Abstürze und Höhenflüge: Kommunalwahl sorgt für ordentlich Wirbel im Regensburger Stadtrat

Von Philip Hell · 9. März 2026 um 17:00

Nun steht fest, welche Gruppierungen und Parteien im Regensburger Stadtrat hinzugewinnen und welche Sitze abgeben. Ein Bild der Lage am Tag nach der Kommunalwahl 2026.

Eindeutiger Wahlgewinner ist die CSU: Die Christsozialen steigern ihr Ergebnis um 1,1 Prozent und landen bei 26,8 Prozent der Stimmen. Damit hält die Partei ihre 13 Sitze im Stadtrat. In einer Pressemitteilung spricht CSU-Chef Michael Lehner davon, dass Regensburg bereit sei für einen Aufbruch. Die Partei legt nun den Fokus auf die Stichwahl in zwei Wochen. „Ich danke allen Wählerinnen und Wählern herzlich für ihr Vertrauen – jetzt kämpfen wir gemeinsam weiter, denn Regensburg kann mehr“, wird Freudenstein in der Mitteilung zitiert.

Die AfD (9,4 Prozent, plus 4,9 Prozent) wird im neuen Stadtrat erstmals Fraktionsstatus erreichen. Fünf Vertreter der Partei werden im Gremium sitzen. Thomas Straub, der auf dem vordersten Listenplatz kandidierte, sprach am Montag von einem starken Ergebnis. „Wir haben die wichtigen Themen bespielt.“ Bildung etwa, oder die Wirtschaft. Man habe „auf den gesunden Menschenverstand gesetzt“, sagte Straub. Als Fraktion habe man nun mehr Möglichkeiten, politisch Einfluss zu nehmen. Grundsätzlich stehe man einer Zusammenarbeit mit anderen Parteien offen gegenüber. „Wir wollen Dinge möglich machen, nicht verhindern.“ Die fünfköpfige AfD-Truppe sei ein Querschnitt der Gesellschaft, betonte Straub.

Kommunalwahl 2026 in Regensburg: Ist der Wolbergs-Bonus inzwischen verpufft?

Joachim Wolbergs redet am Montagvormittag erst gar nicht um den heißen Brei herum. „Wir gehören zu den Wahlverlierern“, sagt der Ex-OB und Chef der Brücke. Man sei enttäuscht. „Wir hätten uns vor dem Hintergrund unserer Arbeit im Stadtrat ein deutlich besseres Ergebnis erwartet.“ Die Brücke hat bei der Stadtratswahl 5,1 Prozent der Stimmen eingebüßt. Statt bislang sechs Stadträten werden nun vier Brücke-Vertreter im Gremium sitzen. Eine Erklärung kann Wolbergs dafür am Montagvormittag noch nicht liefern. Er gibt allerdings zu bedenken, dass es sich bei der Brücke um eine kommunale Wählergruppe handelt. Man könne nicht vom Bundestrend profitieren, wie etwa die Linke. „Und 2020 haben wir noch vom Wolbergs-Bonus profitiert“, sagt Wolbergs, der als durchaus beliebter Oberbürgermeister galt, bis er 2017 vom Amt suspendiert wurde. Besagten Bonus gebe es in gewisser Weise nach wie vor. „Schauen Sie sich mein Ergebnis an, oder das meines Sohnes.“ Wolbergs wurde von Platz sieben auf Platz zwei vorgewählt. Tim Wolbergs gar von Platz 23 auf Platz neun. Als Wahlverlierer müsse man keine Empfehlungen abgeben, sagte Wolbergs. Aber: „Ich mache mir große Sorgen um künftige Mehrheiten im Stadtrat.“

Das sieht auch SPD-Chef Alexander Irmisch so. Die Sozialdemokraten haben das Ergebnis von 2020 gehalten. Das sei – neben der Stichwahl – das Ziel gewesen. „Man muss dankbar sein, wenn man nicht verliert.“ Zumal: „Andere hat es härter getroffen.“ Womit er definitiv nicht zufrieden sei, sei die Stärke der AfD. „Das macht deutlich, dass nun alle demokratischen Kräfte dagegen halten müssen.“ Das funktioniere nur, wenn alle zusammenarbeiteten und verlässliche Politik machten.

Die Linke feiert ein triumphales Comeback in Regensburg

Die Linkspartei feiert ein Comeback. Nachdem Irmgard Freihoffer zum BSW gewechselt war, war die Partei rund zwei Jahre gar nicht mehr im Gremium vertreten – nun ziehen vier Kandidaten ein. „Wir sind mehr als zufrieden“, sagt OB-Kandidat Sebastian Wanner. „Unser Ziel war der Fraktionsstatus. Das haben wir erreicht.“ Wanner will den Höhenflug seiner Partei nicht alleine am Bundestrend fest machen. „Wir haben einen wahnsinnig aktiven Wahlkampf geführt.“ So hätten Parteimitglieder an 5000 Haustüren in Regensburg geklingelt und tausende Flyer verteilt. „Wir haben konstant viel Arbeit geleistet.“ Das habe die Partei nun auch im Stadtrat vor. Wanner betonte: „Wir wollen eine konstruktive Kraft sein.“ Die Fraktion sei bunt gemischt. Das reiche von einem gewerkschaftlichen Hintergrund zu einem aktivistischen Zugang zu Politik, bis hin zu einer angehenden Bankfachwirtin. Wanner ist sich sicher. „Wir sind eine schlagkräftige Truppe.“

Kommunalwahl in Regensburg: Hat Volt den anderen Stimmen gekostet?

Des einen Freud ist des anderen Leid: Die ÖDP hat 2,4 Prozentpunkte verloren und büßt damit auch einen Sitz im Stadtrat ein. Die Fraktionsvorsitzende Astrid Lamby führt das auch auf das starke Ergebnis der Linkspartei und von Volt zurück. Man habe sich zudem schwer getan, junge Menschen zu erreichen, so ihre erste Einschätzung. Der Wahlkampf sei gut gelaufen. „Aber ich glaube, wir haben ein Transportproblem.“ Die ÖDP galt in der zurückliegenden Stadtratsperiode insbesondere seit dem Aus der Koalition als Zünglein an der Waage. Beispielsweise bei der Verkehrsberuhigung. Auch mit zwei Sitzen sei man weiterhin durchaus interessant für Koalitionen und Mehrheiten, betont Lamby. Zumal die ÖDP als konsequent, aber verlässlich und professionell bekannt sei.

Die FDP verliert 1,1 Prozent. Damit sitzt nurmehr Horst Meierhofer für die Liberalen im Stadtrat. Wie er das findet? „Naja, bescheiden.“ Da es schon 2020 knapp gewesen sei, sei allerdings schon zu befürchten gewesen, dass es nicht mehr für zwei Sitze reicht. Woran es lag? „Es sind insgesamt keine guten Zeiten für die Liberalen.“ In Regensburg habe womöglich auch der Erfolg von Volt ein paar Stimmen gekostet. „Aber man selbst kann auch immer besser sein.“ Die Angesprochenen sehen das anders.

Lisa Brenner, OB-Kandidatin von Volt, glaubt nicht, dass ihre Partei auf Kosten der FDP Stimmen gewonnen hat. Sie führt ihren Erfolg darauf zurück, dass viele Menschen das Gefühl gehabt hätten, dass sich in den vergangenen Jahren wenig getan habe in der Stadt. „Die Leute hatten Lust auf eine neue Partei im Stadtrat.“ Volt habe einen Nerv getroffen. Nun bekomme man die Chance, sich im Gremium zu beweisen. „Wir wollen so produktiv wie möglich arbeiten.“ Mit wem, das werde sich noch herausstellen.

Grüne verlieren zwei Mandate im Regensburger Stadtrat

Die Grünen haben 3,4 Prozent verloren im Vergleich zu 2020. „Das ist kein Sieg, aber auch keine Niederlage“, sagt Fraktionschef Daniel Gaittet. „Wir konnten uns als zweitstärkste Kraft etablieren.“ Zumal seine Partei gezeigt habe, auch bei der OB-Wahl mitspielen zu können. „Wir haben uns im Wahlkampf auf die OB-Wahl konzentriert.“ Das zeigten auch die Zahlen, dort habe seine Partei 4,5 Zähler zugelegt. Seine Fraktion büßt allerdings zwei Sitze ein. Yasmin Hopp und Michael Achmann-Denkler verfehlten den Wiedereinzug deutlich. Diese hätten sich allerdings aus freien Stücken dazu entschieden, relativ weit hinten zu kandidieren, sagt Gaittet. Jürgen Mistol sei gar nicht mehr angetreten. Dafür habe man mit Yassin Domke einen Vertreter des Parteinachwuchses in das Gremium gebracht. „Das ist der CSU nicht gelungen.“