„Warten auf Spargel“: Kunstwerk aus Abensberg sucht neuen Besitzer

Von Lucia Pirkl · 27. Februar 2026 um 19:00

Die Glaskünstlerin Ursula Merker aus Kelheim würde sich ein finales Plätzchen für ihr Kunstwerk „Warten auf Spargel“ freuen. Warum das Kunstwerk Seltenheitswert hat und warum sie es verschenken möchte.

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In Abensberg wartet man dieser Tage auf den Spargel. „Warten auf Spargel“, so heißt auch das Kunstwerk, das die Kelheimer Glaskünstlerin Ursula Merker 2010 für die Stadt Abensberg erschaffen hatte. Der Tisch ist feierlich gedeckt, das Kunstwerk hat sich nun „in Schale geschmissen“, so manchen Taubendreck aus der Vergangenheit abgestreift, denn es sucht einen neuen Besitzer.

Die Stadt Abensberg will nach und nach die bestehenden Kunstwerke in der Mauer austauschen, Platz schaffen für Neues. Auf dem Platz des Spargeltisches soll künftig die Holzskulptur Davina stehen, mit der der Abensberger Künstler Klaus Schwendner im vergangenen Jahr zur Aktion „Platzhalter für Demokratie, Vielfalt und Toleranz“ beigetragen hatte und die im Schlossgarten zu bewundern war. Dafür soll Merkers Spargeltisch samt Kronleuchter weichen. Einen anderen Platz für Merkers filigrane Leihgabe ließ sich aber in der Stadt nirgendwo finden, denn die Höhe muss passen, und etwas geschützt sollte es auch sein. Museumsleiterin Veronika Wimmer hatte sich bei ihren Kollegen umgehört und fand keine Lösung.

Auf dem Tisch spiegelt sich der Kronleuchter. - Foto: Pirkl

Merker könnte jetzt ihr Kunstwerk einfach wieder mitnehmen. „Aber dann kam ich auf den Gedanken, es zu verschenken. Ich bin 86 und will es meinen Kindern nicht auch noch überlassen.“ Ihr Garten in Kelheim, so die lebhafte Künstlerin, der sei ohnehin schon voll mit ihren Werken.

So vielseitig ist Merkers Kunst: Glasboote am Kanal oder... - Foto: Merker

Exklusives Werk für den „Hausgebrauch“

Wer Merkers Kunstwerk annimmt, kann sich sicher sein, etwas sehr Exklusives zu besitzen. Denn Merker ist nicht irgendwer, sie hat sich mit ihrer Glaskunst auch international einen Namen gemacht. Mit Glas, dem spröden Werkstoff, kam sie einst durch die Firma ihres Mannes in Berührung. Die Firma Kurt Merker Kelheim ist ein Traditionsunternehmen, das seit mehr als 100 Jahren Lieferant für die Glasindustrie ist und das mittlerweile Merkers Tochter führt. „Ich bin damals oft mit meinem Mann mitgefahren.“ Irgendwann lag dann da dieses Gravurzeug und ihr Mann ermutigte sie. „Geh, setz dich hin und mach.“ Und es wurde gut.

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Als Autodidaktin und freilich, in dem sie bei anderen Glaskünstlern über die Schultern schaute, auch Kurse belegte, eignete sie sich schließlich ihr Können an. Im Bayerwald bekam sie, die Kelheimerin, dafür einst sogar einen Glaspreis. Seit 1980 arbeitet Merker mit Glas, bevorzugt mit dem Sandstrahlgerät, „geht dem Glas unter die Haut“, wie sie in einem früheren Interview sagte. Ihre Werke, nicht selten mit ironischem, aber häufig mit regionalem oder geschichtlichem Bezug, waren an vielen Orten zu sehen, beispielsweise im Kloster Aldersbach. Dort fingen 100 Spiegel das Deckengemälde, die „göttliche Weisheit“ auf dem Boden auf, „ich hab die göttliche Weisheit sozusagen auf den Boden geholt“.

...Autotüren mit Glaskunst an der Autobahn Mainburg oder... - Foto: Merker

Den Rand der Autobahn in Richtung Mainburg zierten einst Autotüren samt ihrer Glaskunst. „Man macht eine Sache, und dann kommt die wieder weg. Das soll in den Köpfen der Leute bleiben, dann soll es verschwinden.“ So wie einst auch die fünf Schiffe, die für einen Tag im fertiggestellten, aber noch nicht freigegebenen Main-Donau-Kanal schwammen, „da wog eines 450 Kilogramm. In der Früh um fünf Uhr fingen wir damit an, und am gleichen Tag mussten sie auch wieder weichen“. Sogar in Australien, in einem Museum im Outback, sei sie darauf angesprochen worden: „Oh, you are the girl with the glasboats.“ („Oh, du bist das Mädchen mit den Glasbooten.“, Anm. der Redaktion).

Temporäre Werke und Dauerkunst

Fast vergänglich war auch der Fisch, den Merker einst an Neustadts Donauufer auf einem Tisch aus Metal „anrichtete“. „Dann kam das Hochwasser und der Fisch sah so aus, als ob er auf der Donau schwimmen würde.“ Das Hochwasser hatte dem Tisch und den Stühlen nichts anhaben können.

...ein Fischmahl an Neustadts Donauufer. - Foto: Merker

Aber nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland stellte die Künstlerin aus, beispielsweise in Venedig, das vor allem mit seiner Insel Murano auf eine lange Glasmachertradition zurückblickt. Als Dozentin für Glasbearbeitung gab sie obendrein ihr Wissen weiter.

Installationen macht Merker mittlerweile keine mehr – insofern hat ihr Abensberger Kunstwerk einmal mehr Seltenheitswert. Dafür macht sie nach wie vor viel Glasdruck und lernt so den Werkstoff Glas noch einmal von einer ganz anderen Seite kennen. Gravierte Glasplatten werden mit Kupferdruckfarbe eingestrichen und kommen dann in die Kupferdruckpresse, „natürlich im Rahmen, damit die Walze nicht das Glas zerdrückt“.

Glaskunst: Bis 1. Mai zu haben

Kontakt: Wer Interesse an Ursula Merkers Kunstwerk hat, kann sich an die E-Mail museum@abensberg.de wenden.

Merker wird sich anschließend mit den Interessenten in Verbindung setzen. Bis 1. Mai soll das Kunstwerk zu haben sein.

Vita: Ursula Merker, geboren 1939, ist unter anderm Kulturpreisträgerin des Landkreises Kelheim. In ihrem eigenen Studio in Kelheim entstanden Installationen, Gravuren und Glasdrucke, die ihr zahlreiche Preise und auch Ausstellungen im In- und Ausland einbrachten. Nur ein Beispiel: Merker war 1998 im Rahmen von Venezia Aperto Vetro im Palazzo Ducale, im Dogenpalast, dem Wahrzeichen Venedigs zu sehen. Unter anderem auch in Österreich, Slovenien, Tschechien, der Türkei oder Dänemark stellte die rührige Künstlerin aus.