Haushalt als Schulfach: Besondere Schule in Abensberg lädt zum Schnuppern ein

Ressourcenschonend und älter als jeder „Trend“: Warum gutes Haushalten niemals aus der Mode kommt, weiß man spätestens nach einem Semester an der Schule für Haushaltsführung und Ernährung in Abensberg.
Die Tochter liebt die Tasche heiß und innig. Das freut den Papa umso mehr. Die Tasche ist etwas ganz Besonderes. Nicht, weil er dafür tief ins Portemonnaie hat greifen müssen, sondern weil er sie aus Jeansresten selbst hergestellt hat. „Ich hatte vorher nicht auf dem Schirm, dass Haushaltsführung so umfangreich ist“, sagt Bernhard Resch – übrigens nicht der Bürgermeister, sondern ein Namensvetter, Hygienekontrolleur von Beruf. Mit 18 anderen Mitstudierenden wird er in der Schule für Haushaltsführung und Ernährung wieder zum Schüler – und zwar freiwillig.
Ein Semester lang lernen er und seine „Mitschüler“, wie man eine feine Torte backt, einen Reißverschluss einnäht, aus Resten Leckeres zubereitet, einen Nutzgarten anlegt, die eigenen vier Wände am günstigsten sauber bringt und vieles andere mehr. Kurzum: Unbeeindruckt von Social Media Trends wie „Grandma-Style“, „Cleanfluencing“ oder „Do-It-Yourself“-Tutorials lehrt die Schule das Handwerkszeug, das man braucht, um im Privatleben, aber auch im Beruf ressourcenschonend und effizient zu haushalten.
Hauswirtschaft war schon immer nachhaltig
Die vermeintlichen Trends aus dem Netz, für die Schule nichts Neues: „Wir waren schon immer nachhaltig“, sagt Schulleiterin Beate Peter, „Hauswirtschaft schaut immer auf Geld, Umwelt, Menschen“. Es gehe auch um Mündigkeit, sich zu fragen, was braucht man eigentlich wirklich? Muss ich Kleidung wirklich wegwerfen, nur, weil sie ein Loch hat? Wie kann man Vorräte anlegen? Auch solche Themen, die nicht zuletzt auch durch Nachrichten oder durch Social Media befeuert werden, Wissen, das früher als selbstverständlich galt, gehören hier zum Stundenplan.

Und den finden Jung und Alt gleichermaßen interessant. Frauen und ja, auch Männer, drücken hier zusammen die Schulbank. Ihre Beweggründe sind ganz unterschiedlich. „Ich hatte einfach privates Interesse, man lernt nie aus“, meint beispielsweise Freddy Masson.
Mit seiner Idee hatte er gleich Maxi Neumeyer noch angesteckt: „Ich dachte mir, jetzt in der Freistellungsphase, kurz vor der Rente könnte ich das noch machen.“ Was als fixer Einfall begann, entpuppte sich dann doch als arbeitsreicher als zunächst angenommen: „Dass es so umfangreich ist, dachte ich nicht. Da muss man schon pauken. Schließlich will man ja in den Prüfungen auch mithalten.“
Einige „wuppen“ den Unterricht, der dienstags und – je nach Wahlpflichtfach – bisweilen auch samstags stattfindet, neben Vollzeitarbeit und Nebenerwerbslandwirtschaft: „Für mich ist das eine Schule fürs Leben. Ich habe daheim einen Hofladen“, sagt Anna-Lena Badhorn, die aus dem Landkreis Freising nach Abensberg zum Unterricht pendelt und eigentlich Personalsachbearbeiterin ist. Die Zeit zum Lernen, die schaufelt sie sich mit Überstunden frei – oder indem sie nach der Schule ihre Arbeit im Homeoffice nachholt. „Die Jungen sind extrem motiviert“, hat auch Schulleiterin Peter beobachtet.
Berufliche Bildung und persönliches Interesse

Nicht selten wollen sich die Studierenden ein weiteres berufliches Standbein aufbauen – für die Aufnahme ist eine erste Berufsausbildung Pflicht. Und so kommen Landwirte, die auf Direktvermarktung umstellen, Erzieherinnen, die künftig auch in der Hauswirtschaft tätig sein oder aber Menschen, die sich als Haushaltsdienstleister, etwa für Senioren, selbstständig machen wollen. „Wir haben die beste Zielgruppe, die man sich wünschen kann“, so Peter, „die kommen nämlich freiwillig und aus eigener Motivation.“
Auch das könnte Sie interessieren: „Das bisschen Haushalt“ will gelernt sein, die Fachschule in Abensberg hilft dabei
Und an diesem Tag lernen sie, warum es sinnvoll ist, einen Speiseplan zu erstellen. Warum Essen die Herzen öffnet: „Mit Essen kriegt man fast alle“, meint Heidi Gegenfurtner, die das Fach Ernährung und Lebensmittel lehrt. „Ich hab‘ schon ein paar Leute bekocht, und von denen krieg ich einfach alles“, sagt sie scherzhaft und fügt, halb im Spaß, hinzu: „Unterschätzen Sie nicht die Macht des Essens, das ist der gesellschaftliche Kitt.“
Zwischen Dauer-Trends wie Low Carb und Intervallfasten lotst sie die Studierenden auch durch schwieriges „Gewässer“, etwa durch die Frage: Wie bringe ich meine Kinder dazu, das zu essen, was sie sich auf den Teller geschaufelt haben? Eine Tür weiter zeigt anschließend Dozentin Birgit Dörr, wie man frischen Fisch richtig verarbeitet, und wie man eine Forelle auch „stehend garen“ kann. Anschließend setzen die Studierenden das gerade Gehörte in die Praxis um.

Eine Etage tiefer sollen Löcher im Stoff unauffällig verschwinden. Ursula Zirngibl instruiert ihre Gruppe im richtigen Umgang mit der Nähmaschine. Bewegung und Gas müssten miteinander korrespondieren, so Zirngibl. „Beim nächsten Mal dürfen sie einen Korb Wäsche zum Flicken mitbringen.“ Wer hier die Schulbank drückt, der sei danach bereit für einen Dirndlnähkurs der VHS, fügt sie an...
Am 15. März ist Tag der offenen Tür
Wann: Am 15. März von 13 bis 17 Uhr öffnet die Schule für Haushaltsführung und Ernährung ihre Türen. Die Studierenden führen durch die Räume und den Schulgarten. Zudem gibt es Vorführungen aus den Unterrichstfächern „Haus- und Wäschepflege“ oder „Küchenpraxis“. DIY-Projekte und ein Café mit Kuchen und Torten ergänzen das Angebot.
Ausbildung: Die einsemestrige Ausbildung zur Fachkraft für Ernährung und Haushaltsführung an der Schule ist kostenlos und startet im Herbst in ein neues Semester. Voraussetzung ist eine erste abgeschlossene Berufsausbildung. Der Schulabschluss befähigt zu einer Tätigkeit in einer Großküche, als Direktvermarkter oder auch als Dienstleister für haushaltsnahe Leistungen, zum Beispiel, wenn es um die Betreuung von älteren Menschen geht, die noch alleine leben, aber Unterstützung brauchen.