Tauben in Neustadt sind ein Problem – Jetzt sollen sie ausgetrickst werden

Tauben sind niedlich, sie bringen Leben in die Stadt. Aber sie sorgen auch für Unmut bei den Bürgern. Am Markusplatz in Venedig ist das Füttern von Tauben deshalb verboten. In Neustadt a.d. Donau im Landkreis Kelheim werden sie noch gefüttert. Zuletzt waren die Tauben wieder ein Thema im Neustädter Stadtrat.
Jahrelang war es in Neustadt ruhig bei dem Thema gewesen. Die Tauben fliegen in Schwärmen zwischen dem Rathaus und der Pfarrkirche St. Laurentius hin und her, ruhen sich zwischendrin aus und sitzen mal auf dem First des Rathauses und mal auf den Zeigern und Ziffern der Kirchturmuhr. Oder sie stürzen sich mit einem Mal auf das Futter, das neben dem Brunnen an der Kirche oder am neuen Trog vor der Bäckerei Feigl am Stadtplatz ausgestreut ist.
Leider sind die „gefiederten Freunde“ dabei nicht nur nett anzuschauen. Sie hinterlassen auch Kot. Auch deshalb waren sie bereits vor über einem Jahrzehnt ein Thema im Stadtrat. Damals wollte man sich Unterstützung holen und ein Taubenmanagement einrichten. Dann ruderte man jedoch in der Sache zurück, das Thema ruhte und die Tauben flogen weiter.
Die Tauben wurden dadurch nicht weniger und es gab immer wieder wohlmeinende Neustädter, die glaubten, man müsse die Tiere füttern. In der jüngsten Sitzung des Stadtrats brachte SPD-Fraktionssprecher Bernhard Rieger das Thema erneut auf den Tisch, nachdem eine Frau unlängst im Gespräch mit der Mittelbayerischen erklärt hatte, dass sie die Tauben füttere.
Tauben sollen sich an einen neuen Platz gewöhnen
Bürgermeister Thomas Memmel (CSU) antwortete, dass man mit der Frau aber auch mit Tierschützern gesprochen habe. Ein Ergebnis der Gespräche ist der neue Futterbehälter am Stadtplatz. Mit ihm sollen die Tauben an einen neuen Fütterungsplatz gewöhnt werden. „Denn“, so stellte es auch der Bürgermeister fest, „wir haben nach wie vor viele Tauben in der Stadt. Das führt zu Verschmutzungen.“

Bleibt damit nun alles wie gehabt? Bürgermeister Thomas Memmel sagt: „Die Frau bekommt am alten Wertstoffhof das alte Bushäuschen aus Heiligenstadt. Dort werden Nistkästen eingebaut.“ Dahinter steckt die Idee: Die Eier der Tauben können durch Gipseier ersetzt werden, weshalb die Tauben dann keine echten Eier mehr ausbrüten würden und sich damit nicht mehr im bisherigen Umfang vermehren könnten.
Ob und in welchem Umfang die Maßnahme erfolgreich ist, lässt sich nicht absehen. Das ist auch dem Bürgermeister klar. Er sagt deshalb vorsichtig: „Damit werden wir das Thema nicht in voller Gänze lösen.“
Geringere Population, aber immer noch Tauben
In Venedig werden Verstöße gegen das Fütterungsverbot inzwischen mit Geldstrafen von bis zu 500 Euro geahndet. Ein solches Verbot lehnt Memmel jedoch auf Nachfrage der Mittelbayerischen ab. „Wir können uns der Verantwortung nicht entziehen“, sagt er. Zugleich ist der Bürgermeister überzeugt: „Ein Fütterverbot reduziert die Tauben nicht. Sie finden ihr Futter auch so.“
Im Ergebnis könnte die Situation in Neustadt damit der in Venedig ähneln. Um Schäden an der historischen Architektur der Lagunenstadt zu verringern und hygienische Probleme zu lösen, wurde dort sogar der Verkauf von Vogelfutter im Jahr 2008 eingestellt. Die Population ist dadurch in den fast zwanzig Jahren danach zwar deutlich zurückgegangen, dennoch sind die Vögel weiterhin in Venedig präsent.
