„Wir tun nicht so, als wären wir Polizisten“: Unterwegs mit der Sicherheitswacht in Hemau

Der Stadtplatz von Hemau (Landkreis Regensburg), vor einer Woche: Der letzte Schnee fällt in der Tangrintelstadt, aus dem weißen Gestöber tauchen zwei dunkelblaue Gestalten auf. Es sind Hans Ettmüller und Josef Gottsauner, dick eingepackt in Jacken mit dem bayerischen Wappen darauf. Die beiden bilden an diesem Wintertag die Besetzung der Sicherheitswacht. Was ist ihre Aufgabe?
Diese ehrenamtliche Gruppe geht für die Polizei regelmäßig durch die Straßen von Hemau, Beratzhausen und Parsberg, zeigt Präsenz und soll so das Sicherheitsgefühl verbessern. Jetzt im Februar jährt sich ihre Einführung zum zweiten Mal. Aus Sicht der zuständigen Polizeiinspektion Nittendorf ist es bislang ein Erfolg.
Polizeifunk angeschaltet, Pfefferspray in der Tasche
„Servus, schon Feierabend?“ fragt Josef Gottsauner eine Frau, die gerade am Hemauer Rathaus entlang geht. „Ah, mei, ja endlich“, antwortet sie lachend. Im Hintergrund melden sich über das Funkgerät an der Jacke immer wieder dumpfe Stimmen. Gemeinsam mit Johann Ettmüller führt er seinen Streifengang durch den Rathausgarten fort. Ein Bauhofangestellter fährt vorbei und grüßt, die beiden Sicherheitswachtler grüßen zurück.
Schnell merkt man: Gottsauner und Ettmüller sehen sich als Teil dieser Gemeinschaft und lassen sich die Freistaats-Insignien auf ihren Jacken und das Pfefferspray in der Tasche beileibe nicht zu Kopf steigen. „Wir sind keine Polizisten und tun nicht so, als wären wir Polizisten“, meint Gottsauner. Als der Parsberger sich damals für die Sicherheitswacht meldete, tat er das, weil er der Gesellschaft etwas zurückgeben wollte. „Ich wollte etwas tun und den Bademeister nimmt mir keiner mehr ab“, sagt der 58-Jährige und grinst. Kaum etwas läge ihm ferner, als jetzt den Sheriff zu spielen, meint er.
Für Hans Ettmüller hatte das Engagement ganz konkrete Auslöser. Der 61-jährige gebürtige Hemauer sah über seine Tätigkeit beim Bauhof in Neutraubling immer wieder demolierte Spielplätze oder vandalisierte öffentliche Orte. Wenn es schon ausreiche, dass eine Sicherheitswacht Präsenz zeige, um dies vielleicht zu verhindern, habe es sich gelohnt. „Es ist ganz wichtig, mit den Leuten zu reden, dann kennen sie dich irgendwann, dann winken sie dir schon aus der Ferne.“ Aber sie wüssten auch: Wenn sie Quatsch machen, kann es gut sein, dass sie erwischt werden.
Aber welche Berechtigungen hat die Sicherheitswacht überhaupt? „Die Sicherheitswacht wird in erster Linie für präventive Zwecke eingesetzt“, erklärt Michael Wurm, Leiter der Polizeiinspektion Nittendorf. Die Sicherheitswacht habe aber auch das Recht, gültige Platzverweise auszusprechen, Personalien abzufragen und im Rahmen des sogenannten „Jedermannsrechts“ Verbrecher festzuhalten. So ernst, sagt Wurm, sei es bis jetzt aber noch nicht geworden „Bislang ist es noch nicht zu besonderen Vorkommnissen gekommen, was zeigt, dass die Präsenz allein schon zur Sicherheit beiträgt.“
Gerne würde die Polizei die Sicherheitswacht deshalb ausbauen, doch aktuell fehlen die Freiwilligen dafür. Vermehrte Streifgänge könnten laut Wurm auch bei konkreten Problemen helfen: gegen Taschendiebstähle auf Veranstaltungen und Märkten oder gegen Wohnungseinbrüche in der dunklen Jahreszeit. Gelegentlich werde die Sicherheitswacht genau zur Prävention dieser Einbrüche gezielt in Wohnsiedlungen geschickt. Per Funk können sie auch während der Streife zum Beispiel zu Lärmbelästigungen oder ähnlichen Benachrichtigungen geschickt werden.
Sicherheitswacht: „Man muss sich aufeinander verlassen können“
Sollte es irgendwann doch einmal zu einer brenzligen Situation kommen, können die Sicherheitswachtler stets auf Unterstützung der Polizei über Funk zählen. Außerdem lernen die Freiwilligen auf Fortbildungen das Verhalten bei Messerangriffen, Erste Hilfe oder Deeskalation. „Es ist vergleichbar mit dem polizeilichen Einsatztraining“, sagt Wurm.
Unerlässlich ist in jedem Fall, dass die Freiwilligen, die immer zu zweit Streife gehen, gut zusammenarbeiten. „Wenn es Spitz auf Knopf kommt, muss man sich aufeinander verlassen können“, sagt Josef Gottsauner. Das kann er, ist er sich sicher. „Ich habe mit Hans einen super Kollegen gefunden. Auch menschlich passt es bei uns.“
Polizei Nittendorf sucht Ehrenamtliche
• Aufruf: „Die PI Nittendorf sucht immer engagierte ehrenamtliche Bürgerinnen und Bürger, die sich für diese Tätigkeit interessieren“, sagt Michael Wurm, Leiter der Polizeiinspektion Nittendorf.
• Bewerbung: Interessenten können sich bei der PI Nittendorf unter (0 94 04) 95 14 0 melden. Bewerber müssen volljährig sein, körperlich fit, gut deutsch sprechen können und dürfen keine Vorstrafen haben.
• Ausbildung: Die Polizei prüft, ob Bewerber für das Amt geeignet sind, zudem gibt es eine umfangreiche Ausbildung sowie regelmäßige Fortbildungen. Ehrenamtliche erhalten eine Aufwandsentschädigung.