Konzertveranstalter wirft hin, weil es in Regensburg an passenden Bühnen fehlt

Von Heike Haala · 16. Dezember 2025 um 05:00

Das Konzert des Indie-Musikers Millenium Kid am Freitagabend in der Mälze ist mal wieder so ein Beispiel: Veranstalter Lukas Schätzl von Corner Concerts stößt mit der Produktion an die Grenzen der Bühne. Die Tickets sind vergriffen. Locker hätte Schätzl auch eine größere Spielstätte buchen können – aber so eine Halle gibt es in Regensburg nicht. Wegen Situationen wie dieser hat er beschlossen, Corner Concerts zuzusperren.

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Mit Schätzl wirft kein Traumtänzer hin, sondern jemand, der sich in Regensburgs Popmusikbranche auskennt, wie kaum ein anderer: Der Mann war schon Schlagzeuger der Band The Prosecution, Tourbegleiter, Stagemanager und arbeitet hauptberuflich als Bereichsleiter für die Förderung für Musikschaffender beim Verband für Popkultur in Bayern. Für ihn ist klar: Es sind die Bedingungen in der Domstadt, die für Konzertveranstalter in dieser Sparte zu widrig sind.

Fokus auf junges Publikum

Die sieben Gesellschafter hatten sich nicht nur auf die Fahne geschrieben, Konzerte mit junger Indie-Musik nach Regensburg zu bringen, sondern auch, dass alle Beteiligten faire Bezahlung erhalten und sich wohl fühlen sollen. Etwa sei es dem Team um Schätzl immer wichtig gewesen, so viele Frauen wie Männer auf die Bühne zu bringen. „Inhaltlich haben wir das geschafft, allerdings nicht so, dass auch wir eine faire Bezahlung erhalten haben“, sagt Konzertveranstalter Schätzl.

Dazu seien Konzerte in Regensburg zu schwer zu skalieren. Das hänge mit der Größe der Auftrittmöglichkeiten zusammen, an denen Veranstalter hier eine ganz bestimmte Sparte von Künstlern auf die Bühne bringen können: neue und erfolgreiche Popularmusiker, die Räumen wie denen in der Heimat oder der Mälze bereits entwachsen sind.

Viel Luft nach oben gibt es nach Ansicht der Gesellschafter von Corner Concerts bei Veranstaltungsorten in Regensburg. Das Konzert mit Millenium Kid am Freitag ist ausverkauft. - Foto: Can Wagener

So ein Konzert sei unter 200 Gästen nicht wirtschaftlich zu veranstalten und entwickle sich leicht zum Draufzahlgeschäft, verdeutlicht Schätzl. Bei einem Konzert auf der großen Bühne in der Mälze sei das Limit aber bei 400 Gästen erreicht. Ansonsten komme für ihn noch die Donauarena in Frage. Dort aber rechne sich kein Konzert unter 4000 Gästen, erklärt Säm Wagner, Popularmusikbeauftragter des Bezirks Oberpfalz. Kern des Problems bleibt für beide: In Regensburg fehle eine mittelgroße Halle für Indie-Konzerte mit einer Gästekapazität zwischen 400 und 4000.

„Im Moment schicken viele Agenturen deswegen schon gar keine Künstler mehr nach Regensburg“, sagt Schätzl. Das bestätigt Wagner: „Es gibt Konzerte, die gehen an Regensburg vorbei, weil es hier keine Halle wie das Backstage in München, die Posthalle in Würzburg oder den Z-Bau in Nürnberg gibt.“ In der Konsequenz müssten Fans aus der Region für diese Konzerte etwa nach Nürnberg oder München fahren, erklärt Schätzl.

Nische: Junges Publikum

Popularmusikbeauftragter Wagner macht deutlich, dass es hier nicht lediglich um eine Agentur oder ein paar Konzerte geht, sondern um das Wegbrechen einer gesamten Sparte aus der Kulturlandschaft Regensburgs: „Corner Concerts haben sich auf eine Nische konzentriert und diese auch erreicht: junges Publikum.“ Das gelinge gerade nur wenigen.

Wie also sieht es um die Pläne für eine mittelgroße Konzerthalle aus? Die gebe es gerade nicht, sagt Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt – und dies, obwohl auch sie durchaus von Bedarf spricht. Dafür müsste allerdings genau untersucht werden, welche Akteure es gebe und welche Bedürfnisse diese hätten sowie welche wirtschaftlichen Potenziale bestünden.

Mehrzweckhalle als Lösung?

Schätzl und Wagner sagen derweil, keinen Ort in Regensburg zu kennen, der als Konzerthalle in Frage komme. „Vielleicht wäre eine Mehrzweckhalle die Lösung, bei der Konzerte mitgedacht werden“, überlegt Schätzl. Wagner dagegen fragt sich, ob solche Räume passend wären. „Das beißt sich. Ich glaube, das ist ein bisschen zu schick für Punkmusik“, verdeutlicht er.

Und so sieht Schätzl im Moment keine andere Lösung als das Ende von Corner Concerts zu verkünden. Nach dem Auftritt von Millenium Kid am Freitag sind noch vier Konzerte geplant: Am 26. Februar kommt Popsänger Zartmann in die Donauarena. Am 19. April treten die Passauer Alternative-Rocker von Lonley Spring in der Heimat auf. Für 20. April ist ein Geheimkonzert in der Alten Mälzerei angekündigt und einen Tag später spielen die Frauen von Remote Bondage das Goodbye-Konzert in der Alten Mälzerei.