Retten, löschen, schützen – und sägen: Kelheims Feuerwehren sind an vielen Fronten gefordert

Von Lucia Pirkl · 15. März 2026 um 19:00

Zwischen Klimawandel und Katastrophenschutz: Die Aufgaben der Feuerwehren werden immer komplexer. Wie die Wehren im Landkreis Kelheim mit gezielter Ausbildung dagegen halten, lesen Sie hier.

Vor allem eines dürfte am Sonntagvormittag, 15. März, im Monarch-Hotel schnell klar geworden sein: Die Aufgaben der Floriansjünger werden immer umfangreicher und auch komplexer.

Einmal im Jahr kommen die Feuerwehren zur Dienstversammlung der Landkreis-Kommandanten und der Verbandsversammlung des Kreisfeuerwehrverbands (KFV) nach Gögging. Dann lässt die Kreisfeuerwehr das zurückliegende Jahr Revue passieren und gibt einen Ausblick auf die kommenden Monate.

■ Einsätze: 2025 war für die Feuerwehren im Landkreis ein vergleichsweise glimpflich ablaufendes Jahr: Im Vergleich zu 2024 gab es 1350 Einsätze weniger. Großflächige Schadensereignisse, wie etwa Hochwasser, blieben 2025 aus. 2177 Einsätze waren es insgesamt, und das sei immer noch eine hohe Zahl, bemerkte Kreisbrandrat und KFV-Vorsitzender Nikolaus Höfler in seiner Rede.

Im Einzelnen waren die Feuerwehrfrauen und -männer bei Bränden (431), technischen Hilfeleistungen (1110), ABC-Einsätzen (77), Sicherheitswachen (160), Sonstigem (280) sowie medizinischen Einsätzen (139) gefordert.

■ Personal: Erstmals seit Jahren verzeichnete die Landkreis-Feuerwehr Zuwachs bei den Erwachsenen; steigende Zahlen gab es aber auch bei den Kindern. Zum 31. Dezember 2025 leisteten 4326 Personen aktiven Dienst, 21 mehr als im Vorjahr – und das in 107 Freiwilligen Feuerwehren und drei Werkfeuerwehren. Erfreulich sei auch, so Höfler, dass es so viele Atemschutzträger wie noch nie gibt (1062).

In 94 Jugendgruppen seien 853 Jugendliche engagiert, 37 mehr als 2024. Zudem gibt es 27 Kinderfeuerwehren mit 548 Mitgliedern. Auch hier gab es einen Zuwachs von drei Kinderfeuerwehren und 57 Kindern im Vergleich zu 2024.

■ Frauen: Die Feuerwehr ist größtenteils immer noch von Männern dominiert. Von 4326 Aktiven sind 400 weiblich; nur eine Kommandantin gibt es im Landkreis. Die beiden Kreisfrauenbeauftragten Marina Hüttner und Theresa Reitinger versuchen, mit Ideen und Aktionen wie dem Girlsday Frauen für die Arbeit zu gewinnen. Der nächste Girlsday ist für 2027 geplant.

■ Ausbildung: Die Feuerwehren können auf ein breites Ausbildungsangebot zurückgreifen. „Das zeigt aber auch, wie vielfältig sich unser Aufgabenbereich mittlerweile gestaltet“, so Höfler.

Die Kreisausbildung umfasse derzeit 17 verschiedener Lehrgänge. Neu ist das virtuelle Training zur Innenbrandbekämpfung im Schulungsraum des Atemschutzzentrums Neustadt/Donau mittels VR-Brille. Dieses Training bietet viele Möglichkeiten der Auswertung. Auch die Ausbildung am Schaumtrainer hat sich bewährt.

Neben den Angeboten der Staatlichen Feuerwehrschulen kommt dem Training im Brandübungscontainer eine besondere Bedeutung zu. Auch 2025 trainierten Atemschutzträger den Ernstfall unter realen Bedingungen.

Dass die Aufgaben der Feuerwehr immer breiter gefächert sind, zeigt beispielsweise die Motorsägenausbildung. Stürme, starke Regen- und Schneefälle erfordern immer häufiger den Einsatz von Motorsägen – und deren Handling muss gelernt sein.

Wie vielfältig die Feuerwehrarbeit ist, davon zeugt auch ein Blick in die Inhalte der Führungskräfte-Seminare, die es heuer wieder geben wird. Wie man Löschwasser und Öl im Zulauf einer Kläranlage behandelt, wie der Brandschutz im Hopfenbetrieben aussehen kann, oder – im vergangenen Jahr auf der Tagesordnung – was bei Einsätzen mit Faserverbundwerkstoffen zu beachten ist: Das sind nur einige Stichworte aus dem umfangreichen Themenkatalog, der für die Wehren Alltag geworden ist.

Komplexer werden auch die Anforderungen an Kommandanten. Für sie wurde im vergangenen Jahr ein Einführungsseminar konzipiert, um mit geringem Zeitaufwand viel Wissen zu vermitteln.

■ Ausrüstung: Veränderte Anforderungen spiegeln sich auch in der Ausrüstung für den Katastrophenschutz wider: Der Landkreis ist an der Aufstellung und Ausstattung von Ölwehr-Kontingenten beteiligt. Deshalb hat der Landkreis nun einen Ford Ranger, der als Führungsfahrzeug und als Zugfahrzeug für den UTV (Utility Task Vehicle) dient , ein geländegängiges Mehrzweckfahrzeug.

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Um Großlagen-Ereignisse optimal koordinieren zu können, braucht es auch die passende Software. Die neue Einsatzleitsoftware EDP ermöglicht etwa bei Unwetter eine einfache Strukturierung der verschiedenen Einsatzstellen.

■ Übungen: Der Ernstfall wird regelmäßig geübt. Ende August 2025 fand die wohl bisher größte Katastrophenschutz-Vollübung des Landkreises statt. An der „Ägidius 2025“ in Abensberg beteiligten sich rund 750 Einsatzkräfte aus sämtlichen Rettungs- und Hilfsorganisationen.

Großübungen gab es aber auch im Jugendbereich, etwa beim Kloster Weltenburg, der Firma Högl in Dietrichsdorf sowie bei der Firma Eurobaustoffe in Bachl.

■ Nachwuchs: Nicht nur die Übungen zeigen, dass in den Nachwuchs viel Zeit investiert wird. Im vergangenen Jahr gab es zahlreiche Veranstaltungen, um den Rettungskräften von morgen das Ehrenamt schmackhaft zu machen: zum Beispiel die Abnahme der Jugendleistungsspange, der Kreisjugendfeuerwehrtag in Wildenberg, der Kinderfeuerwehrtag in Langquaid, die Abnahme des niederbayerischen Kinderflämmchens. Auch heuer wird es einen Kreisjugendfeuerwehrtag geben, mit dreitägigem Zeltlager: von 31. Juli bis 2. August in Rohr.

Für besondere Verdienste

Auszeichnungen: Abensbergs Kommandant Konrad Bauer erhielt 2025 das Steckkreuz des Feuerwehr-Ehrenzeichens von der Regierung in Niederbayern, das nur für besondere Verdienste um das Feuerwehrwesen alle zwei Jahre verliehen wird. Von 49.000 aktiven Feuerwehrdienstleistenden erhalten nur zehn Mitglieder alle zwei Jahre das Steckkreuz.

Eine besondere Auszeichnung ist auch der Ehrenamtspreis der Versicherungskammer Stiftung, den die Freiwillige Feuerwehr Offenstetten erhalten hat, für die integrative Jugendgruppe Cabrini-Feuertruppe.

Personalia: Neuer Kreisbrandmeister ist Hermann Herzog aus Siegenburg. Er wird offiziell ab 1. April Andreas Groß ersetzen. Groß hatte das Amt seit 2016 inne und trat aus beruflichen Gründen zurück.