„Das bisschen Haushalt“ will gelernt sein, die Fachschule in Abensberg hilft dabei

Von Lucia Pirkl · 19. Juli 2023 um 15:00

Inflation und Klima bestimmen unsere Nachrichten und bedrücken viele Menschen. Die Fachschule für Ernährung und Haushaltsführung hat ein paar Antworten auf die drängendsten Fragen dieser Zeit. „Hauswirtschaft ist die Wiege der Nachhaltigkeit“ ist Beate Peter, die Schulleiterin überzeugt.

Schon immer habe es sich die Hauswirtschaft darum gedreht, „dass das Geld passt, die Ressourcen geschont werden und es den Leuten gut geht“, sagt Peter.

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Altes Brot wegwerfen? Waschmittel verschwenden? Kissen aussondern, nur, weil ein Reißverschluss klemmt? Nach der Ausbildung zur Fachkraft für Ernährung und Haushaltsführung wissen auch Menschen, die davor dachten, „das bisschen Haushalt“ kann ja jeder, dass es anders ist. Techniken und Wissen, die früher ganz selbstverständlich zum Repertoire jeder Hausfrau gehörten, sind in unserer arbeitsteiligen Welt, die sich immer noch zu selten um Verschwendung schert, längst in Vergessenheit geraten.

Wissen zum Geldsparen

„Was meinen Sie, wie oft Waschmittel falsch dosiert wird?“, fragt Peter. So mancher mag sich fragen, wen es juckt, wenn zu viel davon in der Lade landet. Den Geldbeutel, würde Peter antworten. Immer wieder zu viel verwendet, würde sich das letztendlich auch auf die Finanzen auswirken, und zwar unnötig.

Auch, dass Lebensmittel angebaut und dann verarbeitet würden, dass das ein langer Prozess der Wertschöpfung ist vom Getreide zum fertigen Brot sind es viele Arbeitsschritte“, mag manchem, der vorschnell Lebensmittel wegwirft, nicht bewusst sein.

In 20 Monaten mit viel Theorie, aber vor allem mit jede Menge Praxisstunden in Küche, Textilwerkstatt und Schulgarten lernen die Schüler nicht nur, wie man mit wenigen Mitteln ein gutes und vor allem nachhaltiges Leben führen kann.

Sie lernen auch das richtige Wirtschaften. „Kochen, putzen, waschen, das kann ich eh schon“, mögen viele sagen. Aber Peter weiß, dass dahinter viel mehr steckt – vor allem, wenn man es beruflich betreibt – dass man mit der richtigen Planung und Organisation nicht nur Geld, sondern auch vor allem viel Zeit sparen kann. „Das richtige Hauswirtschaften ist ja eine Profession, eine Hauswirtschaftlerin arbeitet ja nicht nach und nach ab, sondern ineinander.“

Das lernen auch die Schüler der Abensberger Fachschule für Ernährung und Haushaltsführung. Sie erstellen Speisepläne, lernen, mit regionalen und saisonalen Zutaten ein leckeres Essen zu kochen und planen auch mehrgängige Festessen oder größere Projekte. In der Vergangenheit war das beispielsweise ein Tag der offenen Tür oder ein Stand bei den Gesundheitstagen zur gesunden Ernährung von Schulkindern. „Das ist dann auch eine gute Gelegenheit, sich als Schule zu präsentieren.“

Für die Absolventen ist auch Upcycling nicht mehr länger ein inhaltsloses Modewort. Sie lernen, wie man aus alten Stoffen etwas Neues zaubert, aber auch, wie man das Material, die Wäsche so pflegt, dass man möglichst lange etwas davon hat. Auch wie man einen Boden richtig putzt oder Silberbesteck zum Glänzen bringt, gehört zum Inhalt. Das mag sich für manchen banal anhören, aber Peter weiß: „So ein Parkettboden ist schnell ruiniert.“

Voraussetzung für den Besuch der Fachschule ist eine abgeschlossene Berufsausbildung. Und wer nach der Schule die Abschlussprüfung in der Hauswirtschaft ablegt, kann in Kantinen, Betrieben oder in einem hauswirtschaftlichem Betrieb arbeiten.

Ein weiteres Standbein will sich auch Ana-Paula Brunner aufbauen. Die gelernte Altenpflegerin könnte sich durchaus vorstellen, einen Rundumservice für Senioren anzubieten. Nicht selten nutzen Bäuerinnen die Schule, um ihre beruflichen Möglichkeiten zu erweitern. Auch Marina Brunnhuber ist Landwirtin und hat einen Hof: „Meine Oma hat mir so von der Schule vorgeschwärmt und mir macht das ziemlichen Spaß“, sagt sie, während sie einen Mürbeteig vorbereitet.

Von wegen „Frauending“

Dass richtiges Hauswirtschaften kein typisches „Frauending“ sein muss, das beweist Michael Weber. „Ich wollte einfach was Neues dazu lernen. Bei uns zuhause muss jeder ran, weil wir beide berufstätig sind“, sagt Weber, der im B.B.W. als Ausbilder arbeitet und die Schule noch nebenher macht. Auch Freunde von ihm hätten schon die Schule besucht. Gerade arbeitet er an einem Kopfkissen mit Knopfleiste.

Sein Interesse mag rein privater Natur sein. Die Abschlussprüfung zu machen, hat sich Weber aber trotzdem vorgenommen, „den Anspruch habe ich schon“.

Die Ausbildung machen viele berufsbegleitend, wie beispielsweise auch Franziska Freihart. „Es ist schon ziemlich zeitintensiv“, gesteht Freihart ein. Sie arbeitet sogar Vollzeit im Landratsamt und schafft sich den Dienstag als festen Schultag durch Urlaube oder Überstunden frei.

Berufliches Interesse: Ana-Paula Brunner näht gerade einen Kissenbezug. Die gelernte Altenpflegerin will sich ein zweites Standbein schaffen.
Hauswirtschaft ist keine reine Männersache: „Ich wollte etwas Neues lernen und wir sind beide berufstätig, da muss jeder alles machen", sagt Michael Weber.