150 Meter langer Zaun soll Kröten in Kelheim vor dem Verkehr bewahren

Von Hannah Sturm · 27. Februar 2026 um 11:00

Kaum verschwindet der letzte Schnee und die Temperaturen steigen in den Plusbereich, machen sie sich wieder auf die Reise – Kröten, Frösche und Molche bahnen sich ihren Weg in Richtung Laichgewässer, um dort ihre Eier abzulegen.

Die Staatsstraße zwischen Kelheim und Riedenburg stellt dabei ein lebensgefährliches Hindernis für die Erdkröten dar, die jedes Jahr aus dem Wald zu den Weihern auf der gegenüberliegenden Straßenseite wandern, denn der Verkehr rauscht hier nur so ungebremst vorbei.

Damit möglichst wenige Tiere auf dem Asphalt enden, steht neben der Straße, auf Höhe Oberau, nun ein Amphibienzaun. Rund 150 Meter lang und etwa 50 Zentimeter hoch zieht sich die Folienwand am Straßenrand entlang, befestigt mit dünnen Metallpfosten, die tief in den Boden gehämmert wurden. In regelmäßigen Abständen sind zudem Eimer eingegraben.

Seit rund fünf Jahren packt Eduard Prossliner beim Aufbau der Amphibienzäune mit an. Ehrenamtliche wie in würde sich der BN in Zukunft noch mehr wünschen. - Foto: Sturm

„Weil das hier bei uns in Essing ist, helfe ich mit – das ist doch klar“, sagt Dieter Winterstein. Gemeinsam mit weiteren Ehrenamtlichen der Kreisgruppe Kelheim des Bund Naturschutz (BN) hat er den Zaun in diesem Jahr erstmals in Oberau errichtet. Insgesamt werden im Landkreis Kelheim dieses Jahr nach Angaben der Kelheimer Kreisgruppe des BN über zehn Krötenzäune aufgebaut, darunter auch drei neue.

In Oberau laufen letzte Vorbereitungen

Auch bayernweit laufen derzeit die Vorbereitungen auf Hochtouren. Der Landesbund für Vogel- und Naturschutz betreut nach eigenen Angaben mehrere Hundert Krötenzaunanlagen im Freistaat, die zweimal täglich von Ehrenamtlichen kontrolliert werden. Fallen Kröten in die Eimer, werden sie über die Straße getragen. An einem naturnahen Gewässer kann es sich dabei durchaus um über 1.000 Erdkröten handeln.

Da manchmal auch andere Tiere in die Behälter geraten, werden kleine Äste hineinlegt. „So können Insekten und andere Kleintiere später wieder leicht herausklettern“, erklärt, Sigbert Sieberichs von der BN Ortsgruppe Abensberg.

Die kleine Ortsgruppe Kelheim wird beim Bau des Zauns von Helfern aus Abensberg unterstützt. Eduard Prossliner engagiert sich seit rund fünf Jahren. Als er hörte, dass Winterstein und sein Team an einer Stelle über 800 Kröten gerettet haben, stand für ihn fest: „Da muss ich einfach mithelfen.“

Sigbert Sieberichs legt kleine Äste in die Eimer, damit sich verirrte Insekten wieder befreien können. - Foto: Sturm

Auch Winterstein packt schon seit vielen Jahren beim Zaunaufbau mit an und kennt sich so mit dem Verlauf der Wanderung aus: „Zunächst machen sich die Männchen auf den Weg“, erklärt er. Sie wandern vom Wald den Hang hinunter und Richtung Weiher. Kurz darauf folgen die Weibchen – oft bereits mit einem Männchen auf dem Rücken. „Die Männchen warten hier unten und wenn ein Weibchen kommt, springen sie auf“, beschreibt er. Die Weibchen, fast doppelt so groß, tragen ihre Partner bis ins Wasser, wo sie ihre Eier als lange Schnüre zwischen Wasserpflanzen legen.

Beim Bau des Zauns wird die kleine Ortsgruppe Kelheim von Helfern aus Abensberg unterstützt. Eduard Prossliner engagiert sich seit rund fünf Jahren. Als er hörte, dass Winterstein und sein Team an einer Stelle über 800 Kröten gerettet haben, stand für ihn fest: „Da muss ich einfach mithelfen.“

Kröten-Retter würden sich Unterführung wünschen

Hier in Oberau ist die Wanderung zwar noch nicht in vollem Gange, doch Winterstein ist sich sicher: „Diese provisorischen Zäune sind auf alle Fälle ein Erfolg, aber lange noch kein Durchschlagen.“

Langfristig wäre eine feste Unterführung die nachhaltigere Lösung, meint er. Zuständig wäre die Straßenbaubehörde. „Oberhalb von Essing gibt es so eine Anlage schon, die deckt aber lange nicht alle Abschnitte ab, die für die Tiere gefährlich sind“, erklärt Winterstein.

An der Straße nach Herrnsaal gibt es bereits eine Leit-Einrichtung für Amphibien. Stephan Häckl (li.) und Thomas Schels vom Kreisbauhof haben sie dieser Tage ausgebessert. - Foto: Hutzler

Besorgt sei er vor allem um die Jungen, denn wenn sie im Mai und Juni schlüpfen, müssen auch sie die Straße überqueren. Für diese Wanderung hätte es noch nie eine Zaunanlage gegeben, denn die Jungtiere wandern in verschiedene Richtungen ab. „Man muss einfach hoffen, dass es genügend Tiere schaffen“, so Winterstein.

Aufruf: Wer beim Krötenretten mithelfen möchte, kann sich an die BN Kreisgruppe Kelheim wenden. Vorkenntnisse sind dafür nicht nötig, alles Wichtige wird vor Ort erklärt – vom richtigen Umgang mit den Tieren bis zu Hygienevorschriften. Weitere Informationen gibt es unter https://kelheim.bund-naturschutz.de/.

Standorte: Die Amphibienzäune in der Region befinden sich an der alten Bundesstraße 16 zwischen Kelheim und Abensberg, an der KEH 5 zwischen Neustadt a. d. Donau und Hienheim, im Hienheimer Forst, am Fußballplatz in Ihrlerstein, am Felsenhäusl in Essing und an der Staatsstraße St2230 auf Höhe Oberau.