Halle für Konzerte fehlt: Selbst Leiter Regensburger Eventlocations klagen über Mangel an Bühnen

Von Heike Haala · 16. März 2026 um 19:00

Ihre Organisatoren betiteln die Zündfunkparty zwar als die Mutter aller Partys, kürzlich aber bekamen einige Stammgäste vor den Türen des Leeren Beutels einen Umgang zu spüren, den diese allenfalls als stiefmütterlich bezeichnen würden. Einlassstopp, hieß es an jenem Abend immer wieder. Schnell hatten die Wartenden eine Traube gebildet. Dies war nicht die einzige Gelegenheit, bei der zuletzt deutlich wurde, dass es in Regensburg mehr Bedarf an Platz für Veranstaltungen aus dem Bereich der Popkultur gibt, als momentan verfügbar ist.

Video ansehen

Im November hatte Lukas Schätzl das Aus für Corner Concerts verkündet. Mit dem Projekt hat er drei Jahre lang Popkonzerte in Regensburg veranstaltet. Doch er sieht keine Option mehr darin. Der Grund: Es fehle eine passende Halle und damit Platz. Ähnliche Szenen wie vor der Zündfunkparty im Leeren Beutel könnten sich zudem in der Nacht auf den 1. Mai vor der Alten Mälzerei wiederholen. Die legendäre und stets gut besuchte Geburtstagsparty wird in diesem Jahr lediglich auf zwei statt wie bisher auf drei Ebenen stattfinden. „Aufgrund der aktuellen Besucherkapazitäten“, heißt es auf der Homepage des Kulturzentrums.

Platzproblem in der Mälze: Das Aurelium hilft aus

Menschen, die auf die Zündfunkparty wollten oder die gerne Corner-Konzerte besuchen, sind aber nicht die einzigen, die merken, dass es in Regensburg schnell eng für Popkultur wird. Das tut auch Klaus Wenk, Leiter des Aureliums in Lappersdorf. Denn in zwei Wochen bietet er den Rockern von „Heißkalt“, ihren Fans und der Vorband „Kontraire“ eine Bühne. Das Konzert hätte eigentlich in der Alten Mälzerei stattfinden sollen, wurde laut Wenk dann aber aus Kapazitätsgründen nach Lappersdorf verlegt.

„Natürlich kommen wir in Regensburg mit den vorhandenen Veranstaltungsstätten irgendwie zurecht, aber mehr schlecht als recht“, macht Wenk auf Nachfrage deutlich. Was in seinen Augen fehlt, ist eine angemessene Veranstaltungshalle, die alle gängigen Formate abbilden kann. Ob Deggendorf, Straubing, Dingolfing oder Cham – das sind in Wenks Augen alles Orte mit adäquaten Hallen. „Regensburg bräuchte dringend sowas“, sagt der Chef im Aurelium.

„In Regensburg fehlen geeignete Veranstaltungsorte“, sagt auch Arthur Theisinger, der die Eventhall Airport in Neutraubling betreibt, in der bis zu 1000 Menschen Platz finden. Er zählt auf, für welche Kategorien es in Regensburg seiner Meinung nach keine Veranstaltungsorte gibt: Es fehle eine Location, in die stehend bis zu 400 Besucher kommen können, weiterhin ein Kongresszentrum, in das bestuhlt 1800 bis 2500 und unbestuhlt 4000 bis 5000 Besucher passen, ein Ort, an dem stehend bis zu 10.000 und sitzend bis zu 4000 Besucher unterkommen, sowie eine Open-Air-Fläche mit Kapazitäten von bis zu 25.000 Gästen ohne Stühle und bis zu 10.000 Gästen mit Stuhlreihen.

Hoffen auf die Hilfe der Stadt und einen solventen Investor

Säm Wagner, Popularmusikbeauftragter des Bezirks Oberpfalz, sieht zudem durchaus auch noch den Bedarf für eine weitere Halle, in die bis zu 1000 Gäste passen und die offen für Fremdveranstalter ist. „Die Frage ist nur, wie bringt man das hin?“, sagt er. Die Stadt hatte zuletzt Auskunft gegeben, dass es trotz des Bedarfs keine Pläne für so einen Veranstaltungsort gebe. Während eines Netzwerktreffens der Popularmusikbranche in Regensburg und der Oberpfalz im Degginger sagte Kulturreferent Wolfgang Dersch kürzlich, dass der Wille, in jeder Art zu helfen, aber absolut da sei.

Wagner und Theisinger sehen den Weg zu diesem Ort ohnehin in einem privaten Investor. Sollte der nicht kommen, werden bestimmte Konzerte weiterhin an Regensburg vorüberziehen, prognostiziert Wagner. Theisinger wird deutlicher: So werde Kultur einer gewissen Größenordnung in Regensburg in den kommenden einhundert Jahren weiterhin „dahindümpeln“.

Noch eine düstere Prognose zeichnet dagegen der Verband für Popkultur in Bayern in seiner Einladung für die Fachkonferenz Dialog Pop 2026, bei der sich in der kommenden Woche Vertreter der Livemusikszene, Festival- und Clublandschaft, Kulturpolitik und Förderinstitutionen aus ganz Deutschland treffen. Anstatt von neuen Eventlocations ist darin sogar von einem drohenden Livekultur- und Clubsterben die Rede. „Bundesweit schließen Clubs, Festivals kämpfen ums Überleben, unabhängige Strukturen geraten ins Wanken“, warnt der Verband.