„Oh, wie schön ist Parga“: Deutsch-griechische Freundschaft in Abensberg feiert Jubiläum

Seit vier Jahrzehnten ist der griechische Küstenort Parga Partnerstadt von Abensberg im Landkreis Kelheim – seit vielen Jahren schiebt Peter Hübl kräftig mit an. Die Wurzeln der deutsch-griechischen Freundschaft liegen aber woanders.
Türken, Venezianer, Briten und ja, auch die Deutschen, wenngleich letztere in friedlicher Mission: Die kleine Küstenstadt Parga auf dem griechischen Festland zog schon immer Menschen unterschiedlichster Herkunft an, sie prägten den Ort in vielen Jahrhunderten und Jahrzehnten stetig mit. „Die reiche Geschichte, die schöne Gastfreundschaft“ – Peter Hübl kommt aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus, wenn er von Parga und der Region drumherum spricht. Seit einem Vierteljahrhundert betreut er Abensbergs Städtepartnerschaften: Lonigo in Italien, St. Gilles in Frankreich und eben auch Parga in Griechenland. Bald aber will er kürzertreten, zumindest als ehrenamtlicher Referent für Städtepartnerschaften.
Aber zurück zum Anfang: Die ersten zarten Pflänzchen in Parga entstanden durch die Löwingers, die regelmäßig ihren Urlaub dort verbrachten. Hans Löwinger half so manchem ehemaligen Gastarbeiter, der ursprünglich in Deutschland gearbeitet hatte und in der Rente nach Griechenland zurückging, beim Papierkram. „Der Name Löwinger hat dort noch einen sehr guten Klang“, weiß Hübl.

Lange war es sehr still um die Freundschaft
Die Fahrten wurden irgendwann altersbedingt weniger, dafür kam griechischer Besuch zu den Löwingers nach Abensberg, schließlich starben sie. Dann wurde es lange Jahre sehr still um die deutsch-griechische Freundschaft. Eine Gebietsreform nahm Parga die Unabhängigkeit, „zwängte“ den Ort in eine Verwaltungsgemeinschaft, einen eigenen Bürgermeister – und somit einen Ansprechpartner, der das städtepartnerschaftliche Getriebe schmiert – gab es längere Zeit nicht mehr. „Die haben die Selbstständigkeit als Ort verloren“, so Hübl. Dann wurde erneut gewählt und Parga bekam wieder ein eigenes Oberhaupt.
2002 entschloss man sich in Abensberg, die etwas darbende Städtepartnerschaft wiederzubeleben. „Kannst nicht was machen?“, war die Frage an Hübl als Beauftragten für Städtepartnerschaften. Hübl konnte: „Die erste Fahrt war 2010, und dann fuhren wir im Zwei-Jahres-Turnus, immer im Oktober, nach Parga.“ Diese besondere Reise kam schließlich so gut an, dass man bald jährlich nachlegte, bis wiederum Corona die Fahrten ausbremste. Aber der Funken kam nicht mehr ganz zum Erlöschen, schon bald danach nahm man das Ganze wieder auf.

Für Hübl ist die Partnerschaft mit Parga, die alljährliche Fahrt dorthin eigentlich fast schon ein Selbstläufer. Ein paar Anrufe genügen, denn dort hat Hübl in Pappas Sofkoklis einen Mann gefunden, der vor Ort alles managt, vom Hotel bis zu den Ausflügen, der „Reiseträume“ wahr werden lässt. Abends geht es in verschiedene Lokale, wo die Gruppe dann die legendäre griechische Gastfreundschaft genießt und mit reichlich Wein und noch besserem Essen die deutsch-griechische Freundschaft vertieft. „Da wird am ersten Abend die Abensberger Fahne rausgehängt“, erzählt Hübl schmunzelnd. Eine „Abensberger Straße“ gibt es in Parga sowieso.
Auf all das freut sich Hübl schon jetzt, denn im Oktober reist er erneut mit einer Gruppe über die VHS nach Parga, unter anderem die Klöster Meteora, eine Fahrt mit dem Schiff oder ein Bad im Meer stehen dann auf dem Programm: „Heuer reisen wir mit prominenter Besetzung, auch der Bürgermeister ist dabei, und wir werden eine Einladung an unsere Freunde aussprechen.“ Es sei nämlich Zeit, dass die Griechen auch mal wieder nach Abensberg kämen.
Hübl gibt seine Aufgabe in künftig in andere Hände
Um die genauen Details wird sich Hübl nicht mehr kümmern, denn nach 25 Jahren als ehrenamtlicher Referent für Städtepartnerschaften will er ab Mai etwas kürzertreten. Diese Aufgabe wird künftig in andere Hände gelegt. Hübl war an der Gründung der Städtepartnerschaft mit Lonigo in Italien beteiligt – „das ist die rührigste der Beziehungen“, mit regelmäßigen Besuchen und Gegenbesuchen, beispielsweise auf der Fiera in Lonigo, beim Speedway oder bei diversen Feierlichkeiten in Abensberg, „das Verhältnis ist sehr herzlich“. Nach St. Gilles wiederum reisen die Abensberger heuer zum Nationalfeiertag.
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Städtepartnerschaften seien eine unheimliche Bereicherung, findet Hübl. Und auch, wenn er künftig nicht mehr die Triebfeder sein möchte, so wird er von den Fahrten nicht lassen. „Die Fahrt nach Parga werde ich weiterhin organisieren“, so der 81-Jährige.
Erinnerung an die Initiatorin
Elfriede Löwinger und ihr Mann Hans hatten 1963 Parga „entdeckt“. Als vier Jahre später Jackie und Aristoteles Onassis erstmals mit ihrer Yacht vor der Bucht ankerten, wurde die Welt aufmerksam auf Parga. Das einstige Fischer- und Olivendorf wandelte sich zur Touristenhochburg, für die Löwingers war es schnell zur zweiten Heimat geworden und ihnen war die Beziehung von Parga und Abensberg zeitlebens ein großes Anliegen. Später wurde eine Freundschaftsurkunde unterschrieben, der Weg entlang der Abens zum Parga-Steg benannt. Elfi Löwinger begeisterte auch manchen Abensberger für ihre zweite Heimat.
Doch Elfi Löwinger war für Parga mehr als ein treuer Urlaubsgast. So manche politische Entscheidung in der griechischen Stadt wurde auf Löwingers Wohnzimmersofa in der Bahnhofstraße vorbesprochen, jeder offizielle Besuch aus Parga in Abensberg machte Elfi Löwinger die Aufwartung. Im März 2004, ist Elfi Löwinger nach längerer Krankheit gestorben. Im Beisein einer großen Delegation aus Parga ist sie im Abensberger Friedhof zu Grabe getragen worden. mf