Warum steckt Kelheim so oft im Nebel? – Meteorologie-Studenten erklären das Wetter

Nur einige wenige Wolkenfetzen waren am Samstagnachmittag über der Befreiungshalle zu sehen, als sich 17 angehende Wetterfrösche an der Anlegestelle an der Donau im Landkreis Kelheim sammelten. Im Rahmen vom Veranstaltungsprogramm des „Naturmonuments Weltenburger Enge“ boten Rosina Linhard und Sebastian Brandl am letzten Tag im Februar einen Schnupperkurs über Meteorologie an, also über die Wissenschaft vom Wetter.
Im Zentrum des zwei Stunden dauernden Spaziergangs entlang der Donau stand die Frage, wofür das Wetter eigentlich gut ist und wie es entsteht – und warum es in Kelheim immer so trüb ist. Fachlich führten Rosina Linhard und Sebastian Brandl durch den Nachmittag.
Gleich während des ersten Halts an der Pegelhütte versuchten die beiden Meteorologie-Studenten der Universität Innsbruck, das komplexe Zusammenspiel aus Sonneneinstrahlung, Erdrotation und Luftströmungen, an dessen Ende das entsteht, was wir „Wetter“ nennen, mit einfachen Mitteln zu erklären.
Energieaustausch steht beim Wetter im Mittelpunkt
Brandl erklärte: „Die Aufgabe des Wetters ist der Energieaustausch.“ Während die beiden mit einer Taschenlampe und einem aufblasbaren Globus demonstrierten, wie Energie mit dem Sonnenlicht auf die Erde gelangt, fügte Linhard hinzu: „Ein Ungleichgewicht ist dabei immer schlecht.“ Wenn die Sonne an einer Stelle Luft erwärmt, wird diese leichter und steigt auf. Es entsteht ein Hochdruckgebiet, also das besagte Ungleichgewicht. Aus Tiefdruckgebieten strömt kältere Luft herbei, was sich für uns als Wind bemerkbar macht.
Was an diesem Nachmittag klar wird: Wenn wir eine Wetter-App auf dem Handy aufrufen, steckt dahinter eine ganze Menge Arbeit. Denn um das, was in der Atmosphäre den ganzen Tag passiert, gut abbilden zu können, braucht es ein weitläufiges Netz aus Messstationen auf der ganzen Welt und die Zusammenarbeit vieler nationaler und internationaler Wetterdienste, sagten Linhard und Brandl.
Und selbst mit diesem Netz wird es wohl nie ganz möglich sein, genau vorherzusagen, wann sich wo zu welchem Zeitpunkt Wolken, Unwetter und andere Phänomene bilden. Denn schon innerhalb weniger Meter können ganz unterschiedliche Bedingungen für Temperatur und Wolkenbildung herrschen.

Brandl erklärte dies an einem flauschigen Kumuluswölkchen, das die Gruppe von einer Wiese aus beobachten konnte. Es steht über dem Hügel, auf dem die Befreiungshalle thront. Diese relativ niedrig schwebende Art von Wolken entsteht, wenn Luft, die Feuchtigkeit enthält, über einer warmen Oberfläche aufsteigt. Zwischen dem Hügel und der kälteren Donau herrscht ein solcher Temperaturunterschied, dass es hier schon zu einer Interaktion in der Atmosphäre und damit zu einer Wettererscheinung kommt – nämlich der Wolke.
Da kein Computer dieser Welt so mächtig ist, all diese Details zu erfassen, müssen sich Meteorologen einiger Vereinfachungen bedienen, um eine gute Prognose abgeben zu können. „Dabei entstehen aber eben Fehler“, antwortet Linhard auf die Frage eines Teilnehmers, der sich über die unterschiedlichen Vorhersagen seiner Wetter-Apps wundert.
Experimente zeigten, wie sich Wolken bilden
„Ein tolles Angebot“, sagt der gleiche Mann über den Spaziergang. Die beiden Studenten erklären das Wetter sehr gut. Dabei helfen auch die kleinen Experimente der beiden, die zeigen, wie Wolken sich bilden oder ein Regenbogen entsteht.
Aber nun noch einmal nachgefragt: Warum kommt es in Kelheim immer zu so einer dichten Nebelsuppe? Die beiden erklären: Das Wasser der Donau ist oft vergleichsweise warm, während die Luft eher kalt und dazu feucht ist. An kleinen Partikeln in der Luft, also Staub oder Eiskristallen, haftet Wasser an.
Die feuchte Luft steigt dann nicht auf, sondern bleibt in der Nähe des Bodens. Wenn dann kein Wind weht und die Partikel abtransportiert, bildet sich eine Wolke, die wir als „Nebel“ bezeichnen – und diese Bedingungen herrschen in Kelheim eben sehr oft, gerade im Herbst.
Am Ende des Spaziergangs herrscht noch immer Sonnenschein, und die Teilnehmer werden in das Wochenende entlassen. Für Linhard und Brandl geht es zurück nach Innsbruck, wo gerade das neue Semester beginnt. Aber auch im nächsten Jahr werden sie wohl wiederkommen und interessierten Teilnehmern erklären, wozu das Wetter eigentlich gut ist.