Jetzt doch: Junger Verein plant Kulturzentrum mit KZ-Gedenkort im Colosseum in Stadtamhof

Jemand, der ein Café eröffnen wollte, die Brücke-Fraktion und Kulturreferent Wolfgang Dersch: Zuletzt war bekannt geworden, dass einige Menschen Ideen für die Nachnutzung der leer stehenden Räume links im Erdgeschoss des Colosseums in Stadtamhof in Regensburg haben, in denen bis zum Herbst das Seppy‘s untergebracht war. Jetzt ist klar, wer den Pachtvertrag unterschrieben hat.
Das ist der Verein Mucks Maus Wild. Die Mitglieder wollen hier in wenigen Wochen mit dem Projekt Colosseum einen Kulturraum mit Sensibilisierung für Erinnerungskultur eröffnen. Ab dem 1. April sollen laut einer Pressemitteilung des Vereins die Türen für die Umbau- und Entstehungsphase öffnen. Die Eröffnung ist für den 24. April geplant.
Mucks Maus Wild, das sind der 25-jährige Künstler und Musiker Johannes Kroeker, der die kulturelle Konzeption des Colosseums übernehmen will, der 57-jährige Architekt Kersten Osterhaus, der einen lebendigen Ort der Erinnerungskultur schaffen möchte, der 26-jährige Kunsthistoriker Elias Nunner mit einem Schwerpunkt auf NS-Geschichte der Stadt Regensburg und die 25-jährige Kunsthistorikerin Carla Rösch, die plant, ihren Fokus auf Ausstellungskonzepte und zeitgemäße Erinnerungskultur zu legen. Zuletzt seien sie im Ribisl-Haus aktiv gewesen, wobei die vier betonen, unabhängig von der Wahlvereinigung zu agieren. Dort betrieben sie etwa eine Holzwerkstatt oder Coworking-Spaces. Im Kubus auf dem Gelände der ehemaligen Prinz-Leopold-Kaserne sei zuletzt eine musikalische Veranstaltungsreihe unter ihrer Regie gelaufen, im Kulturraum M26 etwa eine Ausstellung.
Fünf Wochen Gedenken an das KZ-Außenlager
Jetzt wollen sie im Colosseum einen Ort schaffen, der historische Aufarbeitung mit kulturellen Veranstaltungen und demokratischem Dialog verbindet – und damit einen, der in ihren Augen seit über 80 Jahren in der Stadt fehlt. Denn das Colosseum war von 19. März bis 23. April 1945 ein Außenlager des Konzentrationslagers (KZ) Flossenbürg. Von den über 400 Männern, die hier inhaftiert waren und die Zwangsarbeiten verrichten mussten, starben in dieser Zeit mehr als 40.
Ab 2027 wollen die neuen Pächter zwischen 19. März und 23. April an die Zeit des Außenlagers erinnern und damit in den fünf Wochen, in denen es bestand. Geschehen soll das mit Ausstellungen, Filmen, Kooperationen mit Initiativen, Workshops, Lesungen oder Konzerten. Während dieser Zeit im Jahr soll das gastronomische Angebot zurückgefahren werden. In diesem Jahr wollen sie sich bei den Gedenkveranstaltungen einbringen. Im regulären Betrieb soll das Colosseum ein offener Kulturraum mit gastronomischem Angebot sein. Der Verein Kündigt Konzerte, Lesungen, Ausstellungen, Workshops, Diskussionsformate oder Theater an. Gerade suchen die vier schon nach einem Koch. „Es soll ein Gericht am Tag geben“, kündigt Osterhaus an.
Pacht für zwei Jahre mit der Option auf Verlängerung
Damit gelingt dem jungen Verein ein Projekt, an dem sich die Stadt seit Jahren versucht, das bisher aber nicht aus der Taufe gehoben werden konnte. Zuletzt waren die Räume links oder rechts des Eingangs zum Thon-Dittmer-Palais, ein Raum unter dem Sitzungssaal des Stadtrats sowie ein ehemals von der Stadt angemieteter Leerstand in Stadtamhof dafür im Gespräch. Fruchten wollte das aber nicht.
Auf die Frage, wie der Verein Mucks Maus Wild das geschafft habe, antwortet Osterhaus: „Wir haben das Eisen geschmiedet, so lange es heiß war.“ Bereits im Herbst habe der Verein seine Finger nach den Räumen ausgestreckt. Es habe auch Gespräche mit dem Kulturreferenten oder der Stabsstelle für Erinnerungskultur gegeben. Die Pacht werde ab 15. März für zwei Jahre laufen, es gebe aber eine Option auf Verlängerung. Zuletzt hatte Spitalmeister Wolfgang Lindner gesagt, dass er noch sieben Jahre über die Räume verfüge.
Im Moment sind Kroeker, Nunner, Osterhaus und Rösch damit beschäftigt, sich bei den Initiativen vorzustellen, die sich beim Gedenken an die NS-Zeit engagieren. Etwa seien sie schon bei der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes gewesen. Morgen stehe ein Termin mit der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg an.