungen, Burger 19,1 Prozent. Trotz dieses großen Vorsprungs will die CSU „um jede Stimme kämpfen“, wie Freudenstein schon am Wahlabend sagte. Sie erlebte 2020, wie ihre damalige Konkurrentin von der SPD, die amtierende OB Gertrud Maltz-Schwarzfischer, sie in der Stichwahl mit 946 Stimmen Vorsprung überholte, obwohl diese in der ersten Runde mit 22,2 Prozent auf Rang zwei war. Vor diesem Hintergrund sagte Freudenstein am Montag: „Wir müssen die eigenen Wähler mobilisieren und neue Wählerinnen und Wähler hinzugewinnen.“ Es müsse nun darum gehen, „einfach den Kontakt zu den Menschen zu suchen“. „Wir nutzen jetzt jeden Tag“, sagte Freudenstein mittags, als sie gerade auf dem Rückweg von einem Termin mit dem CSU-Parteivorstand in München in ihr Bürgermeisterinnen-Büro war.
Lob für Astrid Freudenstein im CSU-Parteivorstand
Angesichts dieses Programms und der bevorstehenden anstrengenden beiden Wochen sei der Wahlabend für sie ruhig verlaufen. Angestoßen habe sie, die ohnehin wenig Alkohol trinke, angesichts der bevorstehenden anstrengenden zwei Wochen nur mit Wasser. Sie sei am Montag um 7.30 Uhr zur Nachwahl-Sitzung des CSU-Landesvorstands, dem sie angehört, aufgebrochen – und wegen vieler Telefonate spät angekommen. „Ich habe noch einen Salat mit Hähnchenbrust gegessen und mir sagen lassen, dass ich sehr gelobt wurde.“
SPD-Fraktionschef und OB-Kandidat Burger (55), der als Manager im Bereich Elektromobilität bei Schaeffler arbeitet, hatte sich am Montag freigenommen, „um auch durchzuatmen und gleichzeitig die Zeit zu haben, mit Leuten zu reden“. „Um wieder ausreichend fit zu sein“ am Tag nach der Wahl habe er sich neben seinen Standard-Getränken – Cola light und alkoholfreies Bier – nur „einen kleinen Schluck Prosecco“ gegönnt und sei dann „etwas ruhiger“ und erst gegen 9 Uhr morgens in den nächsten Tag gestartet. Termine mit Wahlkampfteam, Parteivorstand und Fraktion standen an. Dazwischen habe es „schon wieder zahlreiche Gespräche“ gegeben mit potenziellen Unterstützern von anderen Parteien und Gruppierungen. Er und die SPD gingen dafür auf „alle im demokratischen Spektrum“ zu, von den Freien Wählern bis zur Linken.
Grüne und Brücke beraten sich erst einmal intern
Am Montag debattierten mehrere Parteien und Gruppierungen intern über eine mögliche Wahlempfehlung, darunter Grüne und Brücke. 2020 hatte die Ökopartei eine Empfehlung für Maltz-Schwarzfischer abgegeben, war dann aber ebenso wenig am Rathausbündnis beteiligt wie die Brücke. Grünen-Parteisprecher Oliver Groth sagte dazu: „Das war tatsächlich damals bitter für uns. Aber da sind wir nicht nachtragend.“ Für die Brücke dagegen spielt 2020 durchaus eine Rolle im Hinblick auf eine mögliche Unterstützung Burgers. Damals hatten die Brücke-Stadträte sich für eine Empfehlung für die SPD-Kandidatin ausgesprochen, so OB-Kandidat Thomas Thurow. „Das hat uns einige Mitglieder gekostet.“ Diesmal will die Brücke ihre Mitglieder bei einer eigens einberufenen Versammlung befragen.
Am Samstag sollen mögliche Unterstützer Gelegenheit haben, Gesicht zu zeigen für Burger. Die SPD plant neben ihrem Standard-Programm mit Infoständen und Hausbesuchen und den „Störern“ auf den Plakaten – so heißen die Aufkleber mit dem Hinweis auf eine Stichwahl – auch eine „Unterstützungsaktion“ für Burger auf einem der größeren Plätze der Altstadt, so Parteichef Alexander Irmisch. „Wenn uns Gruppierungen unterstützen wollen, sind sie alle herzlich eingeladen“, so Burger.
Die OB-Wahl in Regensburg
Kopf-an-Kopf-Rennen: Beim Kampf um den Einzug in die Stichwahl mit CSU-Frau Astrid Freudenstein lieferten sich SPD-Mann Thomas Burger und Grünen-Kandidatin Helene Sigloch ein enges Rennen. Burger bekam 19,1 Prozent, Sigloch 18,9.
Weitere: Thomas Thurow (Brücke) bekam 6,4 Prozent, Michael Schien (FW) 5,3 Prozent, die restlichen acht OB-Kandidaten errangen jeweils weniger als fünf Prozent der Stimmen.