Erfolg trotz Internet: Jetzt geht die vierte Generation eines Neustädter Geschäfts an den Start

Von Jochen Dannenberg · 1. März 2026 um 05:00

Immer mehr Einzelhandelsgeschäfte schließen, Innenstädte – auch in großen Kommunen – drohen zu veröden. Die Konkurrenz des Online-Handels scheint allmächtig. In Neustadt a.d. Donau (Landkreis Kelheim) gibt eine Familie mit ihrem Geschäft trotzdem nicht auf. Im Gegenteil. Jetzt steht sogar schon die vierte Generation bereit.

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„Handwerk bietet krisensichere Zukunft“, „Ostbayern ist Handwerkerland“ – Schlagzeilen wie diese sind regelmäßig zu lesen. Ob das immer so zutrifft? Für Michael und Sebastian Mayer ist die Antwort klar: „Unser Geschäft gibt es seit fast 80 Jahren“, sagen sie. Und sie denken nicht daran, daran etwas zu ändern. Der Großvater hatte das Geschäft kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in Neustadt a.d. Donau in genau jenen Räumen an der Herzog-Ludwig-Straße eröffnet, in denen jetzt das Redaktionsbüro der Mittelbayerischen Zeitung untergebracht ist.

Die Firma wuchs. Zum Uhrengeschäft kamen auch noch das Optikergeschäft und Schmuck. Schließlich wurde der Laden zu klein. Der Großvater zog ein paar Meter weiter – in die Herzog-Ludwig-Straße 13. Das Anwesen war fortan nicht nur Geschäft, sondern auch das Wohnhaus der Mayers. Der Betrieb blieb in Familienbesitz. Auf den Großvater folgte dessen Sohn, 2017 übernahmen dessen Söhne Sebastian und Michael, und jetzt steht die vierte Generation bereit.

Sie will noch in diesem Jahr auf die Meisterschule

Julia Mayer will in die Fußstapfen ihres Vaters Michael treten. Wie er hat auch sie das Handwerk des Augenoptikers gelernt, und noch in diesem Jahr will sie auf die Meisterschule in München gehen.

Die Herzog-Ludwig-Straße 23 (Bildmitte) ist seit vielen Jahren der Stammsitz der Mayers. - Foto: Jochen Dannenberg

Die 18-Jährige freut sich. „Auf der Meisterschule geht es viel mehr um Augenkrankheiten, die Einstellung der Sehhilfen und Buchhaltung“, erklärt sie. Die Arbeit macht ihr Spaß, daran lässt Julia Mayer keinen Zweifel aufkommen. „Meine Eltern haben mich nie gezwungen, Optikerin zu werden.“ Aber, sagt die 18-Jährige, sie habe die Arbeit gesehen und sie habe ihr gefallen. Die Mischung aus Büro, Handwerk, Kundengesprächen und Verkauf habe sie begeistert. „Und“, sagt sie, „die Leute merken, dass wir unseren Beruf mit Leidenschaft ausüben.“

Den Papa freut die Einstellung. Was Michael Mayer – und seinen Bruder Sebastian, der für die Uhren zuständig ist – besonders freut, ist die Beständigkeit des Geschäftsbetriebes als Familienunternehmen. „Jetzt kann das Geschäft in die vierte Generation gehen. Darauf sind wir stolz“, sagt er. Dass das trotz Internet und Billiganbietern möglich ist, führt er vor allem auch auf den Service zurück. Deshalb kämen zum Beispiel auch Kunden aus Kelheim zu ihm und seinem Bruder.

Wichtig sei auch die handwerkliche Qualität. „Wir haben für jedes Gewerk – Uhren, Schmuck, Optik – einen Meister. Außerdem sind wir immer selber im Geschäft. Wir nehmen die Teile, mit denen die Kunden kommen, noch selbst in die Hand und prüfen sie, um die Kunden zu beraten.“ Die Beratung sei wichtig, betont Michael Mayer. Es geht um die Zufriedenheit der Kunden. Die sollen schließlich wiederkommen, weshalb Mayer auch sagt: „Wir wollen, dass die Kundschaft über Jahre etwas von ihren Dingen hat.“

An sechs Tagen pro Woche haben die Mayers geöffnet

Julia Mayer kennt diese Gedanken und weiß, dass sie seit Jahrzehnten die geschäftliche Grundlage für das Unternehmen sind. Auch deshalb sagt sie: „Ich habe Respekt vor dem, was über Generationen aufgebaut wurde. Es geht hier nicht um einen x-beliebigen Bürojob, man übernimmt auch Verantwortung.“

Und fast schon „nebenbei“ ist das Geschäft auch Familie. An sechs Tagen pro Woche haben die Mayers geöffnet. Sie sehen sich jeden Tag – auch nach Feierabend, Julia wohnt noch bei ihren Eltern. „Wir funktionieren gut als Team“, sagt Michael Mayer. Zugleich sei immer auch jeder Einzelne gefordert. „Als Familienmitglied muss man das Ganze überblicken.“

Wenn alles klappt, freut sich Michael Mayer, kann seine Tochter mit 21 Jahren die Meisterschule beendet haben. Sie wäre dann eine der jüngsten Optikermeisterinnen in Bayern.

In der Herzog-Ludwig-Straße 29 begann Karl Mayer mit einem Uhrengeschäft. Inzwischen sind die Mayers umgezogen, am alten Firmensitz befindet sich heute das Redaktionsbüro der Mittelbayerischen Zeitung. - Foto: Familie Mayer