Viele Ideen für den neuen Chamer Spitalplatz: Parkplatz-Lösung gefällt nicht allen

Von Tanja Fenzl · 13. März 2026 um 19:00

Mehr als zwei Jahre hat Architekt Josef Garnhartner sich inzwischen mit dem Spitalplatz in Cham beschäftigt. Am Donnerstag stellte er seine vorläufigen Planungen für das Areal rund um Stadtbücherei und Spitalkirche dem Stadtrat vor. Nicht alles, was er vorlegte, fand dabei bei allen Gefallen.

Dabei orientiert sich der Inhaber eines Deggendorfer Betriebs für Landschaftsarchitektur am Urkataster, also an alten Karten des historischen Cham von vor rund 200 Jahren. Der Spitalplatz befindet sich demnach als eine Art Vorstadt außerhalb der ursprünglichen Stadtmauer, was Garnhartner bei seinen Überlegungen berücksichtigte. „Das war damals schon außerhalb von Cham und quasi der Übergang zur Landschaft um die Stadt herum. Das ist für meinen gestalterischen Ansatz wichtig“, erklärte er den Stadträten.

Platz soll aus Dornröschenschlaf erwachen

Denn: Die Vorstadt solle genau das widerspiegeln: Sie soll im Übergang von Stadt zu Außenbereich grüner werden – und an der Pforte zur Innenstadt heute auch verkehrsberuhigter. Den Spitalplatz an sich – von der Kreuzung beim Brunnenhof bis hin zum Haberl-Gebäude – will Garnhartner aus seinem Dornröschenschlaf holen und sowohl optisch als auch von seiner Funktion her komplett überarbeiten. „Wir wollen die Tristesse vertreiben, die der Platz verbreitet.“

■ Die Zugänge zum Platz der Menschlichkeit beim Spitalgebäude und zur Stadtbibliothek von Brunnendorf her kommend sollen auf zwei beschränkt werden. Die mittlere Maueröffnung beim Zebrastreifen will Garnhartner zumauern, um den Platz insgesamt ruhiger zu gestalten und vom Verkehr besser abzuschotten. „Wir wollen hier mehr Ruhe und Intimität schaffen.“

Der mittige Zugang zum Platz der Menschlichkeit am Spitalplatz (im Bild rechts) soll geschlossen werden. - Foto:

■ Dort sollen auch weitere Bäume und angelegte Blumenbeete für Entspannung sorgen. Ein renovierter Brunnenbereich und Sitzgelegenheiten sollen den Platz aufwerten.

■ Der Gehweg gegenüber der Stadtbücherei soll verbreitert werden, auf der Büchereiseite nur eine Art Abstandhalter verbleiben.

■ Der Straßenbelag im Kreuzungsbereich Obere Regenstraße und Spitalplatz soll gepflastert werden, um die Autofahrer auf natürliche Weise zum Langsamfahren zu bewegen und auf den Innenstadtbereich aufmerksam zu machen.

■ Ein Baumtor bei der Spitalkirche, da, wo der schmale Weg von der Stadtmauer herunter zum Spitalplatz führt, soll als Symbol für ein Stadttor dienen und den Platz in den historischen Kontext einordnen und den Blick zum Spitalplatz öffnen.

■ Die Parkplätze auf dem Platz vor der Pizzeria am Spitalplatz sollen zum Großteil weichen, um den Platz für Ruhezonen und eventuell einen erweiterten gastronomisch genutzten Außenbereich zu schaffen. Garnhartner: „Dann hätte der Freisitz eine ganz andere Qualität als jetzt.“

■ Mehr Parkplätze sollen dafür gegenüber entlang der Straße vom Busbahnhof bis vor zum Spitalhof entstehen – indem die Fahrzeuge dort nicht mehr längsseitig, sondern quer zur Fahrbahn parken. „Das führe gleichzeitig zu einer schmaleren Straße und einer Verkehrsberuhigung an dieser Stelle“, so Garnhartner.

■ Die Flächen sollen einheitlich gestaltet werden – derzeit gebe es laut Planer viele verschiedene Bodenbeläge, die an vielen Stellen zu regelrechten Stolperfallen werden. Stichwort: Barrierefreiheit.

Unterschiedliche Beläge sorgen für Stolperfallen. - Foto: Tanja Fenzl

■ Vor der Metzgerei Haberl könne durch das Entfernen eines Baumes ein weiterer Parkplatz geschaffen werden. Insgesamt würden im gesamten Bereich Spitalplatz von den derzeit rund 40 Parkplätzen („je nachdem, wie geparkt wird“) etwa fünf wegfallen.

■ Möglicherweise könnte auch Platz für Spielgeräte gefunden werden, um das Areal generationenübergreifend zu einem Treffpunkt werden zu lassen.

Bis zu einer der nächsten Stadtratssitzungen wird Garnhartner nun die Pläne überarbeiten und einige Anregungen der Stadträte integrieren. So zeigte sich Stadtrat Georg Kuchenreuter (CSU) wenig begeistert davon, dass der mittige Zugang zum Platz der Menschlichkeit aufgegeben werden sollte. „Man sollte hier die Fußgängerströme berücksichtigen“, so seine Meinung. Und auch die neue Anordnung der Parkplätze vor dem Spitalhof sieht er kritisch: „Das klappt ja auch am Steinmarkt nicht.“ Hierdurch werde der Verkehrsfluss zu stark behindert. Beim Thema Baumtor vor Gebäuden gibt er zu bedenken: „Hier sollte man darauf achten, ob dadurch Wohnungen verdunkelt werden.“

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Stefan Schönberger (CWC) würde im Zusammenhang mit der Neugestaltung des Spitalplatzes auch die Fassaden einiger Gebäude dort überarbeiten und fragte an, ob es hierfür nicht möglicherweise Förderprogramme gebe. Bürgermeister Martin Stoiber erläuterte, dass man in den vergangen Jahren bereits mit einigen Besitzern im Gespräch gewesen sei, „aber wenn die nicht wollen, können wir beim Privatbesitz nichts machen.“

Der Platz vor der Pizzeria am Spitalplatz soll bestenfalls autofrei werden. - Foto: Tanja Femzl

Claudia Zimmermann (SPD) befand sich mit Garnhartner auf einer Linie, was die Parkplätze vor dem Spital angeht. „Aber einen Behindertenparkplatz würde ich hier belassen“, meinte sie. Bürgermeister Martin Stoiber stellte an dieser Stelle Parkplätze mit E-Ladesäulen in Aussicht, zu deren Schaffung die Stadt ohnehin verpflichtet sei.

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Bevölkerung soll mitreden dürfen

Bevor die Pläne konkret umgesetzt werden, wird neben dem Stadtrat auch die Bevölkerung Gelegenheit bekommen, ein Feedback abzugeben. „Wir planen eine Bürgerversammlung zu dem Thema“, stellte Bürgermeister Stoiber in Aussicht.

Der Spitalplatz soll barrierefrei gestaltet werden. - Foto: Tanja Fenzl

Und auch das nächste große Projekt in Chams Innenstadt steht schon in den Startlöchern: den Marktplatz barrierefrei zu machen. „Barrierearm wird es eher treffen“, meinte Stoiber.