Persönliche Spitzen und lustige Einblicke: Wer hat das Zeug zum Chamer Landrat?

Fünf Tage vor der Stichwahl zum neuen Chamer Landrat gibt es im Cine-World im Hotel Randsberger Hof ganz großes Kino: In zwei Sälen verfolgen rund 275 potenzielle Wähler das letzte persönliche Duell der beiden Kandidaten Christian Schindler (Freie Wähler) und Michael Multerer (CSU), zu dem Bayerwald-Echo und Kötztinger Umschau geladen hatten.
Ein spannender und – unerwarteterweise – auch sehr unterhaltsamer Abend: Die Moderatoren, Redaktionsleiter Martin Hennings und seine Stellvertreterin Anna-Maria Ascherl, zwingen die Protagonisten nicht nur bei brisanten Themen zu klaren Aussagen, sondern kitzeln auch persönliche Aussagen aus ihnen heraus. Das bereitgestellte Popcorn bleibt am Ende unangetastet.
Stattdessen prostet sich nach Park-Chaos und Andrang vor den Saaltüren ein Besucher durch die komplette erste Reihe an Polit-Prominenz. Zu der gehören unter anderem Landrat Franz Löffler sowie Landtagsabgeordneter Gerhard Hopp und Ex-MdB Karl Holmeier, die sich zum Redespektakel eine kühle Halbe gönnen. „Die besten Plätze sind im Kino weiter oben“, frotzelt Schindler kurz vor Beginn der Vorstellungsrunde gut gelaunt in die vordere Reihe – die Stimmung bei beiden Kandidaten: konzentriert, aber im Großen und Ganzen entspannt.
Knallharter Einstieg mit schwierigem Thema
Daran ändert auch nicht viel, dass das Thema AfD gleich zu Anfang für einen energiegeladenen Einstieg in den Abend sorgt – auch, weil hier die Unterschiede der beiden Kandidaten im Charakter und in ihrer Herangehensweise an diesem Abend am deutlichsten werden.
Während Schindler betont, ein Landrat müsse mit allen Bürgern reden, auch mit AfD-Wählern im Gespräch bleiben und persönlich Überzeugungsarbeit leisten, wirft Multerer ihm genau das vor: Schindler wolle AfD-Anhänger für sich gewinnen.
Schindler will Livestreams aus dem Kreistag einführen
Schindler lässt sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen: Ein Landrat sei für alle da. Beifall aus dem Publikum zeigt, dass der integrative Ansatz auch ankommt. Notwendige Transparenz, die im Umkehrschluss zu mehr Vertrauen in die Demokratie führen werde, kann Schindler sich durch Livestreams aus den Kreistagssitzungen vorstellen.
Zum Thema: Impressionen vom MZ-Duell ums Chamer Landratsamt mit Multerer und Schindler im Kino
Ähnlich unterschiedliche Angaben machen beide Kandidaten nur noch beim Thema Motivation für die Landratskandidatur. Schindler, der als Chamer „im öffentlichen Dienst groß geworden“ ist und sich als begeisterter Ehrenamtler schon lange auch politisch engagiert, will sich „für die Heimat einsetzen und die gute Arbeit Löfflers und dessen Vorgänger fortsetzen“.
Multerer sagt, er habe nach drei Legislaturperioden als Bürgermeister für die nächsten zehn, zwölf Jahre vor dem Ruhestand noch einmal nach einer Herausforderung gesucht und wolle als Landrat Gas geben, statt seine politische Karriere in Arnschwang ruhig ausklingen zu lassen.
Außer ein paar versteckten, Seitenhieben in Richtung Mitbewerber verläuft der Abend im weiteren Verlauf äußerst fair – auch, weil sich keiner provozieren lässt und meist sachliche Antworten zu hören sind.
Das wird auch deutlich, als die Kandidaten die Stärken des jeweils anderen benennen sollen: Schindler bescheinigt Multerer, ein erfahrener Bürgermeister zu sein, was ihn definitiv als Landrat qualifiziere. Multerer sagt, seine umfangreiche Verwaltungsausbildung könnte dazu führen, dass Schindler „schneller Urlaubsvertretungen im Landratsamt“ übernehmen könne.
Nerven bei einem Quiz: Wer weiß mehr über den Landkreis?
Richtig Nerven zeigen die Kandidaten unerwartet nur ein einziges Mal – beim Landkreis-Quiz, mit dem Anna-Maria Ascherl dem Heimatwissen der Kandidaten auf den Zahn fühlt. So sollen Multerer und Schindler Berge des Landkreises, große Unternehmen, überregional bekannte Persönlichkeiten und Lieblingsrestaurants und -kneipen aufzählen. Dass Schindler hier Schlagersänger Hansi Hinterseer in den Landkreis verortet, wird vom Publikum ebenso mit einem Lacher quittiert, wie die Tatsache, dass Multerer quer durch den Landkreis mit Wirtshaus-Namen brillieren kann.
Nach fast eineinhalb Stunden Duell zu vorgegebenen Themen bleiben für das Publikum offensichtlich nicht mehr allzu viele Fragen offen – ein paar Wortmeldungen werden von den Kandidaten prompt und abgeklärt beantwortet.
Wer auch immer am kommenden Sonntag mehr Stimmen auf sich vereinen kann – beide haben schon verraten, was im Falle des Falles auf ihrem Landrats-Schreibtisch Platz finden würde: bei Schindler das Handy, bei Multerer ein Kaffeehaferl.
Ach ja: Und zumindest Multerer weiß konkret, was er als Landrat auf jeden Fall anders machen würde als Franz Löffler: „Ich würde nicht so viel im Auto telefonieren“, spielt er darauf an, dass der derzeitige Landrat dafür bekannt ist, morgens ins Auto einzusteigen und dort sofort mit der Arbeit zu beginnen.
Schindler sagt dagegen: „Ich würde bestimmt viele Dinge anders machen. Ich bin ja nicht Franz Löffler, sondern Christian Schindler.“ Die hervorragende Arbeit des Amtsinhabers möchte er nicht bewerten, sondern auf seinen eigene Stil setzen: „Ich möchte niemanden kopieren.“
Was wäre, wenn Sie auf einer einsamen Insel stranden würden...
Welcher Gegenstand sollte dort auf Sie warten? Schindler: ein Handball bringt nichts ohne ein Tor, darum eine Wasserflasche, ich hoffe ja zu überlebenMulterer: eine Angel
Donald Trump erleidet Schiffbruch und wird ans Ufer gespült. Was tun Sie? Multerer: die Angel einholenSchindler: Ich gebe ihm die Wasserflasche nicht (lacht); Nein, ich würde auf die andere Seite der Insel gehen.
Mit welchem Promi würden Sie gerne auf der Insel festsitzen?Beide: Trump schon einmal nicht.Schindler: einem erfahrenen Schwimmer. Michael Phelps, der kann sich Gewichte dranhängen und mich mit rausbringen.Multerer: Lucki Maurer, der kann aus allem noch etwas zu essen zaubern.

