„Wir brauchen Leute wie Hussein!“ Syrer bangte vor Abschiebung – Gibt es ein Happy-End?

Von Philip Hell · 5. März 2026 um 17:00

Hussein Jazza betont eines im Gespräch immer wieder: „Ich tue alles, um mich zu integrieren.“ Der Syrer (37) ist so etwas wie das Mädchen für alles im Beach House, dem Restaurant am Legionäre-Stadion. Seit rund zwei Jahren ist er in Deutschland, hat das Sprachniveau B1 – und will nur eines: sich ein Leben aufbauen. Nun sollte er abgeschoben werden. In ein Land, in dem ihm Verfolgung droht. Doch dann nahm der Fall eine rasante Wendung.

2023 floh Jazza aus Syrien, erzählt er im Beach House. An der Grenze zwischen Polen und Deutschland wurde er von der Polizei aufgegriffen, die Beamten nahmen seine Fingerabdrücke, erzählt er auf Arabisch. Ein Freund dolmetscht. Jazza spricht allerdings ziemlich gut Deutsch. Erst war er eine Zeit lang in den Niederlanden, versuchte in Europa Fuß zu fassen. Freunde rieten ihm, nach Deutschland zu kommen. So landete er in Regensburg.

Flucht nach Regensburg: Minderheiten erleben Gewalt in Syrien

Er stellte einen Asylantrag, erzählt Jazza. Der sei allerdings abgelehnt worden. „Sie haben gesagt, Syrien ist ein sicheres Land.“ Das sei kurz nach dem Sturz von Diktator Baschar al-Assad gewesen. Und, ist Syrien ein sicheres Land? Der 37-Jährige schüttelt energisch den Kopf. „Nein, nein, nein, nein.“ Gerade seit dem Sturz von Assad gebe es viel Gewalt an Minderheiten – und genau das macht Jazza Angst.

Der Syrer ist nämlich Schiit – eine absolute Minderheit in seinem Heimatland. Rund 70 Prozent der syrischen Bevölkerung sind Sunniten, beide Gruppen sind muslimischen Glaubens. Es gibt allerdings immer wieder Konflikte. Zum Teil auch blutige. In seinem Asylantrag wurde Jazza als Sunnit geführt, sagt der 37-Jährige. Vermutlich ein Versehen – und zunächst auch nicht weiter wichtig. Denn: Unter Diktator Assad war die Lage für die Schiiten eine andere, eine bessere. Dann kamen der Sturz und die Annahme der Behörden, Syrien sei sicher. Jazza erzählt, dass ihm seine Abschiebung mitgeteilt worden sei.

Ich bin dankbar für dieses Land, dass mich aufgenommen hat, bevor ich etwas für es getan habe.Hussein Jazza, syrischer Flüchtling

Dabei warte in Syrien rein gar nichts auf ihn. Eine Schwester lebe dort, der Rest seiner Familie wohne im Iran, wo er auch jahrelang studiert habe. Auch dort ist es alles andere als sicher. All dem ist Jazza entflohen – um sich in Deutschland ein neues Leben aufzubauen. „Ich wollte hier in Sicherheit wohnen. Etwas aufbauen, gemeinsam mit meiner Familie.“ Er habe sofort mit einem Integrationskurs begonnen. „B1 habe ich bestanden, dann habe ich direkt mit der Arbeit angefangen.“ B1, das bedeutet, dass Jazza die wichtigsten Punkte im Alltag verstehen und sich einfach und zusammenhängend über vertraute Themen ausdrücken kann. „Es war ein neues Leben. Ich habe hier eine Sicherheit gespürt, die ich noch nie gefühlt habe.“ Und eines, das will Jazza auch noch loswerden, auch wenn ihm die drohende Abschiebung sehr große Angst macht. „Ich bin dankbar für dieses Land, dass mich aufgenommen hat, bevor ich etwas für es getan habe.“

Regensburger Unternehmer betont die Chance der Migration

Legionäre-Vorsitzender Armin Zimmermann ist der Chef von Hussein Jazza. Wenn er über den Fall spricht, schüttelt er immer wieder energisch den Kopf. „Ich finde das aberwitzig. Wir brauchen doch in den Mangelberufen Leute wie Hussein, die Sozialversicherungsbeiträge und Steuern zahlen.“ Das sei doch jemand, der alles dafür tue, sich zu integrieren, der eine Bereicherung für dieses Land sei. „Und dann schicken wir sie weg?“ Bei anderen wiederum schafft es der Rechtsstaat nicht, hart durchzugreifen und sie loszuwerden. Das betreffe die Menschen, die nach Deutschland kämen, um das Sozialsystem auszunutzen, oder Migranten, die straffällig werden. „Die lassen wir hier“, sagt Zimmermann. „Da verliert man doch den Glauben an den Rechtsstaat. Was macht das für einen Sinn?“ Menschen wie Jazza hielten das deutsche Sozialsystem am Laufen. „Die werden dafür sorgen, dass wir noch eine Rente bekommen.“

Der 37-jährige Syrer gibt nicht auf. Er verklagt die Bundesrepublik Deutschland vor dem Verwaltungsgericht – so wie viele andere Migranten, die abgeschoben werden sollen. Außerdem habe Zimmermann über die Politik einen Härtefallantrag beim Innenministerium veranlasst. Wie es ausgeht? „Wir werden sehen“, sagt der Legionäre-Chef.

Ein Happy End für syrischen Flüchtling in Regensburg?

Nur einen Tag nach dem Gespräch im Beach House meldet sich Zimmermann noch einmal. „Wir haben dem den Landtagsabgeordneten Jürgen Eberwein aus dem Innenministerium die Rückmeldung erhalten, dass im Fall von Hussein Jazza, zwar eine Ablehnung im Asylverfahren erfolgt ist und ein Vorgehen gegen die Ablehnung aus sachlichen Gründen wenig bis keine Aussicht auf Erfolg hat, aber keine zeitnahe Abschiebung droht, sondern aufgrund seiner Beschäftigung die Möglichkeit besteht, eine ganz reguläre Arbeitserlaubnis und damit ein Aufenthaltsrecht zu erlangen.“ So klingt wohl ein Happy-End auf Behörden-Deutsch – sicher ist das aber noch lange nicht. Jazza jedenfalls hat ein wenig mehr Hoffnung, sich ein Leben in dem Land aufzubauen, dass ihn fast mal loswerden wollte.