Neue Verhältnisse im Kreistag Kelheim: CSU verliert Sitze, FW legen zu, AfD auf Rang drei

Von Martina Hutzler · 9. März 2026 um 17:11

Wenn der neue Kelheimer Kreistag im Mai erstmals tagt, ist Stühlerücken angesagt: Das Kräfteverhältnis ändert sich deutlich, insbesondere zugunsten der AfD, aber auch zulasten der CSU. Und egal, wer in knapp zwei Wochen Landrat wird: Er dürfte es generell noch schwieriger haben, sich Mehrheiten zu organisieren.

Unverändert bleibt die CSU im Kelheimer Kreistag stärkste Kraft, unverändert gefolgt von den Freien Wählern. Doch beide nähern sich an: Die CSU schrumpft von 20 auf 16 Sitze; die FW gewinnen zu ihren bisher neun zwei neue hinzu.

Das stärkste Plus der Kreistagswahl legt die AfD hin: Statt drei stehen ihr künftig acht der insgesamt 60 Mandate zu; die Rechtsaußen-Partei wird drittstärkste Kraft. Auf den vierten Platz, mit künftig sechs statt fünf Kreistagsmitglieder, rückt die Stadt-Land-Union und verdrängt die SPD.

Die Sozialdemokraten müssen gleich zwei Sitze abgeben und sind nun bei fünf. So auch die Grünen; diese und die ÖDP (künftig drei) haben je einen Sitz weniger als bisher. Ohne Auswirkungen auf die Mandat-Zahl bleiben leichte Stimmen-Verluste bei FDP (2 Sitze) und Bayernpartei (1 Sitz) sowie minimale Zugewinne der Jungen Liste (3 Sitze).

Auf Ortsebene herrschen teils deutlich andere Verhältnisse

Auffällig sind die Ergebnisse in mehreren Kommunen, unter anderem Abensberg. Die Stadt beheimatet ja gleich drei der sieben Landrats-Kandidaten. Zweien nutzt das auch im Kreistag: Bei der Stadt-Land-Union holt Kandidat Andreas Fischer mit 21,2 Prozent eines seiner besten Ergebnisse, und die SLU überdurchschnittliche 15,1 Prozent.

FDP-Bewerber Dr. Heinz Kroiss schneidet in Abensberg am besten (14,3%) ab, seine Partei kommt auf 7,1 Prozent. Hingegen bleibt die Abensberger CSU mit 22,3 Prozent unter ihrem Landkreis-Schnitt. Ihr Landrats-Kandidat Neumeyer indes überholte klar (33,9) den FW-Kandidaten Christian Nerb (18,2).

Auch die Kreisstadt Kelheim zeigt bei der Kreistagswahl Besonderheiten – allen voran das starke Abschneiden der Freien Wähler, die mit 26,9 Prozent sogar vor der CSU (25,6) landen. Zum Vergleich: In Runde eins der Bürgermeister-Wahl in Kelheim liegt CSU-Amtsinhaber Schweiger mit 43,1 Prozent nur knapp vor FW-Herausforderer Dennis Diermeier (41,7).

Aber auch Kreistags-Grüne und -SPD dürften davon profitiert haben, dass sie Bürgermeister-Kandidaten am Start hatten: Mit 12,4 bzw. 10,4% schaffen sie die Zweistelligkeit, bleiben freilich hinter der AfD (13,1). Die SLU kommt in Kelheim gerade mal auf 3,6%, alle weiteren Kreistagsgruppierungen auf noch weniger.

In Saal hat sicherlich der Amtsbonus von Noch-Bürgermeister Nerb den Kreis-FW zum Höhenflug von 31,8 Prozent verholfen, dem die Kreis-CSU klar hinterherhinkt (20,7). Hingegen erweist sich der Nachbarort Bad Abbach als sichere Bank für die CSU (31,7).

Viele Details rund um die Kommunalwahl im Landkreis Kelheim finden Sie in unserem Live-Blog!

Dasselbe gilt für die Christsozialen in Painten (34,1) und Neustadt (31,5 Prozent). Beide Kommunen sind zudem Booster für die CSU-nahe Junge Liste (9,4 bzw. 6,5%) und zweistellige Trostpflaster für die SPD (14,4 bzw. 16,8%), die in ihren einstigen Hochburgen freilich dennoch hinter der dort jeweils überdurchschnittlich starken Kreis-AfD (15,0 bzw. 18,3%) landet. In Abbach wiederum verweisen die Grünen mit 13,4 Prozent die AfD (12,0%) auf Rang vier.

Die Rechtsaußen-Partei holt ihr bestes Ergebnis in Wildenberg, wo sie mit 24,9 Prozent in Sichtweite zur CSU (29,4) landet. Alle anderen, inklusive FW, bleiben dort entsprechend einstellig.

Zweite AfD-Hochburg ist Rohr mit 18,2 %; Heimatort des derzeitigen Kreis-Fraktionsführers Georg Bergermeier. Der Heimat-Bonus kam in Rohr auch der Bayernpartei mit ihrem Vorsitzenden und Landrats-Kandidaten Florian Geisenfelder zugute, die dort 3,2 Prozent holte. Die FW, die sich kritisch zum Logistikpark Stocka positioniert haben, ernten in Rohr wenig Zuspruch (10,5), im Gegensatz zu CSU (28,9) und JL (5,4).

Vom Landratsamt aus (vorne im Bild) lenkt der Kreistag die Geschicke des Landkreises. Wer das Chefbüro in der Kreisverwaltung bezieht, entscheidet sich erst am 22. März. - Foto: Hutzler/Archiv

Ähnlich die Kräfteverhältnisse in Riedenburg, wo den 38 Prozent der Kreis-CSU nur 13,4 der FW gegenüber stehen. Auch nebenan, in Essing hält die CSU (35,2) die FW (25,9) auf Abstand. Hier bilden eine unterdurchschnittliche AfD (10,8) und überdurchschnittliche Grüne (10,1) den „Mittelbau“ bei der Kreistagswahl; alle anderen Gruppierungen bleiben einstellig.

Letzteres gilt auch in Ihrlerstein – außer für die dortige Bürgermeister-Partei SPD, die mit 13,4 Prozent vor den Grünen (11,5) und hinter der AfD (17,1) liegt. CSU (25,1) und FW (21,7) sind auf der Brand fast gleichauf.

Mainburg sorgt für mehrere Besonderheiten

Regelrecht abgestürzt ist die Kreis-CSU in Mainburg, auf 11,8 Prozent und damit nur knapp vor der AfD (11,0). Den Christsozialen fiel dort die Krankenhaus-Debatte vor die Füße, verstärkt durch die Schließung der Mainburger Lehrschwimmhalle. Die drei Gruppierungen, die in der „Hauptstadt des Südens“ die Bürgermeisterwahl in Runde eins unter sich ausmachten, sind bei der Kreistagswahl fast gleichauf: FW (19,7), SLU (18,2) und die ÖDP.

Die Ökopartei schafft es in Mainburg nicht nur in die Bürgermeister-Stichwahl (gegen die SLU-Kandidatin) , sondern holt mit 17,9 Prozent ihr bestes Kreistags-Ergebnis: Es liegt noch über dem in Langquaid (9,1), der Heimat ihres Landratskandidaten Peter-Michael Schmalz. Immerhin überholt die ÖDP dort sogar die SPD (8,9) und rückt nahe an die FW (11,6) heran, die ihrerseits der AfD (15,0) den Vortritt lassen muss. Unangefochtener Kreistags-Sieger in Langquaid ist indes die CSU (35,7%). Das gilt für sie auch in Teugn (36,7), wo ansonsten nur FW (17,9) und AfD (13,0) zweistellige Kreistagsergebnisse holen.

Deutlich überholt die CSU auch in Herrngiersdorf mit 33,3 Prozent die Freien Wähler (13,3). Die landen dort sogar hinter der AfD (13,8) und nur knapp vor der SLU (11,4). Hausen bleibt hingegen FW-Hochburg: Die Freien (24,9) sind dort fast gleichauf mit der CSU (28,0).

Die SLU wiederum wird sich wohl ihre Ergebnisse in Kirchdorf und Biburg einrahmen, wo sie mit Franz Huber und Bettina Danner nicht nur die Rathaus-Chefs stellt, sondern mit 20 bzw. 19,3 Prozent beim Kreistagsvotum jeweils auf Platz zwei landet: hinter der CSU (32,1 bzw. 24,7) und vor der AfD (14,4 bzw. 12,6). Diaspora sind beide Orte für die FW (8,1 bzw. 12,6%) und erst recht für die übrigen Parteien.

Ähnlich Siegenburg, wo auf die unangefochtene CSU (31,7 %) schon die SLU (17,2) folgt, vor AfD (16,6) und FW (10,2). Die SPD käme hier (3,5) und in Kirchdorf (3,1) nicht mehr über die 5-Prozent-Hürde (die es bei der Kommunalwahl freilich nicht gibt).

Über die personelle Zusammensetzung des neuen Kreistags berichten wir gesondert!