Wahlempfehlungen vor Regensburger OB-Duell: Wer wirbt für Freudenstein, wer für Burger?

Am Dienstag positionierten sich in Regensburg vor der bevorstehenden Stichwahl erste Parteien und Gruppierungen für die CSU-Kandidatin oder den SPD-Kandidaten. Warum andere noch abwarten, obwohl am 22. März jede Stimme zählen wird.
Bei der Stichwahl in Regensburg zwischen Astrid Freudenstein (CSU) und Thomas Burger (SPD) kommt es auf jede Stimme an. Zwar bekam Freudenstein mit 37,5 Prozent in der ersten Runde fast doppelt so viel Zustimmung wie Burger (19,1 Prozent). Andererseits ist das Lager, das jetzt Burger unterstützen könnte, ebenfalls groß. Die erste Wahlempfehlung, die am Dienstag öffentlich wurde, war aber eine für die CSU.
Sie kam am Morgen von den Freien Wählern, die vor dem schwarz-roten Duell 2020 keine Position bezogen hatten. Diesmal schrieben sie: Die jetzt endende Wahlperiode habe gezeigt, „wie schwer es als Stadtoberhaupt mit einer im Vergleich zu anderen Parteien kleinen Fraktion ist, die eigenen Vorstellungen umzusetzen, stabile Mehrheiten zu organisieren und die Stadt nachhaltig voranzubringen“. Wie 2020 ist die CSU mit 13 Sitzen die größte Stadtratsfraktion, während die SPD sechs Stadträte stellt.
Die FW (drei Stadträte) beklagen: „Stillstand wurde in den letzten Jahren zum Alltag und wichtige Projekte hängen in der Warteschleife.“ Regensburg brauche daher „frischen Schwung, klare Kommunikation und eine Stadtspitze, die ihrer Führungsverantwortung gerecht wird“. Freudenstein verfüge als zweite Bürgermeisterin „über die notwendige Verwaltungs- sowie Führungserfahrung, benennt Probleme, findet pragmatische Lösungen und ist daher in der Lage, die Stabilität sowie Handlungsfähigkeit einer zukünftigen Stadtratskoalition im Sinne Regensburgs zu gewährleisten“.
Stichwahl knapp verfehlt
Kurz danach stellten die Grünen klar, dass für sie eine Stimme für die SPD „eine Stimme gegen Stillstand und für eine lebenswerte Stadt“ ist, so OB-Kandidatin Helene Sigloch in einer Mitteilung der Parteispitze. Sigloch hatte mit 18,9 Prozent den Einzug in die Stichwahl knapp verfehlt und bedankte sich bei den Wählern für ihr Vertrauen, bevor sie um Stimmen für Burger bat. Die Stadt brauche „eine klare sozial-ökologische Wende: mutige Lösungen für bezahlbaren Wohnraum, guten ÖPNV und Zusammenhalt in unserer Stadt“, führte Sigloch aus. Kreisverbands-Sprecherin Marie Scholz ergänzte: „Uns ist wichtig, dass Regensburg einen Oberbürgermeister bekommt, der die drängendsten Herausforderungen unserer Zeit ernst nimmt.“ Die Grünen haben künftig neun Stadträte.
Der als Stadtrat wiedergewählte Politkünstler Jakob Friedl (Ribisl-Partie) bestätigte seine Ankündigung einer Wahlempfehlungs-Aktion vom Sonntag. „Ich hätte gerne die Helene Sigloch unterstützt, aber selbstverständlich unterstütze ich auch gern den Thomas Burger.“ Zu diesem Zweck wolle er am Samstag zwischen 14 und 16 Uhr auf dem Haidplatz knapp 300 seiner „Malplakate“ aus dem Wahlkampf versteigern. Noch-Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) habe sich angesagt „und darf sich das Schönste aussuchen“.
Andere Parteien wollen sich noch abstimmen, intern oder auch mit anderen, schließlich geht es bei einer Wahlempfehlung auch um Positionierungen für eine spätere Koalitionsbildung. Manche warten darauf, dass jemand auf sie zukommt, so wie die Brücke. Thomas Thurow sagte am Dienstag über die Mitgliederversammlung am Montagabend: „Wir haben uns mehrheitlich dazu entschieden, noch nichts zu machen.“ Eine weitere Versammlung folgt. Auch Volt und die FDP haben Sitzungen zum Thema vor sich. Die Linke ist ebenso wie die ÖDP in Gesprächen.
Die AfD teilte mit: „Wir halten unsere Wähler und Mitglieder für mündig genug, selbst zu entscheiden, wer oder was besser für Regensburg ist.“