Stadtratswahl in Kelheim: Freie Wähler triumphieren, SPD ist sprachlos

Von Beate Weigert · 9. März 2026 um 16:31

Ein Viertel der Kelheimer Stadträte ist neu. Die CSU ist mit ihrem Abschneiden „zufrieden“, AfD und JL sind „aus dem Stand“ dabei . Auch Grüne und Kelheimer Mitte verlieren Sitze. Aus fünf werden sieben Gruppierungen.

Kelheims SPD, lange Jahre die „dominierende Kraft“, ist die größte Verliererin der Kommunalwahl. Auch Grüne und Kelheimer Mitte (KM) haben einen Sitz weniger. FW und CSU liegen gleich auf bzw. hätten mit dem Bürgermeister, der erst nach der Stichwahl am 22. März feststeht, noch eine Stimme mehr. Die AfD kommt aus dem Stand auf drei Sitze, die Junge Liste (JL) auf einen. Insgesamt wird der neue Stadtrat auch etwas jünger und weiblicher.

Sitzverteilung: FW und CSU liegen mit sechs Sitzen jeweils gleich auf, Grüne (-1), SPD (-2) und AfD (+3) erzielten jeweils drei Sitze, die Kelheimer Mitte zwei und auch die Junge Liste schaffte den Einzug. 2020 lagen die FW mit sechs Sitzen vorne, gefolgt von CSU und SPD (jeweils 5), Grüne (4), KM (3), wobei zum Ende der Periode Thomas Häckl jun. die Fraktion verlassen hatte. Adi Pollmann hatte für die SLU einen Sitz errungen. Diesmal trat sie für die CSU an, Häckl für die FW. Die Wahlbeteiligung lag mit 60,4 Prozent geringfügig höher als 2020 (55,56 Prozent).

Stimmen sind ausgezählt: Sieben Gruppierungen traten bei der Kommunalwahl an, alle sind im neuen Stadtrat vertreten. - Foto: Weigert

Neue Stadträte: Die FW erzielten die meisten Stimmen (46.556/2020: 34.968): Dennis Diermeier (6741), Regina Hierl (3536), Thomas Häckl jun. (3117), Andreas Ober (3102), Ludwig Birkl (2828), Thomas Häckl sen. (2412) sind im Gremium. Die zweitmeisten Stimmen erhielt die CSU (39.422/2020: 34.207): Christian Schweiger (5860), Johanna Frischeisen (3208), Thomas Müller (2485), Florian Flotzinger (2159), Adriane Köglmeier-Pollmann (2012), Bernhard Fischer (1721). Auf Rang drei folgen die Grünen (21.985 Stimmen/2020: 27.194): Florian Laußer (2750), Daniel Elsner (2156), Christiane Lettow-Berger (1675). Nur die viertmeisten Stimmen vergaben die Kelheimer an die SPD (20.674/2020: 33.085): Stephan Schweiger (2330), Hacer Aslan (1557), Maria Meixner (1549). Elf Prozent aller Stimmen und damit Rang fünf geht „aus dem Stand“ an die AfD (18.329 Stimmen): Simon Köglmeier (2775), Kathrin Preisner (2396), Daniela Krüger (2318). Die KM erhielt 12.556 Stimmen (2020: 16.931): Josef Pletl jun. (2228), Christian Prasch (1395). An die Junge Liste vergaben die Kreisstädter 6702 Stimmen: Michael Zenger (1721).

Reaktionen: Mehr oder weniger überrascht zeigten sich am Montag Vertreter aller Fraktionen. Teils über den Verlust eigener Stimmen, teils über Zugewinne Dritter. Insbesondere, dass die AfD, ohne dass man die Kandidaten kannte, von null auf drei Sitze kam, hallt nach bei so manchem Kelheimer Kommunalpolitiker. Dennis Diermeier freute sich insbesondere über sein „grandioses“ Ergebnis von 6741 Stimmen, Fraktionschef Ludwig Birkl zudem über das „beste Ergebnis, das die FW je in Kelheim hatten“. Zudem hätten die FW beinahe „mit nur 40 Stimmen mehr“ einen siebten Sitz errungen. Doch Birkl war zufrieden, dass man sechs Sitze halten konnte, obwohl AfD und JL neu dazu kamen. Bemerkenswert war für ihn zudem, dass die FW in allen Briefwahllokalen deutlich besser abschnitten als in den Urnenwahllokalen. „Die Leute vergaben daheim ihre Stimmen bewusster an einzelne Personen, vor Ort im Wahllokal wurden wohl mehr Listenkreuze gemacht“, so Birkl.

Mit Blick auf das Gesamtergebnis und auch das Abschneiden der AfD könne man zufrieden sein, sagte auch Christian Schweiger. Im Vergleich zur Wahl vor sechs Jahren habe die CSU gut 5200 Stimmen mehr erzielt, freilich auf Rang zwei hinter den FW. Aber auch im bisherigen Gremium hatte man keine klare Mehrheit, so Schweiger. Auch CSU-Parteichefin Johanna Frischeisen sah, dass ihre Partei mit Blick auf die Zahl der Stimmen besser abgeschnitten habe als 2020. Zudem habe man einen Sitz dazugewonnen. „Ich bin positiv“, so Frischeisen am Montag. In Sachen Wahlbeteiligung hatte sie mehr erwartet.

Dass die Grünen im Stadtrat Stimmen verlieren würden, sei ihr klar gewesen, bekannte Fraktionschefin Christiane Lettow-Berger. Nach Jahren des „Grünen-Bashings“. Zudem habe auch der intensive Wahlkampf der FW erahnen lassen, dass sie beim Wähler punkten dürften. Nicht nachvollziehen könne sie die Ergebnisse von SPD und AfD, sagte die Weltenburgerin. Bei den Sozialdemokraten mit Blick auf die Zahl der Sitze und (ab-)gewählten Stadträte, bei der AfD, wie sie „aus dem Stand“ auf drei Sitze gekommen sei.

Von der SPD war am Montag von unserer Zeitung keine Stimme oder ein Rückruf zu erhalten. Der Schock war wohl zu groß.

Die Wähler „hatten das Wort“. - Foto: Beate Weigert

Simon Köglmeier von der AfD sagte, er habe mit zwei Vertretern gerechnet. Dass es drei wurden, sei beim gemeinsamen Verfolgen der Auszählung in Weltenburg ein Grund zum Feiern gewesen. Vor allem geplante PV-Anlagen in seinem früheren Heimat-Ortsteil Staubing hätten ihn zur Kandidatur bewegt. Seit der Bundestagswahl 2025 sei er AfD-Mitglied. Dem neuen Amt sehe er positiv entgegen.

Christian Prasch (KM) war angesichts der neuen Gruppierungen froh, dass seine Liste zwei Sitze halten konnte. Dass die SPD, die bei seinem Eintritt in den Stadtrat 2002 die traditionsreichste Partei und die dominierende Kraft gewesen sei, nur mehr drei Stadträte stelle, hätte er nicht gedacht. Die KM werde sich keiner Fraktion anschließen, „wir bleiben neutral“. Michael Zenger (JL) überraschte, dass er es auf Anhieb in den Stadtrat schaffte. Auch mit seinen 1727 Stimmen habe er mehr Stimmen erhalten als manch langjähriger Stadtrat. Er wollte sich noch mit seinen Mitstreitern besprechen, ob er sich einer Fraktion anschließe.

Veränderungen: Mit Heribert Schwindl (FW) und Franz Aunkofer (Grüne) hatten zwei Urgesteine nicht mehr kandidiert. Einige weitere vertraute Gesichter und langjährige Engagierte schafften es stimmenmäßig nicht mehr in den Stadtrat: Rupert Schlauderer (CSU), Walter Siller und Claus Hackelsperger (SPD), auch SPD-Nachrückerin Franziska Ipfelkofer gehört dem neuen Stadtrat nicht mehr an, ebenso Christian Rank (Grüne). Insgesamt wird der Stadtrat etwas jünger und weiblicher. 2020 waren es zunächst 19 Männer und fünf Frauen gewesen, später war Franziska Ipfelkofer (SPD) nachgerückt. Dem neuen Gremium werden acht Frauen (CSU/2, FW/1, SPD/2, Grüne/1, AfD/2) und 16 Männer angehören. Die jüngsten Stadträte sind Michael Zenger (20/JL), Simon Köglmeier (25/AfD) und Hacer Aslan (31/SPD). Die älteste ist Christiane Lettow-Berger (Grüne) mit 74 Jahren, gefolgt von Bernhard Fischer (CSU) und Ludwig Birkl (FW/beide Jahrgang 1954).

Hochburgen: In sechs von 13 Urnenwahllokalen lag die CSU vorne. Das beste Ergebnis erzielte sie in Kapfelberg (31,3 Prozent). Das beste Ergebnis erzielten die FW mit 40,5 Prozent in Staubing. Drei Mal verwies die AfD die Etablierten in der Kernstadt auf die Pl(25,0, 24,0 und 25,8 Prozent). In Kelheimwinzer belegte sie Rang zwei nach den FW (20,9 Prozent). Auch in Thaldorf und Kapfelberg war der Zuspruch hoch (21,1/21,2 Prozent). Die Grünen holten die meisten Stimmen im Briefwahllokal 14 (17,4 Prozent), in Staubing gab es nur 2,8 Prozent. Die SPD war in Weltenburg mit 18,6 Prozent am stärksten. In Lohstadt gab es nur 4,4 Prozent.