Zwischen Leichen und Beweismitteln: Polizeitaucher üben am Murner See bei Schwarzenfeld

Sie sichern Beweise, bergen Gegenstände und Personen oder unterstützen Ermittlungen dort, wo herkömmliche Polizeiarbeit endet – unter der Wasseroberfläche. Bei einer Übung am Murner See bei Schwarzenfeld (Landkreis Schwandorf) gaben Polizeitaucher Einblicke in ihre wertvolle Arbeit.
Es ist ein nasskalter, nebliger Morgen. Auf einer Schotterfläche am Nordufer des Murner Sees schlüpfen mehrere Männer in Neoprenanzüge. In wenigen Minuten werden sie ins kühle Nass steigen. Wobei kühl noch untertrieben ist, das Wasser hat gerade einmal drei Grad.
Bei den Männern handelt es sich um Polizisten. Sie arbeiten für die Tauchergruppe der Technischen Einsatzeinheit (TEE) der Bereitschaftspolizei Nürnberg. Ihr Einsatzsspektrum ist breitgefächert. Als Polizeitaucher suchen sie in Gewässern nach vermissten Menschen und Beweismitteln. Dazu gehören kleine Gegenstände wie Messer und andere Tatwaffen, Diebesgut, Kleidungsstücke, Rücksäcke sowie größere Gegenstände – darunter Tresore, Fahrräder und Autos. Und wenn kein Tauchereinsatz ansteht, erfüllen die Beamten die weiteren Spezialaufgaben der Technischen Einsatzeinheit bei Großereignissen wie zum Beispiel Demonstrationen. Und das alles in einem riesigen Gebiet.
Auch bei Cold Case in Wernberg-Köblitz im Einsatz
Bei der Nürnberger Bereitschaftspolizei gibt es derzeit zwölf aktive Taucher. Weitere Taucheinheiten der Bayerischen Bereitschaftspolizei sind in München und Dachau stationiert. Prinzipiell kann sich jeder Technische Einsatzbeamte zum Polizeitaucher fortbilden, solange er die erforderliche Fitness mitbringt und tauchtauglich ist. Nach den erfolgten Checks geht es zu einem zehnwöchigen Lehrgang in München. Auch Robert hat diesen seinerzeit absolviert. Er ist seit 1999 bei der Polizei und 2004 zur Technischen Einsatzeinheit gestoßen. Zuvor war er bei der Pioniertruppe der Bundeswehr aktiv. „Jeden Tag steht etwas anderes an. Das ist es, was es so interessant macht“, sagt Robert.








Die Tauchergruppe der Bereitschaftspolizei Nürnberg war bereits bei vielen aufregenden Einsätzen gefordert, auch im Landkreis Schwandorf. Im Oktober vergangenen Jahres suchten sie beispielsweise in einem See bei Wernberg-Köblitz nach Beweismitteln im Mordfall Dieter Loew. Der Unternehmer wurde vor mehr als zehn Jahren in seinem Wohnhaus in Wernberg überfallen und erlag Tage später seinen schweren Verletzungen. Der Täter konnte bis heute nicht überführt werden.
Die Arbeit der Polizeitaucher kann ziemlich mühsam sein. Klare Sichtverhältnisse gibt es unter Wasser selten. Und so kommen häufig teure Sonargeräte und Metalldetektoren zum Einsatz. Doch trotz moderner Technik und ausgefeilter Suchmethoden richtet sich die Erfolgsquote in erster Linie nach menschlichen Quellen – nach der Glaubwürdigkeit und der Genauigkeit der Aussagen von Zeugen oder Tätern.
Und auch auf ihren Tastsinn müssen sich die Polizeitaucher verlassen können. Wenn es um Beweismittel, Diebesgut oder Tatwaffen geht, ist das in der Regel kein Problem. Beklemmender wird es, wenn die Taucher in schmutziger Brühe nach Leichen suchen müssen. „Jeder Taucher weiß natürlich, auf was er sich einlässt. Wir sind zum Bergen da, nicht zum Retten“, sagt Polizeihauptkommissar Michael Kern. Er ist Technischer Leiter bei der TEE und koordiniert an diesem Tag auch die Übung am Murner See.
Jeder Tauchgang muss abgesichert sein
Vier Mal im Monat proben die Polizeitaucher verschiedene Szenarien, so ist zumindest der Plan. Denn es kann immer sein, dass ein Einsatz dazwischen kommt. Das sollte auch an diesem Tag in Schwarzenfeld passieren, doch dazu später mehr. Nachdem die Männer mit Neoprenanzügen, Vollgesichtsmaske und Tauchflaschen, gefüllt mit Atemluft, ausgestattet sind, geht es vom Parkplatz direkt ans Ufer. Ein Schlauchboot wird zu Wasser gelassen, auf diesem nehmen vier Beamte Platz. Parallel steigen zwei Taucher ins eiskalte Nass. Diese werden jeweils mit einem Seil gesichert.

Ein Polizeitaucher führt einen Tauchgang niemals alleine durch, sondern immer als Teil eines spezialisierten Teams, um die Sicherheit zu gewährleisten. Neben den Tauchern gibt es einen Leinenführer. Er ist der direkte Ansprechpartner über eine Telefonleine (Unterwasserkommunikationsanlage) oder Signalleine. Er vermittelt zwischen den Tauchern und dem Team an Land, hält Kontakt und sichert den Taucher ab. Außerdem gibt es immer einen Sicherheitstaucher, der im Notfall eingreifen kann, sowie einen Tauchergruppenleiter, der die Gesamtverantwortung für den Einsatz trägt. Und auch für die medizinische Absicherung muss gesorgt sein. Deshalb beobachtet auch ein Polizeisänitäter die Übung am Murner See vom Ufer aus. „Unsere Sicherheitsvorkehrungen sind so gestaltet, dass eigentlich nichts passiert“, sagt Kern.
Vermisstensuche unterbricht die Übung am Murner See
Soweit, so gut: Doch warum übt die Gruppe aus Nürnberg eigentlich in Schwarzenfeld? „Weil das Gewässer ein paar Besonderheiten hat“, erklärt der Polizeihauptkommissar. Denn mit einer Tiefe von 50 Metern und einem relativ klaren Wasser ist der Murner See „ein Paradies im Vergleich zu den sonstigen Tümpeln“. Zwei Tage sind die Spezialisten der Bereitschaftspolizei vor Ort. Am Vortag stand klassisches Orientierungstauchen und die Arbeit mit dem Tauchscooter auf der Agenda. Heute geht es vor allem ums Tieftauchen.
Etwa 25 Minuten sind die Polizisten im Wasser, dann wird gewechselt. „Die Sicht war nicht so gut wie sonst, aber sonst hat alles reibungslos funktioniert“, bilanziert Robert, während er Maske und Tauchflaschen ablegt. Wenig später stoßen auch die übrigen Kollegen dazu. Eigentlich wären für den Nachmittag nochmals Übungs-Tauchgänge geplant gewesen, doch dann klingelt das Telefon von Michael Kern.
Die Kriminalpolizei Nürnberg bittet um Unterstützung bei einer Vermisstensuche. Von einem 61-Jährigen aus dem Bereich Nürnberg-Katzwang fehlt jede Spur. „Einsatz Männer, zusammenpacken“ ruft Kern. Und so geht die Übung am Murner See früher zu Ende als gedacht.