Arbeitsmarkt: Regensburg im Spannungsfeld von Stellenabbau und Fachkräftemangel

Der bayerische Arbeitsmarkt verzeichnet mit 341.000 Arbeitslosen derzeit den höchsten Februarstand seit 2010, auch die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist im vierten Monat hintereinander rückläufig. Bei genauerer Betrachtung ergibt sich dennoch ein durchaus differenziertes Bild – auch in der Oberpfalz.
Das verarbeitende Gewerbe, der Handel und insbesondere die Arbeitnehmerüberlassung verzeichnen sowohl bei den offenen Stellen als auch bei den tatsächlich Beschäftigten deutliche Rückgänge. Das Gesundheitswesen leidet dagegen weiterhin unter spürbarem Fachkräftemangel.
Fred Gaida, der als Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Regensburg die Räume Neumarkt und Kelheim sowie Stadt und Landkreis Regensburg mit aktuell fast 15.000 Arbeitslosen betreut, sieht speziell die Stadt Regensburg in einer besonderer Lage. Hier sei die Herausforderung durch das paradoxe Spannungsfeld von massivem Stellenabbau bei gleichzeitigem Mangel an Fachkräften besonders auffallend. Wie Gaida im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern erläutert, meldeten sich hier allein im Monat Februar über 1100 Personen (von 3000 im gesamten Agenturbezirk) arbeitslos. Gleichzeitig beendete eine etwas größere Zahl ihre Arbeitslosigkeit – allerdings nahmen nur 387 eine Erwerbstätigkeit auf.
Viele Arbeitnehmer nutzen freiwillige Abfindungen
Fred Gaida deutet diese Zahlen so, dass viele Betroffene die mit dem Stellenabbau verbundenen freiwilligen Abfindungsprogramme nutzen, um frühzeitig in Rente zu gehen. Gleichzeitig wirke sich gerade in Regensburg mit seinem „guten Mix“ unterschiedlicher Branchen („wir sind nicht nur eine Autostadt“) das „Work first“-Konzept sehr positiv aus. Dabei handelt es sich um Maßnahmen der Qualifizierung und Weiterbildung innerhalb des Unternehmens – etwa von bereits beschäftigten Hilfskräften zu Fachkräften. Die Arbeitgeber werden ebenso wie ihre betroffenen Mitarbeiter über das Qualifizierungschancengesetz gefördert. Für Gaida sei dieser Ansatz eine Win-Win-Situation, um auch über Unternehmens- und Branchengrenzen hinaus dem Dilemma zwischen Stellenabbau und der Nachfrage nach Fachkräften zu begegnen.
Die Arbeitslosenquote liegt derzeit in Regensburg bei 5,4 Prozent und damit um 0,6 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert. Etwa auf dem Stand von 2025 bewegen sich Neumarkt (mit drei Prozent sogar leicht besser als vor einem Jahr) und Kelheim mit identischen 3,9 Prozent.
Agenturbezirk Schwandorf mit stabilen Zahlen
Kaum beeinträchtigt von der allgemeinen Entwicklung zeigt sich offenbar der Agenturbezirk Schwandorf mit derzeit 10 800 Arbeitslosen und einer Arbeitslosenquote von 4,4 Prozent, was exakt dem bayerischen Durchschnitt entspricht. Bessere Werte melden die Landkreise Schwandorf und Amberg-Sulzbach mit jeweils 4,0 Prozent, während für den Landkreis Cham 4,5 Prozent zu Buche stehen. Die Quote für die Stadt Amberg mit 6,1 Prozent liegt um 0,4 Prozentpunkten besser als 2025.
Die Oberpfalz insgesamt rangiert mit 28.520 Arbeitslosen und einer Quote von 4,3 Prozent auf Augenhöhe mit Oberbayern hinter Schwaben (3,8 Prozent) und Unterfranken (4,2 ) auf Platz drei der Bezirke. Die Stadt Weiden meldet sieben Prozent, während der Landkreis Tirschenreuth mit 4,2 Prozent weitaus besser dasteht als vor einem Jahr.
Die höchste Quote in Niederbayern, wo 34.616 Arbeitslose 4,6 Prozent entsprechen, wird für die Stadt Passau mit 7,3 Prozent gemeldet. Am anderen Ende der Skala steht der Landkreis Landshut mit 3,8 Prozent. Bayerns Schlusslicht bildet die Stadt Hof mit 8,1 Prozent, während unter den Bezirken Mittelfranken mit 4,9 Prozent diese Position einnimmt.