Randalierer wütet wiederholt in Elektromarkt in Kelheim – Mitarbeiter in Angst

Von Jochen Dannenberg · 5. März 2026 um 19:00

Familie Reng ist fassungslos. Seit vielen Jahren betreibt sie ihre Elektromärkte in Neustadt und Kelheim. Doch was derzeit im Geschäft in der Kreisstadt passiert, lässt sie nicht mehr zur Ruhe kommen: Ein junger Mann kommt regelmäßig in den Laden und randaliert. Der Schaden liegt bereits bei 20.000 Euro. Polizei und Justiz wirken hilflos.

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„Das ist nicht mehr lustig“, sagt Stefan Reng-Wallat, Prokurist von Expert Reng. „Was wir erleben, ist psychisch und seelisch eine Riesenbelastung für uns und unsere Mitarbeiter.“ Was Stefan Reng-Wallat meint, ist eine Serie von Straftaten, die im vorigen Sommer begann und von der er sagt, dass es inzwischen zehn Vorfälle sein dürften. Der Täter ist ein 22-jähriger Syrer, die Fälle sind polizeibekannt und auch die Justiz hat schon ermittelt. Trotzdem ist der 22-Jährige auf freiem Fuß.

Die Fälle laufen nach einem immer wieder kehrenden Muster ab. Der junge Mann betritt wortlos das Geschäft, geht vor den Regalen mit den Elektrogeräten auf und ab und mit einem Mal holt er mit einem Bein aus und tritt zu. Im Elektromarkt an der Schäfflerstraße sind auf diese Weise mehrere Fernseher zu Bruch gegangen, Aufnahmen der Überwachungskameras zeigen den jungen Mann, wie er u.a. auf einen großen Bildschirm eintritt, bis der völlig verbeult am Boden liegt. Der Schaden beträgt bisher rund 20.000 Euro.

Kunden verlassen fluchtartig den Laden

Was die Kameras auch zeigen, sind die Reaktionen der Menschen im Geschäft. Einige bleiben verwundert stehen, andere verlassen fluchtartig den Laden. Versuche von Mitarbeitern, mit dem jungen Mann zu sprechen, gehen anscheinend ins Leere. Er macht weiter. Auf einem Video sieht man sogar noch die Polizei in den Laden stürmen, um den 22-Jährigen festzunehmen.

„Die Polizei ist inzwischen unser Stammgast“, sagt der Prokurist. „Die Beamten nehmen den Mann mit, setzen Anzeigen auf und eine Stunde später ist der Mann wieder frei und bei uns im Geschäft.“ Nicht immer, aber oft. Zuletzt kam er mit einer Glasscherbe in der Hand. Stefan Reng-Wallat: „Muss da noch was passieren?“

Auf diesen großen Fernseher wurde mehrfach getreten. - Foto: Stefan Reng-Wallat

Der Prokurist ist mit seinem Latein am Ende. „Die Kunden fragen uns ständig, was bei uns los ist, weil sie immer die Polizei sehen.“ Auch auf das Personal wirkt sich die Situation aus. Ein Marktleiter hat gekündigt, andere Beschäftigte wollen ebenfalls gehen, sagt Stefan Reng-Wallat. Er hat deshalb einen Sicherheitsdienst engagiert, der für Ordnung sorgen soll. Aber ewig ginge das auch nicht, sagt der Prokurist.

Inzwischen weiß er, dass er auf klassischem Weg – Polizei und Justiz – wohl nicht so bald seine Ruhe bekommen wird. Die Staatsanwaltschaft Regensburg hat ihm mitgeteilt, dass der junge Syrer nach den bisherigen Ermittlungen an einer psychiatrischen Erkrankung leidet. Aufgrund der Erkrankung könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Fähigkeit des jungen Mannes, das Unrecht der Tat einzusehen oder nach dieser Einsicht zu handeln, aufgehoben sei. Anders gesagt: Er kann nicht bestraft werden.

Die Polizeiinspektion Kelheim bestätigt, dass der Mann, der im Landkreis Kelheim wohnt, in letzter Zeit „mehrfach polizeilich in Erscheinung“ getreten sei. „Bei den polizeilich bekannt gewordenen Vorfällen handelte es sich überwiegend um Hausfriedensbrüche und Sachbeschädigungen. Zu Körperverletzungen kam es nicht“, teilt Florian Zichaus von der Polizeiinspektion Kelheim mit.

Polizei hat Mitarbeiter von Expert Reng geschult

Zichaus betont: „Der Polizeiinspektion Kelheim ist das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung ein großes Anliegen. Diese ist im engen Austausch mit den zuständigen Behörden und hat eine Reihe präventiver Maßnahmen eingeleitet.“ Die Polizeiinspektion Kelheim führte unter anderem eine präventive Schulung aller Angestellten des betroffenen Elektrofachmarkts durch. „Hierbei wurden den Angestellten diverse Verhaltenshinweise und Verhaltensempfehlungen durch speziell geschulte Präventionsbeamte nähergebracht.“

Darüber hinaus würden vermehrt Streifenfahrten im Bereich der Schäfflerstraße durchgeführt, um den Angestellten und Bürgern Sicherheit zu vermitteln.

Stefan Reng-Wallat bestätigt das alles. Doch bisher sieht er nicht, dass sich die Situation im Geschäft verbessert hat. „Meine Mitarbeiter haben Angst“, sagt er. „Zuletzt hat der Mann sogar versucht, ins Geschäft einzubrechen.“

Die Polizei war in den letzten Wochen mehrfach an der Schäfflerstraße im Einsatz. - Foto: Stefan Reng-Wallat