In Bad Kötzting nimmt das Warten auf den Glasfaser-Ausbau durch Leonet (k)ein Ende

Von Stefan Weber · 7. März 2026 um 05:00

Die Stimmung ist am Donnerstagabend unter den rund 50 Besuchern fast so frostig wie die Temperatur in der unbeheizten Jahnhalle: Die Firma Leonet, die Ende 2021 angekündigt hatte, alle Haushalte der Stadt an das Glasfasernetz anschließen zu wollen, hatte zum Info-Abend geladen. Dass er dabei keinen leichten Stand haben würde, das war Projektmanager Kay Röhle wohl schon vor Beginn der Veranstaltung klar.

Als der Referent damit beginnen will, über die Vorteile von Glasfaser als Zukunft zu reden, kommt prompt der etwas ungehaltene Kommentar, „das haben wir schon vor vier Jahren gehört“. Darum erklärt Röhle erst einmal, dass Leonet zwischenzeitlich aufgekauft worden sei und sich der Ausbau deshalb verzögert habe. Er schätze, dass es im kommenden Jahr weitergehen könnte – sicher sei das allerdings nicht.

Was, wenn „die Verlobte nach vier Jahren wiederkommt“?

Nachdem niemand Interesse am Vortrag über Glasfaser hat, geht es gleich in die Fragerunde. „Aber verzeihen Sie mir, wenn ich nicht alles beantworten kann“, sagt Röhle. Er erklärt aber gleich, dass dieses Jahr 16 000 Haushalte angeschlossen würden, bei denen Fördermittel im Spiel seien – und das wäre in Bad Kötzting nirgends der Fall. Leonet hatte damals einen rein eigenwirtschaftlichen Ausbau forciert. „Wenn wir Glück haben, können wir im Mai 2027 bauen und Ende des Jahres abschließen“, sagt er. Der Erbe eines Hauses, bei dem der Vater den Vertrag 2022 abgeschlossen hatte, will wissen: „Was sind die Cluster drei und vier, die noch nicht ausgebaut worden sind?“

Eine Frage, die der Firmenvertreter nicht beantworten kann. Wie sehe es rechtlich aus? Immerhin seien die Verträge vor drei oder vier Jahren abgeschlossen worden, will ein anderer Mann wissen – vor allem mit Blick darauf, dass er seinen Vertrag mit einem anderen Anbieter gerade um zwei weitere Jahre verlängert habe. Bislang handele es sich um „Vorverträge“, die eine Gültigkeit von zwei Jahren hätten, so der Firmenvertreter. Das bedeute, dass die Verträge formal ausgelaufen seien. Wie eine Beziehung will ein weiterer Besucher seinen Vertrag mit Leonet sehen: „Wenn ich mich 2022 verlobt und vier Jahre nichts mehr von der Frau gehört hätte, und sie dann plötzlich zurückkäme, dann würde ich sagen: ,Nein danke‘. Wir wären alle blöd, wenn wir uns von der ,Verlobten‘ wieder vertrösten lassen würden“, sagt er. Er fordert, der Stadt klare Ansagen zu machen – oder sich gleich zurückzuziehen, damit endlich gehandelt werden könne.

Die Bereiche MFG03 und MFG04 in Bad Kötzting sind noch nicht ausgebaut. - Foto: Stadt Bad Kötzting

Was würde passieren, wenn nun alle (oder wenigstens sehr viele) der bisherigen möglichen Kunden von Leonet der Aufforderung folgen würden; Werden die Ortsteile dann gar nicht mehr ausgebaut? „Das kann natürlich passieren“, so Röhle.

Eine mögliche Lösung des Problems wird diskutiert

Warum die Stadt nicht schon lange „die Reißleine gezogen“ habe, will ein weiterer Anwesender aus Beckendorf wissen. Sein Nachbar sei schon lange über den Eigenbetrieb des Landkreises angeschlossen. „Dann müsst ihr mal Rückgrat zeigen und sagen, es wird nichts mehr“, fordert er von Leonet. Doch was wäre dann die Alternative? Wie Bauamtsleiter Christian Kopf anmerkt, sei das eine Option, die natürlich bereits diskutiert werde. Eine mögliche Lösung wäre der Ausbau über den Eigenbetrieb des Landkreises. „Leonet würde es uns einfacher machen, wenn sie sagen würden, dass sie nicht mehr ausbauen würden.“ Denn einen eigenwirtschaftlichen Ausbau könne die Stadt nicht verhindern. Wäre es vielleicht eine Lösung, dass sich alle Anwohner bei der Stadt melden, um Leonet zu einem Rückzug zu bewegen? „Gut möglich“, so der Leonet-Vertreter. Eine mögliche Lösung vor Augen, über die sich Röhle in den kommenden Tagen auch mit Bürgermeister Markus Hofmann unterhalten möchte, wie er sagt, machen einige Bürger noch ihrem Unmut Luft.

Sein Bruder warte seit drei Jahren auf einen Anschluss in seinem Neubau, erzählt daraufhin ein weiterer Besucher. Nun müsse er einen „kleinen vierstelligen Betrag“ an die Telekom bezahlen, um wenigstens einen Festnetzanschluss für sein Haus zu bekommen.

Aus Liebenstein berichtet eine Frau, dass sie einen Brief vom Landkreis bekommen habe, dass sie in den nächsten drei Jahren über den Eigenbetrieb angeschlossen werde, obwohl auch Leonet Kontakt aufgenommen habe. Röhle räumt ein, dass dieser Ortsteil sicher nicht mehr auf der Agenda stehe. Die Frau sei wohl nur noch angeschrieben worden, weil ihre Adresse zum Pool aus dem Jahr 2022 gehört habe. Rund 1000 Adressen befänden sich noch darin, seien also nicht ausgebaut.

Nichtige Verträge an das Stadtbauamt schicken und dann gesammelt agieren, war ein Vorschlag, der gemacht wurde – das sei eine Möglichkeit, so der Referent. So stehen die Zeichen am Ende des Abends auf Rücknahme der Zusage von Leonet. Für die Stadt würde der Ausbau durch den Landkreis allerdings teurer werde, so Röhle. Durch Leonet wären keine Kosten bei der Kommune angefallen – baue der Landkreis aus, könnte das den städtischen Haushalt mit rund einer Million Euro belasten, rechnet er vor.