Oberpfälzer Unternehmen baut Stellen ab: emz-Hanauer-Chef im Interview

Im Interview mit der Mediengruppe Bayern erklärt Thomas Hanauer, geschäftsführender Gesellschafter von emz-Hanauer mit Sitz in Nabburg (Landkreis Schwandorf), wieso das Unternehmen Jobs streichen muss – und warum Internationalität trotz globaler Krisen weiter der Schlüssel ist.
Herr Hanauer, Ihr Unternehmen emz-Hanauer muss erstmals seit 1999 Personal abbauen. Wie setzen Sie das um?
Thomas Hanauer: Ja, leider müssen auch wir aktuell in allen unseren Standorten Personal reduzieren – etwa zehn Prozent der Belegschaft. Diese Maßnahme ist notwendig, um die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens und der verbleibenden Mitarbeiter sicherzustellen. Wichtig ist uns dabei, dass wir mit möglichst wenig sozialen Härten ans Ziel kommen. Bei uns arbeiten viele langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und wir haben eine enge Beziehung zu den Menschen in unserer Region. Sie können mir glauben, dass es uns nicht nur deshalb schwer fällt, diesen Schritt zu gehen. Wir wissen, dass die Ungewissheit bei so einem Prozess besonders belastend ist. Deshalb wollen wir so schnell als möglich Klarheit für die Mitarbeiter schaffen. Wir haben mit einem Freiwilligenprogramm begonnen und versuchen die notwendigen Zahlen möglichst so zu erreichen. Aktuell sind wir mitten im Prozess und gehen davon aus, dass die Umsetzung bis Ende April abgeschlossen sein wird.
Was genau stellt Sie aktuell vor Probleme?
Hanauer: Der Markt für Haushaltsgeräte ist für emz der wichtigste Einzelmarkt mit etwa 90 Prozent Umsatzanteil. In den letzten Jahren sehen wir hier Rückgänge im Absatz oder bestenfalls Stagnation. So liegt der europäische Hausgerätemarkt etwa 14 Prozent unter dem Niveau von 2019. Ein wichtiger Grund dafür ist die fehlende Bauaktivität für Häuser und Wohnungen. Das gilt für Europa genauso wie für Nordamerika und China. Hinzu kommen die geopolitischen Verwerfungen mit massiven Zöllen in Nordamerika aber auch anderen Handelshemmnissen mit Asien oder auch innerhalb Europas. Eine spürbare Marktbelebung für 2026 erwarten wir aktuell nicht. Um uns davon ein Stück weit abzukoppeln, konzentrieren wir uns auf unsere Stärken. Als innovatives Unternehmen sind wir nach wie vor gut aufgestellt. Dass wir in dem aktuellen Marktumfeld nicht in größeren Schwierigkeiten stecken, liegt insbesondere daran, dass es uns immer wieder gelingt, mit neuen Produkten den Wegfall von bestehendem Geschäft auszugleichen. Mit dieser Stärke bleiben wir für die Zukunft grundsätzlich optimistisch.

Sie haben emz-Hanauer in die Internationalität geführt. Wieso war das notwendig?
Hanauer: Auch in den 90er Jahren, als ich bei emz angefangen habe, gab es starke Veränderungen in der Welt. Damals öffneten sich neue Märkte in Osteuropa, China oder auch Mexiko. Das bot neue Chancen, setzte uns aber als rein deutsches Unternehmen stark unter Wettbewerbsdruck. Die durch meinen Vater gegründeten Entwicklungsbereiche erwiesen sich hier als große Stärke. Durch unsere technologische Kompetenz konnten wir unseren Kunden innovative Produkte bieten. Auf dieser Basis haben wir uns auf den Weg gemacht, die Vorteile einer Produktion in Osteuropa oder Mexiko zu nutzen und gleichzeitig neue Absatzmärkte zu erschließen. Damals war die Globalisierung in vollem Gange. Der Abbau von Handelshemmnissen, der teilweise Wegfall von Zöllen oder die Einführung des Euro haben diesen Prozess getrieben. Aus der damaligen Perspektive war das Bild nicht so eindeutig, aber heute wissen wir, was für großartige Chancen sich damit auftaten. Wir haben sie ergriffen und konnten in den letzten 30 Jahren unser Geschäftsvolumen mehr als verzehnfachen.
Diese Exportorientiertheit ist sicherlich auch ein Grund, dass sich etwa die Wirtschaftsregion Ostbayern insgesamt so bemerkenswert entwickeln konnte...
Hanauer: Unsere ostbayerische Wirtschaftsstruktur war von jeher eher mittelständisch geprägt. Viele kleine und mittlere Firmen mit großartigen Unternehmerpersönlichkeiten und tollen Mitarbeitern haben gute Lösungen für ihre Kunden entwickelt und die Chancen der Globalisierung genutzt. Ich glaube, dass die mittelständische Prägung unserer Region dabei ein Vorteil war. Wenn ich mich recht erinnere, hatte der Bezirk Oberpfalz über viele Jahre die höchste Exportquote von allen bayerischen Bezirken.
Letztere waren bisher ein Segen, die Basis unseres Wohlstands. Machen die vielfältigen geopolitischen Herausforderungen sie nun zu einem Fluch?
Hanauer: Das sehe ich ganz und gar nicht so. Die Vorteile, die wir durch unsere globale Aufstellung haben, gelten auch heute noch. Die unterschiedlichen Absatzmärkte, die wir beliefern, helfen uns auszugleichen, wenn es in dem ein oder anderen Markt nicht so gut läuft. Natürlich bremsen aktuell die Zölle und andere Handelshemmnisse diese Entwicklung. Aber was würde es bedeuten, wenn wir uns nur noch auf unseren Binnenmarkt reduzieren müssten? Dann wären unsere Unternehmen deutlich kleiner, wir hätten deutlich weniger Beschäftigung und damit deutlich weniger Wohlstand. Das Agieren von uns Unternehmen im globalen Umfeld ist nach wie vor die richtige Strategie und es ist wichtig, dass wir in Europa mit weiteren Freihandelsabkommen diese Marktmöglichkeiten absichern.
Sie betreiben auch Produktionsstätten im Ausland: in Mexiko, Tschechien, Rumänien und in China. Wieso?
Hanauer: Als wir uns vor 30 Jahren auf den Weg gemacht haben, in die Welt hinauszugehen, war uns von vornherein klar, dass nur Export nicht ausreichend sein würde. Unsere Kunden erwarten kurze Wege, sowohl was die Zusammenarbeit, als auch was die Fertigungsanlagen anlangt. Man muss sich vorstellen, dass eine Waschmaschinenfabrik pro Tag rund 10.000 Waschmaschinen herstellt. Das bedeutet, die Fabrik muss jeden Tag mit 10.000 Verschlüssen, Sensoren oder anderen Komponenten versorgt werden. Da sind lange Lieferwege aus Deutschland schwierig. Außerdem konnten wir beispielsweise in den letzten Jahren mit Hilfe unseres chinesischen Standortes den deutlichen Marktrückgang in Europa abfedern. Wir wären ohne unsere Auslandsstandorte längst nicht mehr wettbewerbsfähig . Unser deutscher Standort profitiert auf vielfältige Weise von unserer internationalen Aufstellung. Dies gilt nicht nur für emz, sondern für alle Unternehmen mit ähnlichen Strukturen.
Über emz-Hanauer aus Nabburg im Landkreis Schwandorf
Thomas Hanauer, der auch als Vorsitzender des Ausschusses International der IHK Regensburg fungiert, ist seit 1995 geschäftsführender Gesellschafter von emz-Hanauer mit Sitz in Nabburg im Landkreis Schwandorf. 2025 kam Andreas Weidmüller als zweiter Geschäftsführer hinzu. Das Unternehmen rüstet Geschirrspüler, Waschmaschinen und Kühlschränke mit Komponenten und Systemen aus. Bei Verriegelung und Sensoren ist der Hidden Champion Weltmarktführer. Für die Entsorgung entwickelt und produziert emz Zugangs- und Datenmanagementsysteme. Im Jahre 1948 gegründet, beschäftigt emz-Hanauer inzwischen 1500 Mitarbeiter. Mit Werken in Deutschland, Tschechien, Mexiko, China und Rumänien sowie Niederlassungen in Italien, Frankreich und den USA wurde zuletzt ein Umsatz von rund 200 Millionen Euro erwirtschaftet.