Mordfall Loew: Fielen Goldbarren aus der Holzdecke?

Von Isolde Stöcker-Gietl · 17. Dezember 2025 um 14:19

In dem ungeklärten Verbrechen im Landkreis Schwandorf beschäftigt die Ermittler ein Polizeieinsatz aus dem Jahr 2024 auf dem damaligen Anwesen des Getöteten. Angehörige beantragen Akteneinsicht.

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In wenigen Tagen jährt sich das Verbrechen an dem Unternehmer Dieter Loew aus Wernberg-Köblitz (Lkr. Schwandorf) zum elften Mal. In jener Nacht auf den 22. Dezember 2014 hatten ein oder mehrere Unbekannte den pflegebedürftigen 76-Jährigen an seinem Wohnsitz überfallen und so massiv auf seinen Kopf eingeschlagen, dass Loew vier Wochen später an seinen schweren Verletzungen starb. Die Kripo Amberg ermittelt nun wieder in dem Cold Case. Ob in diesem Zusammenhang ein Polizeieinsatz auf dem Anwesen aus dem vergangenen Jahr eine Rolle spielt? Der Einsatz blieb jedenfalls in der Nachbarschaft nicht unbemerkt. Es soll um einen Goldregen gehen – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberpfalz bestätigt auf Nachfrage, dass es in der Jahresmitte 2024 einen Einsatz in einem Nebengebäude am ehemaligen Tatort gab. Warum die Beamten gerufen wurden, wurde damals und auch jetzt nicht kommuniziert. Nach Informationen der Mediengruppe Bayern fielen in einem an eine Doppelgarage angrenzenden Gebäude Goldbarren aus der Holzdecke. Es ist die Rede von „erheblichen Wertgegenständen“, wofür es vor Ort wohl Zeugen gab. Die Polizei sagt dazu nichts.

In dem Studio hatte sich zum damaligen Zeitpunkt eine spirituelle Gruppe eingemietet, die durchaus Aufsehen in der Öffentlichkeit erregte. „Sie spielten halbnackt tanzend Didgeridoo im Garten“, berichteten Anwohner im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern. Bei der spirituellen Gruppe soll es sich um Bekannte von Dieter Loews zweiter Ehefrau gehandelt haben, der das Anwesen heute gehört. Mitglieder dieser Gruppe sollen Augenzeugen des unerwarteten „Goldregens“ gewesen sein. Es soll sich – so wird kolportiert – um mehrere Dutzend Goldbarren gehandelt haben, die zunächst von der Polizei sichergestellt worden seien.

„Kein Zusammenhang“

Wem diese wertvolle Vermögensanlage gehört, bleibt unausgesprochen. Die Ermittlungsbehörden wollen sich nicht dazu äußern. Robert Hankowetz, Anwalt von Silvia Loew, der Witwe des Mordopfers, teilte wiederum auf Anfrage mit, dass man keine Angaben machen werde, da es sich um Ermittlerwissen handele. Hankowetz verweist aber mit Blick auf die Polizeieinsätze auf dem Anwesen, die es laut Aussagen der Nachbarn auch wegen der bellenden Hunde von Silvia Loew gab – ausdrücklich darauf hin, dass aus keinem „der nachgelagerten Fälle ein Zusammenhang mit dem Tatgeschehen abgeleitet“ werden könne. Die Polizei hatte nach dem Verbrechen das Gelände sowie angrenzende Wälder akribisch abgesucht. Ein Gold-Depot wäre wohl kaum unentdeckt geblieben. Es scheint damit klar, dass es die Mörder von Dieter Loew seinerzeit nicht auf ein Goldversteck abgesehen hatten.

Bei den Ermittlungen in dem Tötungsdelikt war dennoch ein Raubüberfall nie ganz ausgeschlossen worden. Ein Tresor wurde bei der Tat geöffnet. Darin soll sich ein höherer fünfstelliger Betrag befunden haben. Silvia Loew selbst hatte der Polizei mitgeteilt, dass das Opfer stets eine höhere Summe Bargeld dort verwahrt hatte. Das Paar lebte zur Tatzeit bereits länger getrennt. Dieter Loew saß zum Tatzeitpunkt auf gepackten Koffern. Er hatte seinen Auszug aus dem Anwesen geplant.

Die Noch-Ehefrau und ihr 25 Jahre jüngerer Lebensgefährte standen nach dem Verbrechen vier Jahre im Visier der Ermittler. Mit dem Verweis, dass dem Paar die Tat nicht nachgewiesen werden konnte, wurde das Verfahren 2019 eingestellt. Die Witwe bestritt in Interviews stets ein Motiv, sie sei nicht Erbin von Dieter Loew gewesen. Gegenüber der Mediengruppe Bayern äußerte sie sich auch jetzt schriftlich (siehe Kasten) zu den Vorwürfen. Dabei bestätigte ihr Anwalt auch, dass Loew und ihr Lebensgefährte, ein ehemaliger Polizist, wieder Ziel neuer Ermittlungen seien. Aus der Kripo Amberg hieß es zum Beginn der neuen Untersuchungen, dass man ergebnisoffen noch einmal in alle Richtungen ermitteln und Spuren mit modernsten technischen Mitteln auswerten werde.

Beträchtliches Vermögen

Als Mitbegründer und langjähriger Geschäftsführer der bayernweit agierenden Dr. Loew Soziale Dienstleistungen war Dieter Loew zu einem beträchtlichen Vermögen gelangt. Der sechsfache Vater hatte vier Kinder aus erster Ehe sowie zwei Söhne mit seiner zweiten Ehefrau, von denen allerdings einer noch vor seinem Vater starb. Mehrere Hinterbliebene des Mordopfers haben jetzt Einsicht in die Akten aller laufenden Ermittlungen bei der Staatsanwaltschaft Amberg beantragt, teilt ihr Anwalt mit. Dies betrifft wohl auch die Zusammenhänge um die gefundenen Wertgegenstände. Es bestehe „ein berechtigtes rechtliches Interesse“, heißt es. „Die Aufklärung des Tötungsdelikts ist für die Angehörigen von außerordentlicher Bedeutung auch noch zehn Jahre nach der Tat“, so der Anwalt.

Die Polizei hatte in den vergangenen Wochen in der Nachbarschaft des Anwesens Befragungen zu den Geschehnissen vor elf Jahren durchgeführt. Auf Plakaten mit einem Foto des Opfers wird um Hinweise gebeten. Ob sich aus den inzwischen neu gewonnenen Erkenntnissen auch neue Ansätze für die weiteren Ermittlungen ableiten lassen, will die Polizei noch nicht preisgeben.

Silvia Loew nimmt Stellung über ihren Anwalt

Die Polizei ermittelt wieder im Tötungsdelikt Wolf-Dieter Loew. Hat dies für Ihre Mandantin Silvia Loew Folgen?

Anwalt Robert Hankowetz: Sowohl Frau Loew als auch die Verteidigung haben neue Ermittlungen eigentlich befürwortet, da mit diesen die Hoffnung verbunden war, dass die Ermittlungsbehörden endlich den seitens der Verteidigung bereits innerhalb der damaligen Ermittlungen offen ausgesprochenen und mit Hinweisen versehenen Ermittlungsansätzen (...) folgen würden. (...) Dass die Ermittlungen nun offensichtlich wieder allein gegen Frau Loew und ihren Lebensgefährten gerichtet werden, überrascht. Es ist zu befürchten, dass erneut Maßnahmen zu Lasten von Frau Loew ergriffen werden, welche die Grenze der zulässigen Ermittlungstätigkeit überschreiten, wie dies bereits damals moniert und von der Presse auch so veröffentlicht worden war. Aus der damals gewährten Akteneinsicht hatte sich ein irritierendes Bild von nicht faktenbasierten Vorverurteilungen ergeben, welche die Ermittlungen bestimmt haben.

Durch diese Erkenntnisse war meine Mandantin derart geschockt, dass sie als staatstreue Bürgerin begonnen hatte, staatliches Handeln zu hinterfragen. Dies insbesondere dann, wenn Rechte von Bürgern durch staatliches Handeln betroffen sind. Insofern hat das damalige Ermittlungsverfahren Frau Loew selbstverständlich in der weiteren Lebensführung beeinflusst.

Dass aktuell erneut eine, aus ihrer Sicht „Menschenhetze“ durch die Ermittlungsbehörden stattfindet und offensichtlich eben nicht ergebnisoffen ermittelt wird, sondern in Zeugenladungen die Namen von Frau Loew und ihrem Lebensgefährten offen für die Zeugen niedergelegt werden, bestätigt diesen Eindruck von Frau Loew. Erklärbar ist dies für die Verteidigung gleichfalls nicht, (...)

Wurde Frau Loew im Zusammenhang mit den neuen Ermittlungen befragt?

Hankowetz: Derzeit wurde meiner Mandantin noch keine Möglichkeit eingeräumt sich zu äußern. Offiziell wurde der Verteidigung seitens der Staatsanwaltschaft auch erst auf Anfrage indirekt bestätigt, dass die Ermittlungen gegen Frau Loew wieder aufgenommen worden sind.

Können Sie etwas zu dem Fund der Wertgegenstände im vergangenen Jahr sagen?

Hankowetz: Da hier eindeutig Ermittlerwissen angesprochen wird, können seitens der Verteidigung keine Angaben getätigt werden. (...) Kritisch zu sehen ist, dass die Presse offensichtlich Informationen von Ermittlungsbehörden erhält, welche der Verteidigung aktuell verwehrt bleiben.