Mehrere Auffälligkeiten im Wahllokal in der Regensburger Konradschule

Wer wurde wo warum gewählt? Führt man sich die Statistik der vier erstplatzierten OB-Kandidaten in Regensburg zu Gemüte, erhält man interessante Erkenntnisse.
Gleiche Stadt, andere Welten: Bei den Ergebnissen der Oberbürgermeister-Wahl gab es wie gewohnt enorme Unterschiede in den einzelnen Bezirken. Wie die Statistik der Urnenwahl zeigt, hat sich beispielsweise die Welterbezone aus Altstadt und Stadtamhof einmal mehr als grüne Hochburg erwiesen. Mit Ausnahme eines einzigen Stimmbezirks konnte OB-Kandidatin Helene Sigloch hier überall die meisten Stimmen für sich verbuchen.
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Besagte Ausnahme stellt der Bezirk Nummer zehn dar, einer von vieren, der im Wahllokal Gerhardinger Grundschule in Stadtamhof beheimatet war. Hier hatte Astrid Freudenstein mit 32 Prozent die Nase vorn und verwies Sigloch (27,1) auf Platz zwei. Kein Zufall, denn unter diesen Bezirk fällt auch Freudensteins Wohnadresse.
Helene Sigloch bewegt sich zwischen 4,5 und 42 Prozent
In vielen anderen Bereichen des Stadtgebiets hat es die Frontfrau der CSU aber auch ganz ohne „nette Nachbarn“ in hohe 30-, stabile 40- und bisweilen sogar luftige 50-Prozent-Regionen geschafft und damit klar den ersten Rang belegt. Das beste Resultat erzielte Freudenstein im Stimmbezirk 17, Katholisches Pfarrzentrum Sallern: Hier kam sie auf 57,7 Prozent. Ihre Minus-Ergebnisse hatte sie hingegen wenig überraschend in der Altstadt: Im Stimmbezirk 7 (Altes Rathaus/Dollingersaal) blieb sie bei 14,2 Prozent hängen, in einem der drei Bezirke im Wahllokal Albrecht-Altdorfer-Gymnasium in der östlichen Altstadt waren es 14,4 Prozent.
Mein Stimmbezirk ist der mit der Nummer 23, und da hatte ich immerhin 11,5 Prozent.Helene Sigloch, OB-Kandidatin der Grünen
Genau hier hatte Helene Sigloch ihren Top-Wert: 42,1 Prozent. Doch es ging auch tief hinunter für sie, genauer gesagt auf 4,5 Prozent im Stimmbezirk 24, dessen Wahllokal in der Konradschule lag. Ausgerechnet hier machte auch die Grünen-Kandidatin selbst ihr Kreuz – wurde sie also von ihren Nachbarn im Stich gelassen? „Nein“, sagt Sigloch, „mein Stimmbezirk ist der mit der Nummer 23, und da hatte ich immerhin 11,5 Prozent.“
Für die Konradsiedlung, die sie nach wie vor als „eher CSU-lastig“ bezeichnet, sei das ein ordentliches Maß an Akzeptanz. Die nur hauchdünn an der Stichwahl vorbeigeschrammte Grünen-Stadträtin führt dies unter anderem auf ihren wachsenden Bekanntheitsgrad zurück und nennt als weiteren Beleg dafür das Beispiel Winzer: „Dort haben wir früher gewohnt. Obwohl es einen starken CSU-Ortsverband gibt und der FDP-Kollege Horst Meierhofer hier zu Hause ist, habe ich fast 20 Prozent bekommen. Darüber habe ich mich sehr gefreut.“
Burger und Thurow können auf die Feuerwehr zählen
Weniger groß waren die Ausreißer bei Thomas Burger, der in der Stichwahl am 22. März die Chance hat, den Chefsessel im Alten Rathaus für die SPD zu verteidigen. Dass der Weg zu diesem Ziel ein weiter sein wird, zeigen sein Gesamtergebnis von 19,1 Prozent wie seine Einzelresultate gleichermaßen. Burgers mit Abstand bester Wert liegt bei 33,7 Prozent, erzielt bei seinem „Heimspiel“ im Stimmbezirk 103 mit Wahllokal im Feuerwehrgerätehaus Graß, wo er seit Jahrzehnten engagiert ist. Weiter nach oben ging es für den SPD-Kandidaten nirgends, allerdings auch nicht in zu tiefste Tiefen: Nur in zwei Stimmbezirken landete er bei unter zehn Prozent, wie Sigloch fuhr er seine schlechteste Zahl (8,7) im Wahllokal Konradschule ein.
Hier trafen sich die Wähler aus insgesamt sechs Stimmbezirken. Für Thomas Thurow war dieser Ort ein kleiner Lichtblick an einem bitteren Wahltag. Nur in elf Bezirken kam der Brücke-Mann, der eigentlich die Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters im Blick hatte, auf zweistellige Ergebnisse. Fünf davon waren in der Konradschule zu verzeichnen, so auch sein Top-Wert von 15,3 Prozent im Stimmbezirk 24. Ein Grund dafür: Thurow ist in der Konradsiedlung und in Wutzlhofen bestens vernetzt, wohnt dort und fungiert als Vorstand der Feuerwehr.
Zum Schluss noch eine Auffälligkeit aus dem Bezirk 24 im Wahllokal Konradschule: Mit sechs Prozent waren hier mehr Stimmen zur OB-Wahl ungültig als sonst irgendwo in der Stadt.