Neuer Schliff für alte Steine: Neumarkts Pläne in der Marktstraße in der Kritik

Das Kopfsteinpflaster ist vielen zu laut, zu holprig, zu unbequem. Jetzt startet die Stadt einen Testlauf und will die Steine abfräsen statt austauschen. Der Neumarkter Stadtrat sagt Ja. Doch in den Sozialen Medien sprechen viele Bürger von „Unfug“ und „Verschwendung“. So geht es nun weiter.
Das Thema beschäftigt die Neumarkter seit Jahren: das holprige Pflaster in der Marktstraße. Bei Diskussionen um eine Innenstadtsanierung stand das Pflaster immer ganz oben auf der Liste der Verbesserungswünsche. Nun geht die Stadt das Thema an – ganz ohne große Lösung. Doch während die Stadträte am Donnerstag den Kompromiss billigten, kocht in den Sozialen Medien die Volksseele hoch.
Abschleifen treffe es nicht ganz, erläuterte Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn in der Stadtratssitzung. Das Kopfsteinpflaster werde mit einer Spezialmaschine abgefräst, um es ebener, glatter zu machen. Auf einem kleinen Stück in der Unteren Marktstraße war am vergangenen Montag bereits ein Testlauf gestartet worden (wir berichteten).
Der Hintergrund: Das Kopfsteinpflaster in der Neumarkter Innenstadt ist seit langem ein Aufreger. Immer wieder wurde über einen kompletten Austausch debattiert. Weil die Moderne andere Bedürfnisse hat als das Mittelalter, suchte die Stadt nach einer pragmatischen und kostengünstigen Lösung. Das Ziel: Die „Nutzbarkeit der Unteren Marktstraße“ soll verbessert, das Kopfsteinpflaster ebener und damit besser begeh- und befahrbar, die Fahrgeräusche verringert werden.
Projekt startet in der Unteren Marktstraße
Das Ergebnis fiel laut OB „ganz gut“ aus – die Arbeiten ließen sich schnell und kostengünstig umsetzen. Die Pläne: Zunächst soll das Projekt in der Unteren Marktstraße angegangen, später ein Testlauf für die Obere Marktstraße folgen. Die Kosten: mit 110.000 Euro laut OB verhältnismäßig, zumal auch Ausbesserungsarbeiten inklusive seien.
In seiner Beurteilung kommt das Bauamt zum Schluss, dass die Vorteile des Abfräsens überwiegen. Anwohner, Einzelhandel und Bürger, die sich in der Marktstraße aufhalten, profitierten, weil der motorisierte Verkehr leiser werde. Für Radler werde die Straße angenehmer zu befahren, für Fußgänger leichter zu begehen.
Rad- und E-Scooter-Fahrer würden künftig weniger auf den Fußgängerstreifen unterwegs sein, weil sie nun die Straße nutzen könnten. Es sei davon auszugehen, dass im Frühsommer in der Ferienzeit binnen zwei Wochen alles erledigt sein wird. Die Maßnahme sei zudem nachhaltig, da der Belag weiterverwendet werde. Der Bereich am Rathaus (Fußgängerzone) wird nicht bearbeitet.
„Wie kann man schönes Kopfsteinpflaster so verhunzen?“Kommentar aus den Sozialen Medien
Olaf Böttcher (Grüne) begrüßte die Maßnahme sehr und versprach sich Verbesserung für alle Verkehrsteilnehmer. Seiner Meinung nach hätte das gut ins Radverkehrskonzept gepasst. Jakob Bierschneider bekundete, dass ihn das Kopfsteinpflaster beschäftige, seit er in der Politik sei. Er signalisierte für die UPW Zustimmung, zumal durch das Projekt Lärm und Feinstaub vermieden werden könnten.
Langfristige Lösung für Radverkehr gefordert
Etwas skeptischer äußerte er sich bezüglich des Radverkehrs, da seiner Ansicht nach das Pflaster uneben sei und die Zwischenräume blieben. Böttchers Ansicht nach wird es eine langfristige Lösung nur mit einem eigenen Belag für den Radverkehr geben. Er hofft, der neue Stadtrat werde die Probleme mit dem Radverkehr und dem Parken nochmals aufgreifen und lösen.
Peter Ehrensberger (CSU) empfand es als positiv, „dass es endlich mal weiter geht“. Seit der neue OB im Amt sei, habe sich sehr viel in der Innenstadt getan. Das Abfräsen des Pflasters „sei nachhaltiger als alles, was wir bisher diskutiert haben“.
„Ich mache mir Sorgen, dass es glatt und dadurch gefährlich wird.“Meinung eines Motorradfahrers
Ohne Gegenstimmen befürworteten die Stadträte die Pläne. Auf weit weniger positives Echo stoßen die Planungen für die Innenstadt in den Sozialen Medien: Die Beiträge unseres Medienhauses zu Beginn der Woche wurden mehr als 100 000 Mal aufgerufen und hundertfach kommentiert. Dabei überwiegt deutlich die Kritik.
Kommentare in den Sozialen Medien und auf der Straße
Kritikpunkte: Zu unserer Berichterstattung über die Pläne der Stadt, das Pflaster in der Innenstadt abzufräsen, hagelt es in den Sozialen Medien Kritik. „Das wird doch spiegelglatt“, befürchten einige. Andere kritisieren, das sei „absoluter Quatsch“, eine „Katastrophe“, „Unfug“ oder „Steuergeldverschwendung“. In der Stadt Neumarkt gebe es Hunderte von Straßen, die es dringend nötig hätten, saniert zu werden. Eine Ansicht die viele teilen, hingewiesen wird auf Schlaglöcher in Weiher-, Ring- und Bahnhofstraße. Ein anderer moniert: „Wie kann man schönes Kopfsteinpflaster so verhunzen?“ Wiederum andere plädieren: „Am besten drüberteeren.“ Ein weiterer findet: „Zu viel Geld für so einen Blödsinn.“ Ein nächster bedauert: „Schade um den alten Look“.
Positive Stimmen: Doch es gibt auch einige Kommentatoren, welche die Vorteile des Abfräsens für Fußgänger, Radfahrer und Menschen mit Rollstuhl oder Rollatoren betonen. Einer verweist auf das Beispiel in Amberg und dass die Maßnahme dort eine „echte Verbesserung“ für den Radverkehr gebracht hat.
Das sagen Passanten: Passanten, die am Freitagvormittag in der Unteren Marktstraße unterwegs sind, sehen die Maßnahme überwiegend positiv. „Ich denke, das ist wahrscheinlich die günstigste Lösung“, sagt Margrit Gruber, die gerade ihr Fahrrad absperrt. Agnes Gärtner stimmt ihr zu. Sie erzählt, dass sie viel mit dem Rad unterwegs sei und das Kopfsteinpflaster dabei störe. „Hoffentlich wird es nun besser.“ Es gibt aber auch kritische Stimmen: Ein Motorradfahrer hält kurz an, um das Teststück in Augenschein zu nehmen. „Ich mache mir Sorgen, dass es glatt und dadurch gefährlich wird“, sagt er.