Von Tulpen bis Zitroneneis: Kelheim erwacht langsam aus dem Winterschlaf

Die Befreiungshalle kämpft sich durch den Nebel, die Luft ist noch kühl. Doch kaum kommt die Sonne heraus, zieht es die Menschen nach draußen – und „jeder schreit nach Farbe“ in den Blumengeschäften. Eine kleine Spurensuche nach dem Frühling in der Stadt.
Morgens wirkt der Frühling in Kelheim noch weit weg. Es ist kalt, der Atem steht in der Luft. Doch sobald sich im Laufe des Tages die Sonne zeigt, verändert sich das Bild der Stadt spürbar. Menschen setzen sich vor Cafés, holen sich das erste Eis oder bleiben kurz stehen, um die ersten warmen Sonnenstrahlen zu genießen. Und auch in den Blumengeschäften greifen viele schon zu den ersten bunten Frühlingsboten.
Ein Blick vor die Bar Centrale am Ludwigsplatz: Hier sitzen Franz, Günter, Tom und Anton draußen und genießen ihren Kaffee. Es ist erst das zweite Mal in diesem Jahr, dass sie sich hier im Freien treffen. „Die Sonnenstrahlen merkt man einfach“, sagt Anton. „Hier ist es einfach super zum Draußen-Sitzen. Man kann sich gut unterhalten.“

Auch Betreiber Federico Raponi spürt den Wetterumschwung. Seit zwei Wochen hat die Eisdiele wieder geöffnet: „Letzte Woche war noch nicht so viel los, weil es noch kalt und grau war“, erzählt er. „Aber jetzt, wo die Sonne scheint, kommen wieder mehr Leute.“ Besonders gefragt seien derzeit Eissorten wie Joghurt-Orange, Pistazie, oder Cheesecake. „Die Leute mögen etwas Frisches.“
Am anderen Ende der Innenstadt hat auch die Eisdiele Primavera ihre Türen wieder geöffnet. „Am Wochenende, als die Sonne rauskam, war schon einiges los“, sagt Inhaberin Lidia Dal Mas. Bei ihren Kunden stehen bisher vor allem die Klassiker hoch im Kurs: Vanille, Schokolade, Erdbeere und Zitrone.
Große Nachfrage nach Frühlingsblumen
Dass der Frühling nicht nur in den Eisdielen angekommen ist, zeigt sich auch in den Blumengeschäften der Stadt. Im Gartencenter des Hagebaumarkts stapeln sich derzeit Veilchen, Primeln und Narzissen. „Kaum kommt zwei Minuten die Sonne raus, rennen sie uns hier die Türen ein“, sagt die stellvertretende Marktleiterin Sandra Fischbacher. Mehr als 1.000 Frühjahrsblüher verkauft sie aktuell täglich.
Noch allerdings ist Vorsicht geboten, denn in den Nächten gibt es weiterhin Bodenfrost und viele Pflanzen müssen geschützt werden. „Veilchen, Stiefmütterchen, Zwiebelpflanzen und Stauden halten den Frost gut aus“, erklärt Fischbachers Kollegin. „Aber vor allem schreit jeder nach Farbe“, sagt Fischbacher. Besonders beliebt seien Gelb, Orange, Hellblau und Weiß.

In den örtlichen Gärtnereien beginnt jetzt die arbeitsreichste Zeit. Bei Sonja und Karl Biller greifen die Kunden derzeit ebenfalls hauptsächlich zu allem „was den Frost aushält“, so die Inhaber der Gärtnerei in der Kelheimwinzerstraße. „Die Sonne ist momentan natürlich super für uns“, sagt auch der Seniorchef der Blumengärtnerei Schweiger Franz Schweiger. Der Erfolg der Saison hänge immer vom Wetter ab.
Zu den Frühjahrspflanzen gehören zum Beispiel Primeln, Veilchen, Stiefmütterchen, Narzissen und Stauden, wovon Seniorchef Franz Schweiger, der seit 1974 in der Blumengärtnerei arbeitet, viele selbst zieht. Rund 20.000 Frühlingspflanzen stehen derzeit bereit. „Wir hoffen natürlich, dass wir so viele wie möglich verkaufen“, sagt Schweiger.
Tausende Tulpen werden jede Woche verkauft
Eine weitere Pflanze, ohne die der Frühling nicht auskommt, ist die Tulpe. Die stammt in der Gärtnerei Biller sogar aus eigener Anzucht, was mit viel Vorarbeit verbunden sei, so Karl Biller. Bereits im Herbst legen die Billers erste Zwiebeln in die Erde. Im Dezember oder Januar kommen die Tulpen dann ins warme Gewächshaus, bevor sie später frisch geschnitten zum Verkauf angeboten werden.
Mehrere tausend Blumen würden die Gärtnerei dann wöchentlich verlassen. „Unsere Tulpen sind einfach nicht mit denen vom Discounter zu vergleichen“, sagt Sonja Biller. Die frisch geschnittenen Blumen seien deutlich haltbarer, denn im Supermarkt wisse man oft nicht, wie lange die Tulpen im Voraus schon unterwegs waren.

„Wenn sie knospig sind, kann man die Tulpen schneiden“, erklärt Karl Biller. „Sie dürfen aber auch nicht zu knospig sein – da muss man den perfekten Moment erwischen.“ Die Gärtnerei Biller ist ein alteingesessener Familienbetrieb, den es bereits seit 1891 gibt. Karl und Sonja Biller führen die Gärtnerei momentan in der vierten Generation – in den kommenden Jahren soll Sohn Maximilian die Leitung übernehmen. Sonja Biller glaubt jedoch, dass sie nie ganz aufhören kann: „Blumen sind einfach unsere Leidenschaft“, sagt sie. „Und gebraucht wird man immer.“
Dass der Frühling in Kelheim bereits spürbar ist, merken auch Besucher der Stadt. Christina Geselln ist mit Freunden auf einer Flussreise unterwegs. Die Gruppe ist in Köln gestartet und macht auf dem Weg Richtung Passau für einen Nachmittag in Kelheim Halt. Beim Spaziergang durch die Stadt fallen ihnen vor allem die Blumengeschäfte auf. „Die gefallen uns besonders“, sagt Gesell. „Wenn wir hier wohnen würden, hätten wir gleich eingekauft.“
