Alte Mälzerei: Stadt Regensburg pocht auf das Besucherlimit

Ausverkauft. Das bedeutete in der Alten Mälzerei in Regensburg in den vergangenen Jahren, dass es eng zuging. In den kommenden Monaten wird auch bei gut besuchten Veranstaltungen nun wieder mehr Platz sein. Die Stadt hat die Betreiber nämlich an die vor vielen Jahren fixierten Kapazitätsgrenzen erinnert, denn diese scheinen zuletzt in Vergessenheit geraten zu sein.
Ben Schmid hat den Club und die Keller-Bühne, den Underground, der Alten Mälzerei gepachtet und bewirtet sie. Er bestätigt der Mittelbayerischen, dass es zuletzt ein Schreiben der Stadt Regensburg gab. In diesem habe die Verwaltung – nach einer Begehung vor Ort – daran erinnert, dass die Kapazitätsgrenzen, die bei der Genehmigung des Gebäudeumbaus vor knapp 40 Jahren festgelegt wurden, einzuhalten sind. Konkret: In den Club dürfen maximal 200 Besucher reingelassen werden, in den Underground maximal 60.
Nach MZ-Informationen wurden für beide Areale in den vergangenen Jahren mitunter deutlich mehr Karten verkauft. Schmid will dies auf Nachfrage zwar nicht bestätigen, die ursprüngliche Kapazitätsbegrenzung aus der Baugenehmigung scheint zuletzt aber in der Tat nicht maßgeblich gewesen zu sein. Darauf deutet jedenfalls hin, dass nun, nachdem sie über die neue Lage informiert wurden, manche Veranstalter Ticketkontingente „angepasst“ haben, wie Schmid erzählt.
Bislang wurde noch keine Veranstaltung abgesagt
Beim Programm scheint in der Mälze vorerst alles relativ normal weiterzulaufen. Alle Veranstalter hätten bei ihm bislang „sehr kooperativ reagiert, es wurde auch noch nichts abgesagt“, sagt Schmid. Für ihn dürfte das Besucherlimit wohl dennoch finanzielle Einbußen mit sich bringen. Gegen die Stadt hegt er nach eigener Aussage aber keinen Groll: „Wir nehmen das an und gehen damit um. Es ist auch gut so, dass es auf diesem Weg erfolgt ist, ohne dass irgendjemand zu Schaden gekommen ist.“
Die Stadtverwaltung bestätigt, dass es einen Ortstermin in der Alten Mälzerei gegeben hat. Hier sei überprüft worden, ob die gesetzlichen Vorgaben des Baurechts und die Bestimmungen der Baugenehmigungen aus dem Jahr 1988 eingehalten werden. Zur Frage, ob diese Begrenzungen in den vergangenen Jahren mitunter überschritten wurden, wollte sich die Stadt nicht äußern. Die Verwaltung stehe aber bereits in Gesprächen mit Vertretern der Mälze und dem Gebäudeeigentümer, um die Besucherkapazität möglicherweise zu erhöhen. Dies könnte der Verwaltung zufolge etwa durch eine Verbreiterung der Türen erfolgen.
„Niemand will, dass etwas passiert, was durch besseren Brandschutz vermieden hätte werden können.Daniel Gaittet, Grünen-Stadtrat
Zuletzt gab es auch Spekulationen, dass die Prüfung der Alten Mälzerei eine Reaktion auf die Brandkatastrophe in der Silvesternacht in Crans-Montana sei und Kommunen von Freistaat oder Bund aufgefordert wurden, Veranstaltungsorte zu kontrollieren. Die Stadt Regensburg weist dies zurück. Die Prüfung der Mälze sei ein turnusmäßiger Vorgang gewesen, es habe keine Anweisung einer übergeordneten Behörde gegeben. Und es seien auch keine Baugenehmigungen anderer Veranstaltungsorte in Regensburg in irgendeiner Form nachjustiert worden.
Völlig unabhängig von der Bewirtung und Verpachtung der Räume durch den Pächter Ben Schmid gibt es den Kulturverein Alte Mälzerei. Dieser bietet in den Räumen an der Galgenbergstraße viele Veranstaltungen an und wird durch die Stadt gefördert. Durch die neue Situation bei der Kapazität könnten auf den Verein womöglich finanzielle Einbußen zukommen. Der Vorsitzende war am Montag aber nicht zu erreichen.
Im Stadtrat gibt es eigens einen Beirat „Alte Mälzerei“, der sich mit den Belangen des Vereins beschäftigt. In diesem sitzen Vertreter von CSU, SPD, Brücke, Freie Wähler, ÖDP und auch Daniel Gaittet von den Grünen. Dieser sagte der Mittelbayerischen, dass er es gut finde, dass auf den Brandschutz geschaut wird: „Niemand will, dass etwas passiert, was durch besseren Brandschutz vermieden hätte werden können.“ Gleichzeitig sollte Gaittet zufolge aber auch darauf geachtet werden, dass die Alte Mälzerei als Veranstaltungsstätte weiter existieren kann: „Ich hoffe, dass es da eine gute Lösung geben wird und wenn alle an einem Strang ziehen, kann so etwas ja auch schnell gehen.“ Er hätte auch bereit gestanden, mit dem Beirat die Situation zu besprechen. Dieses Angebot sei vom Verein aber ausgeschlagen worden: „Uns wurde gesagt, dass alle Beteiligten in Gesprächen sind und es deswegen keinen Bedarf an Unterstützung aus der Politik gibt“, sagt Gaittet, der offen einräumt, dass ihn diese Entscheidung „schon etwas irritiert“ hat.
Wirt will weitermachen und hofft auf schnellen Umbau
Mälze-Wirt Schmid will derweil auf jeden Fall weitermachen: „Ich kann nicht in die Zukunft schauen, plane aber derzeit nichts anderes.“ Er bleibe positiv und setze darauf, dass das nun nötige Betreiberkonzept und der sich anschließende Umbau schnell erledigt werden könnten. Die Kosten dafür trage die Paulaner-Brauerei, die das Gebäude von der Immobiliengesellschaft von Thurn&Taxis gepachtet und an Schmid weiterverpachtet hat. Die Brauerei habe ohnehin „sehr verständnisvoll“ reagiert, sagt Schmid, und sofort volle Unterstützung angeboten.