So tickt der Bewerber: Michael Multerer (CSU) findet in der Natur Ruhe und Kraft

Wenn der Terminkalender es zulässt, dann macht Michael Multerer hier gern mal „eine Stunde Urlaub“: ein Grundstück am Rande von Arnschwang mit Blick auf den Hohenbogen. Ein Weiher, Bäume, eine Hecke, die er selbst gepflanzt hat, ein Häuschen, Bienenstöcke – seit rund zehn Jahren sind die 5000 Quadratmeter sein „Domizil“, sagt der CSUler, der am Sonntag, 22. März, in der Stichwahl Landrat von Cham werden will.
In der Natur könne er abschalten, erzählt Multerer. Bei seinen Bienen, am Fischweiher, deren Bewohner er nicht mehr angelt, aber regelmäßig mit altem Brot füttert, beim Holzmachen im eigenen Stück Wald, wo er als „Selbstversorger“ das Brennmaterial für die Heizung schlägt. „Das macht mir Spaß, hier kriege ich den Kopf frei“, sagt der 57-Jährige.
Lesen Sie außerdem: Kampf ums Chamer Landratsamt in der Stichwahl: Multerer (CSU) und Schindler (Freie Wähler) sind angriffslustig
Viel Zeit dafür hat er im Moment nicht, denn als Landratskandidat ist der Terminkalender noch voller als bei einem Bürgermeister. 44,6 Prozent hat Multerer im ersten Wahlgang geholt. Jetzt gilt es, für die Stichwahl nochmal alle Kräfte zu mobilisieren. Vor dem Amt des Landrats von Cham habe er „höchsten Respekt“. Als er gefragt wurde, ob er in den Ring steigen will, habe er deshalb nicht gleich zugesagt. „Ich hatte anfangs schon meine Zweifel“, berichtet Multerer. Die seien aber mittlerweile der Überzeugung gewichen, dass er unter anderem wegen seiner jahrzehntelangen Erfahrung der richtige Mann sei. „Ich habe gelernt, wie man Entscheidungen trifft und dass man sie danach auch erklären muss.“
Ich hatte anfangs schon meine Zweifel.Landratskandidat Michael Multerer (CSU)
Seit 1996 sitzt er im Gemeinderat von Arnschwang, der Gemeinde, in der er aufgewachsen ist und mit seiner Frau und seinem Sohn (21) lebt. 2002 wollte er mal aus der Politik aussteigen und ließ sich vor der Wahl auf seiner Ortsliste auf den letzten Platz setzen. Trotzdem wurde er wieder in den Rat gewählt – „mit den meisten Stimmen“.

2008 wurde er Bürgermeister, 2014 Kreisrat über die Hohenbogenliste, 2020 Sprecher der Bürgermeister im Landkreis Cham. Mitglied der CSU ist der Kommunalpolitiker erst seit 2024. Damit habe er ein Zeichen setzen wollen gegen antidemokratische Kräfte und gegen die stärker werdende AfD. Warum CSU? „Was sonst?“, antwortet der Kandidat. Er arbeite schon lange in deren Kreistagsfraktion mit, sei dort gut aufgenommen worden und habe von dort immer alle Unterstützung bekommen.
18 von 27 Hauptstädten der EU hat er schon besucht
Bürgermeister ist Michael Multerer ehrenamtlich, beruflich ist er Versicherungskaufmann bei der Debeka, „seit 37 Jahren bei der gleichen Firma“, seit vielen Jahren zuständig für das Büro in Furth im Wald. In seiner Freizeit geht er, wenn er nicht Holz macht oder sich um Bienen und Fische kümmert, gern auf Reisen. 18 von 27-EU-Hauptstädten hat er schon besucht. Die Multerers campen gern, seit einiger Zeit mit eigenem Wohnmobil, auch wenn das im Wahlkampfjahr 2025 nur zehn Tage unterwegs war. „Aber wenn ich aus dem Fenster schaue, dann kann ich das Wohnmobil sehen und weiß: Ich könnte sofort wegfahren.“
Warum er sich den Wahlkampfstress antut? „Ich habe viel erreicht“, sagt Multerer. Arnschwang stehe sehr gut da. „Ich hätte das auslaufen lassen können. Oder ich packe nochmal an, was mich wirklich reizt.“ Dann zitiert er den US-Unternehmer Henry Ford: „Wer immer das tut, was er kann, der bleibt immer das, was er ist.“
Egal wie es ausgeht – ich bin mit mir im Reinen.Landratskandidat Michael Multerer (CSU)
Sollte Multerer am 22. März die angestrebten 50 Prozent plus X einfahren, dann müssen sich die Mitarbeiter im Landratsamt auf einen Chef einstellen, der sich selbst als „übertrieben gerecht“ bezeichnet. Bei ihm dürfe „alles von der Norm abweichen, aber halt nicht nur auf die eine Seite“.
Vor dem ersten Wahlgang, erzählt Multerer, war „ich komischerweise überhaupt nicht aufgeregt“. Mal sehen, wie es am 22. März wird. Er wisse jedenfalls, was auf den neuen Landrat zukommt: viel Arbeit. Und wenn‘s schief geht? Multerer sagt: „Egal wie es ausgeht – ich bin mit mir im Reinen.“
Das ist Michael Multerer privat:
■ Lieblingsessen: Apfelmaultaschen
■ Lieblingsgetränk: Kaffee
■ Lieblingsbuch: GEO Wissen-Magazine
■ Lieblingsmusik: Querbeet Rock-Pop
■ Lieblingsfilm: Alte Westernfilme
■ Lieblingsort im Landkreis: Meine Terrasse
■ Lieblings-Urlaubsziel: Städtereisen, einmal im Jahr Kurzurlaub Bibione
■ Lebensmotto: Leben und leben lassen