„Besser als jeder Krimi“: Tränen nach Herzschlag-Finale um OB-Stichwahl in Regensburg

Von Philip Hell · 8. März 2026 um 23:45

137 Stimmen machten am Ende den Unterschied: Thomas Burger (SPD) zieht in die Stichwahl um den Oberbürgermeister-Posten in Regensburg ein. Der Sozialdemokrat sticht damit die Grüne Helene Sigloch aus. Auch bei anderen Parteien gibt es Grund zur Freude.

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Um 19.53 Uhr kullerten kleine Tränen. Thomas Burger (SPD) hat gerade das Marinaforum betreten. Er ist umringt von Genossen und Familienmitgliedern. Wenige Augenblicke zuvor war endgültig klar, dass er gegen Astrid Freudenstein (CSU) in der Stichwahl um den OB-Posten antreten wird. Burger ist damit nicht der einzige Gewinner an diesem Abend.

Freudenstein ließ die übrigen elf Kandidaten weit hinter sich. Die amtierende zweite Bürgermeisterin bekam 37,5 Prozent der Stimmen – mithin acht Punkte mehr als 2020. Sie sei sehr zufrieden, sagte die CSU-Politikerin. „Bei zwölf Kandidaten ist alles, was über 30 Prozent geht, ein Wahnsinn.“ Vor sechs Jahren habe sie einen Wahlkampf aus Berlin machen müssen, das sei deutlich schwerer gewesen. Freudenstein saß seinerzeit im Bundestag. In den kommenden zwei Wochen werde gekämpft. Sie wolle deutlich machen, dass es um viel für die Stadt geht.

Stichwahl um den OB-Posten in Regensburg: 137 Stimmen machen den Unterschied

Freudensteins Kontrahent bei der Stichwahl am 22. März sprach gestern Abend von einer „total spannenden Kiste“. Der SPD-Politiker (19,1 Prozent) setzte sich im Rennen um die Stichwahl denkbar knapp gegen die Grünen-Kandidatin Helene Sigloch (18,9 Prozent) durch. Letztlich machten 137 Stimmen den Unterschied. Ein Krimi im Fernsehen hätte nicht spannender sein können, befand Burger. „Die SPD ist immer für Spannung gut.“ Er habe im Vorhinein gar kein Gefühl gehabt, sagte Burger. Gerade der Umstand, dass Regensburg bereits eine rote Stadtspitze habe, habe für eine gewisse Unsicherheit gesorgt. In Bezug auf die noch amtierende OB Gertrud Maltz-Schwarzfischer sagte er, dass es bei aller Wertschätzung für seine Parteifreundin die Aufgabe gewesen sei, zu erklären, wo die Unterschiede seien. Burger lag 3,1 Prozent hinter dem Ergebnis von Maltz-Schwarzfischer von 2020. Das habe er aufgrund ihres damaligen Amtsbonus allerdings erwartet.

Die Freien Wähler konnten leicht zulegen. Kandidat Michael Schien holte 5,3 Prozent der Stimmen – 0,1 Punkte mehr als Ludwig Artinger vor sechs Jahren. Bemerkenswert insbesondere deshalb, weil Schien bislang noch nicht im Stadtrat sitzt. Gänzlich unbekannt sei er dennoch nicht, merkte Schien an. Er habe schließlich 2023 für den Landtag kandidiert. Er sei jedenfalls zufrieden mit dem Ergebnis. Es sei gelungen, die Inhalte der Freien Wähler zu platzieren. Schien hatte mit „Wer ist das?“ auf Plakaten geworben. Diese Frage sei hoffentlich jetzt beantwortet, sagte Schien.

Sebastian Wanner, OB-Kandidat der Linken, sprach in Anbetracht von 3,8 Prozent von einem „Rekordergebnis“ seiner Partei in Regensburg. Dieses sei allerdings nicht nur dem bundesweiten Höhenflug der Linken zuzuschreiben. „Das wäre zu einfach“, betonte Wanner. Auch in Regensburg habe man ordentlich Mitglieder hinzugewonnen. Darüber hinaus biete man etwa eine Sozialsprechstunde an. Dazu käme der Haustürwahlkampf seiner Partei. „Wir haben uns als Gegenangebot dargestellt.“ Für Wanner hat das Ergebnis auch eine persönliche Dimension. Schon sein Großonkel Kurt Wanner wollte Regensburger OB werden. Er müsse das noch einmal überprüfen, sagte der 23-Jährige. „Aber ich schätze, ich bin über ihm.“ Wanner kündigte an, dass die Linke nun erst einmal feiern werde. Allerdings in der Lokanta. „Unser Parteibüro ist mittlerweile einfach zu klein.“

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Die Europa-Partei Volt trat erstmals zu einer Kommunalwahl in Regensburg an. Spitzenkandidatin Lisa Brenner holte aus dem Stand 1,8 Prozent. Sie sei „super zufrieden“. Die Partei musste erst Unterschriften sammeln, um antreten zu dürfen. Gerade das habe geholfen, befand Brenner. In Burgweinting sei man beispielsweise sehr aktiv gewesen, was sich auch in den Stimmanteilen widerspiegele. „Ich habe auch für mich selbst unglaublich viel gelernt.“ Brenner sah sich während des Wahlkampfs mit Anschuldigungen eines ehemaligen Parteikollegen konfrontiert. Das sei für sie keine leichte Zeit gewesen, sagte sie. Sie habe allerdings das Gefühl gehabt, mit den Leuten im Wahlkampf gut über diese Angelegenheit sprechen zu können, und die Vorwürfe auszuräumen.

Kommunalwahl 2026: Satire-Partei feiert Sieg in Regensburg vorsorglich

Ingo Frank, OB-Kandidat der Satire-Partei Die Partei, hat sicherheitshalber schon am Samstagabend seinen Wahlsieg in der Alten Filmbühne gefeiert. Diesen verfehlte er mit 0,8 Prozent letztlich deutlich. Dennoch sei er zufrieden. „Ich habe noch 99,2 Prozentpunkte Luft nach oben.“ Frank lag zwar leicht unter seinem Ergebnis von 2020 (-0,4 Prozent), dennoch kann man das Resultat durchaus als Erfolg werten. Frank hatte im Wahlkampf selbst offen zugegeben, nicht unbedingt der aktivste Stadtrat zu sein. Wie das funktionierte? „Wir haben intelligente Wähler. Und nur weil man nichts macht, heißt das ja nicht, dass nichts passiert.“