Gillamoos: Brände, Explosionen und Verletzte bei größter Übung im Landkreis Kelheim

In wenigen Tagen beginnt der Gillamoos. Viele tausend Besucher werden in Abensberg im Landkreis Kelheim erwartet, sie wollen ein friedliches und fröhliches Fest erleben. Aber was ist, wenn da was passiert? Die Katastrophenschutzübung „Ägidius 2025“ gab Antworten.
Blaulicht, Sirenen, Martinshörner, immer wieder neue Einsatzfahrzeuge und 700 Einsatzkräfte: Am Freitagabend war auf der Gillamooswiese „ganz großes Kino“ geboten. Rettungsorganisationen, Polizei und sogar die Bundeswehr übten gemeinsam für unterschiedlichste Unfälle und Unglücke beim Gillamoos.
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Los ging es um 19.05 Uhr. Da brannten plötzlich mehrere Mülltonnen, zehn Minuten später kam es zu einem Schmorbrand in einem Stromverteilerkasten. Noch einmal fünf Minuten später rauchte es im Weinzelt. Die Einsatzkräfte kamen nicht zur Ruhe, der Abend wurde stressig.

Um 20 Uhr folgte der nächste Alarm. Ein Riesenrad war im Betrieb eingestürzt, mehrere Menschen „verletzt“. In ersten Berichten an die Einsatzkräfte hieß es sogar, dass es womöglich „Tote“ gegeben habe. Eine halbe Stunde später folgten zeitgleich zwei Stromunfälle.
Simulierte Verletzungen bei Übung in Abensberg: Stange im Oberkörper
Kurz darauf „explodierten“ mehrere Gasflaschen auf dem Warenmarkt. Die Explosion führte zu weiteren Bränden in der Umgebung, auch an einem Schaustellerwagen. Gerade zwei Stunden lief da die Übung und sie war noch lange nicht zu Ende. Im Gegenteil. Es wurde noch richtig aufreibend: Um 21.30 Uhr war die Achterbahn zusammen gebrochen und auf mehrere Autos gestürzt. Hier kam es zu mehreren Bränden und Explosionen. Menschen schrien um Hilfe, andere irrten unter „Schock“ und „verletzt“ umher. Einen Mann hatte es furchtbar erwischt: Eine Stange hatte sich durch seinen Oberkörper gebohrt.
Katastrophenschutzübung „Ägidius“: Die große Bildergalerie
Und, wie möglicherweise auch in echt, standen Zuschauer dicht gedrängt am Geschehen, um zu sehen, was passiert war, zückten ihre Handys und filmten oder fotografierten. Hier durften sie es. Hier waren sie keine Gaffer. Dennoch hielten echte Polizisten allzu Neugierige davon ab, den Rettungskräften zu nahe zu kommen oder sie gar zu behindern. Bisweilen verschwammen an diesem Abend die Grenzen zwischen „gespielten“ Einsätzen – zum Beispiel wenn „Störer“ die eingesetzten Polizisten provozierten – und echtem Leben.
Und während THW, Feuerwehr, BRK und Polizei noch an der eingestürzten Achterbahn im Einsatz waren, gab es weitere Explosionen. Es rauchte an vielen Stellen. Zum Glück war die Katastrophe nur eine Übung und die Brände und Explosionen waren die Pyrotechnik einer Münchener Firma.

„Ich wollte mir so was mal aus der Nähe ansehen“, gestand Rudi, einer der vielen Schaulustigen. „Hier darf man ja genau hinschauen.“ Mehrere hundert Menschen hatte es am Freitagabend zur Gillamooswiese und zum alten Stadion gezogen. Dort waren drei Hubschrauber gelandet. Sie sollten „Verletzte“ transportieren. Reinhold, der in der Nachbarschaft wohnt, erklärte: „Ich war zwölf Jahre bei der Bundeswehr. Ich wollte einfach mal wieder Hubschrauber sehen.“ Die Zuschauer waren beeindruckt. Marzewa betonte: „Es ist wichtig, dass die Leute sehen, wie das alles funktioniert.“
Katastrophenschutzübung „Ägidius 2025“:150 Komparsen im Einsatz
Eine Übung wie diese hatte es zuvor nicht im Landkreis Kelheim gegeben. Es war die bisher größte Katastrophenschutzübung im Landkreis. Eineinhalb Jahre lang war sie vorbereitet worden. 700 Einsatzkräfte und 150 Komparsen waren im Einsatz. Dazu kamen weitere Helfer, die zum Beispiel die Komparsen schminken und auf ihre Einsätze vorbereiten mussten. Dennoch wussten die Einsatzkräfte bis zuletzt nicht, was auf sie zukam. Erstmals kamen auch Drohnen zum Einsatz. Sie schwirrten über der Gillamooswiese und lieferten der Einsatzleitung live die Bilder vom Geschehen.
Karl-Heinz Brunner, Chef der Örtlichen Einsatzleitung, zog gegen Mitternacht, als die Übung allmählich zu Ende ging, ein erstes Fazit. Auch ihn habe das Szenario überrascht. „Das Szenario ist überspitzt gewesen, aber es ist auch ein Stresstest für die Rettungskräfte“, sagte er. Ein abschließendes Urteil gab Brunner nicht, dafür müsse die Nachbesprechung abgewartet werden. Sicher war sich der Einsatzleiter jedoch in einem: „Ich denke, wir haben bewiesen, wie schlagkräftig wir sind.“

Worum es im Einzelfall gegangen war, erklärte Günther Tomaschko, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Niederbayern: „Für uns geht es vor allem auch um die Kommunikation nach außen. Deshalb sind für uns die Fakten wichtig.“ Stefan Wagner vom BRK, der mit Dr. Christian Risse organisatorischer Leiter in der Sanitätseinsatzleitung war, sagte: „Man nimmt aus jeder Übung was mit, was man verbessern kann. Wir mussten uns um 80 Verletzte kümmern.“
Die Übung wurde von mehreren Dutzend Mitarbeitern aus Rettungsorganisationen, Behörden und Politik begleitet, darunter auch MdL Walter Nussel, der für den Innenminister gekommen war. Landrat Martin Neumeyer dankte den Komparsen. Bürgermeister Bernhard Resch stellte fest: „Wir sind froh in Abensberg, dass wir eine derartige Übung machen können.“
Gekostet hat die Übung übrigens 18.000 Euro, erklärte der Landrat. 10.000 Euro entfielen auf den Landkreis, 8000 Euro kamen vom Freistaat.
