Rededuell zur Stichwahl in Regensburg bei der MZ: Freudenstein und Burger zeigen sich kampfeslustig

Wenige Tage vor der Stichwahl haben die beiden Kontrahenten, die noch bis Sonntag um den Chefsessel im Rathaus kämpfen, ihre Rollen gefunden: Dr. Astrid Freudenstein (CSU) lässt keine Gelegenheit aus, um zu betonen, dass sie bereits eine amtierende Bürgermeisterin ist. Dr. Thomas Burger wird indessen nicht müde herauszustreichen, dass er dem Job an der Stadtspitze einen fortschrittlicheren und konstruktiveren Anstrich geben würde, als er es von seiner Gegnerin vermutet.
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Aus diesen Positionen heraus verteilen die beiden OB-Anwärter auf den letzten Metern etliche rhetorische Schläge. Viele davon sitzen. Unter die Gürtellinie gehen diese Angriffe aber nicht. Das wurde während der Podiumsdiskussion zur Stichwahl bei der Mittelbayerischen Zeitung am Dienstagabend deutlich. Moderiert wurde diese von Redakteurin Julia Ried und Dr. Christian Eckl, Chefreporter und Mitglied der Chefredaktion. Ihre Gesprächspartner zeigten sich selbstbewusst und kampfeslustig.
Die Kontrahenten lagen meilenweit auseinander
Dass sie der Stadtspitze bereits angehört, machte Freudenstein etwa deutlich, als es um den Aufsichtsrat der Stadtbau ging. Da habe sie immer reingewollt, aber nicht gedurft. „Ich wäre als Sozialbürgermeisterin gerne drin gewesen, um zu wissen, warum so wenig vorwärts geht“, sagte sie. Später präsentierte sie eine Bilanz ihrer Arbeit als Bürgermeisterin: „Ich eröffne jetzt dann ein Jugendzentrum, ich kann mein Chancenhaus eröffnen, ich habe ein Marienheim installiert, ich habe viele Laufbahnen saniert.“
Dem setzte Burger seine Vorstellung von sich als Manager an der Stadtspitze entgegen, der auf Kommunikation setze und ein Team bilde. Er habe vielfältige Führungserfahrung in verschiedenen Bereichen – sei es im Ehrenamt oder im Industriemanagement. Er kenne aber auch die Verwaltung sehr gut, weil er in vielen Aufsichtsräten sitze, tief in die Themen einsteige und mit den Menschen in der Verwaltung spreche. Führung heiße für ihn, Menschen zu verstehen. Auch als Fraktionsvorsitzender setze er seine Themen durch, zählte Burger seine Kompetenzen auf. Er sei in der Lage, die Leute an einen Tisch zu bringen – etwa die sechs Gruppierungen, die eine Wahlempfehlung für ihn ausgesprochen haben.

Ihre Redestile unterschieden sich sehr. Jedes Mal, wenn Freudenstein ihr Lachen wie ein Stilmittel einsetzte, war klar: Für Burger wird es jetzt gleich überhaupt nicht lustig. Garniert mit so einem Lacher erinnerte Freudenstein ihn beispielsweise daran, dass es im Gegensatz zum Konflikt wegen des Baulandmodells zwischen der CSU und der SPD beim sozialen Wohnungsbau durchaus schon einstimmige Beschlüsse zu dem Thema gab.
Als Burger sich dafür aussprach, die Parkgebühren zum Zentrum hin immer teurer zu gestalten, wies Freudenstein ihn darauf hin, dass die Gesetzgebung ihrer Auffassung nach hier Grenzen setzen würde. Auf Burgers Aussage, dass es durchaus Möglichkeiten für Kommunen gebe, Parkgebühren zu gestalten, reagierte Freudenstein mit: „Ahahaha, nein, ahahaha!“. Burger widersprach dem nochmals.

Ein Japser entfuhr Freudenstein auch, als sie Burger erklärte, wie schwierig Koalitionsverhandlungen seien. Da sei er aber noch nie dabei gewesen. Da zählte Burger auf, dass er während der Koalitionsverhandlungen nach den vergangenen drei Kommunalwahlen jedes Mal mit am Tisch gesessen sei.
Ein weiteres Stilmittel Freudensteins war die Wiederholung. Keine einzige Wohnung, keine einzige Wohnung, keine einzige Wohnung sei mit dem Baulandmodell entstanden. Zu Fußgängerzonen in der Altstadt: „Alle sind für Radler freigegeben, alle sind für Radler freigegeben.“
Dass Burger sich auf einer Aufholjagd befindet, wurde auch an seiner Sprechgeschwindigkeit deutlich: Der Mann, der im ersten Wahlgang lediglich 19,1 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen konnte, während Freudenstein satte 37,5 Prozent absahnte, redete, als ob es um sein Leben gehen würde. Verkehr, Kaufhof, Wirtschaft: Seine Wangen waren vom vielen Argumentieren schon ganz rosig geworden.
SPD und Freie Wähler, CSU und Grüne: Wer mit wem?
Ob die beiden vielleicht doch wieder zusammenfinden, werden die Koalitionsverhandlungen zeigen, die nach der Stichwahl definitiv notwendig sind. Und so waren auch mögliche Bündnisse an diesem Abend Thema. Auf die Freien Wähler angesprochen, nach deren Auffassung mit Burger ein Stillstand drohe, antwortete der: „Ich bin mir sicher, wenn es danach ein Szenario gibt, bei dem die Freien Wähler mitspielen dürfen, werden sie da mitspielen.“ Freudenstein bezeichnete die Grünen als eine Partei, die für ihre CSU ein Partner sein könne. Mit politischen Rändern wie der AfD werde sie aber nicht zusammenarbeiten. Für ihn liege die AfD sogar hinter dem politischen Rand, sagte Burger.
Auf die Option angesprochen, dass ihm auch ein Bürgermeisteramt winken könnte, sagte Burger, dass er jetzt Oberbürgermeister werden möchte. „Alles andere klärt sich danach. Ich habe ein ungekündigtes Arbeitsverhältnis. Ich habe ja einen Job. Also meiner ist nicht zeitlich begrenzt. Von daher kann ich in Ruhe überlegen, was sich für Alternativen bieten“, ergänzte er. Die Frage, ob ein Bürgermeisteramt für sie unter einem möglichen Oberbürgermeister Burger denkbar wäre, beantwortete Freudenstein mit: „Die Option gibt es nicht mehr, weil die SPD das beendet hat vor zwei Jahren.“ Da wäre eine Neuauflage in ihren Augen sinnfrei.
Dass sie als Oberbürgermeisterin die SPD durchaus als möglichen Koalitionspartner auf dem Schirm hätte, wurde wenig später deutlich: Freudenstein habe mit 13 Mitgliedern die mit Abstand größte Fraktion im Rücken. Damit gebe es viele Optionen. Mit den Freien Wählern wären es schon 16 Stadträte im Bündnis. „Dann geht es sowohl mit den Grünen als auch mit der Brücke und der SPD“, sagte sie.