„ChatGPT-Moment“ für Roboter? Neuer Leiter am Techcampus setzt in Cham auf Agrar-Nische

Von Marius Göhl · 28. Februar 2026 um 15:00

Am Technologiecampus in Cham ist Tobias Schaffer ein bekanntes Gesicht. Seit 2013 ist er in unterschiedlichen Rollen an der Lehre beteiligt. 2024 wurde der 41-Jährige Professor für Artificial Intelligence in Robotics. Nun wechselt er die Seiten – von der Lehre hin zur Forschung.

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Leere Flure, geschlossene Türen, kaum Betrieb: Am Chamer Technologiecampus geht es am Montag gemütlich zu. „Es sind Semesterferien. Da ist alles ein bisschen ruhiger“, sagt Schaffer und lächelt. Für die Studierenden ist jetzt Erholungsphase. Für den Teilzeit-Professor nicht. Zum März wechselt er in eine weitere, neue Position am Techcampus. Seit 2024 arbeitet er als Professor für Artificial Intelligence in Robotics. Jetzt übernimmt er auch die Leitung für den Forschungsbereich Intelligente Robotik.

„Ich komme aus der Industrie. Es ist jetzt keine fremde Welt. Aber man ist schon öfter von seinem Schreibtisch und Büro entfernt als in den vergangenen anderthalb Jahren“, sagt Schaffer, der ursprünglich aus Neumarkt-Sankt Veit (Landkreis Mühldorf am Inn) kommt. Mehr als zehn Jahre arbeitete der 41-Jährige bei Nohau Industrie Elektronik Produktionssysteme GmbH, zuletzt als stellvertretender Geschäftsführer.

In der Industrie, in der Lehre und jetzt in der Forschung

Nun ähnelt sein Alltag wieder stärker genau diesem. Es gehe um Networking – darum, mit Partnern in Kontakt zu bleiben und mögliche Fördergelder von Land, Bund oder EU zu nutzen. Ein besonderes Augenmerk möchte der Leiter auf Agrarrobotik legen. Landwirtschaft spiele in der Region eine zentrale Rolle – entsprechend naheliegend ist der Fokus darauf. Sein Team entwickelte bereits einen Roboter mit Outdoor-Reifen. „Da gibt es viel Interesse in der Region. Wir haben schon viel gutes Feedback bekommen.“ Es gehe beispielsweise um einen automatisierten, zielgerichteten Einsatz von Chemikalien, sagt der zweifache Vater.

Sein Team besteht bislang aus acht Mitarbeitern. Bislang leitete Matthias Hien den Forschungsbereich, der außerdem den Bereich Intelligente Produktion verantwortet. Hien kümmert sich nun ausschließlich um die Geschicke in der Intelligenten Produktion. Auch die Forschergruppe war und ist vorübergehend noch in beide Forschungsbereiche eingespannt. Das soll sich spätestens mit dem Bau des neuen Gebäudes für die Intelligente Robotik, der im kommenden Jahr fertiggestellt werden soll, ändern. „Das Gebäude legen wir jetzt auf 20 Leute aus.“

Ganz aus der Lehre wird sich Schaffer trotz seines neuen Tätigkeitsfeldes nicht zurückziehen. Es ist eine 50:50-Rolle. Sein Jobpensum in der Lehre halbiert sich. Zur anderen Hälfte kümmert er sich nun um die Forschung.

Die Begeisterung für Computer und Roboter loderte schon immer in dem Professor. „Ich habe schon relativ früh programmiert. Wir hatten auch so einen uralten Familien-PC, an dem ich schon immer etwas probiert habe“, sagt Schaffer und lacht. KI sei für ihn am Anfang eher Science-Fiction gewesen – bis das Versprechen von selbstfahrenden Autos kam. „Das ging da so durch die Welt. Und dann habe ich mir gedacht: Spring da mit auf“, sagt der 41-Jährige.

Über KI-Tumorfrüherkennung in Regensburg promoviert

Nach seinem Abitur entschied sich Schaffer für ein Studium an der Universität in Regensburg. Mathematik und Philosophie. Klar. Danach ging der Leiter in die Industrie. Im Jahr 2013 begann er damit, Lehraufträge am Techcampus in Cham anzunehmen. „Damals sah es mit Lehrpersonal etwas knapp aus. Dann habe ich Mathematik-Vorlesungen für Ingenieure gegeben.“ Über die Jahre kamen Simulationstechnik, Statistik und Co. dazu.

2018 promovierte Schaffer nebenberuflich an der Uni in Regensburg. „Ich hatte immer Interesse an KI-Anwendungen und solchen Sachen.“ Also thematisierte er in seiner Promotion in der Physik in Zusammenarbeit mit dem Regensburger Uniklinikum Künstliche Intelligenz für Tumorfrüherkennung.

Die KI sieht Schaffer mittlerweile sehr gut aufgestellt. „KI klappt. Physische KI ist aktuell noch oft ein Problem. Roboter funktionieren noch lange nicht so gut wie ChatGPT.“ Ein bis zwei Jahre gibt Schaffer der Forschung noch, „bis der Roboter kapiert, was er macht“. Den Weltuntergang sieht der neue Leiter durch die Entwicklungen nicht nahen. „Wir haben auf jeden Fall mehr Potenzial als Risiko.“

Mit seinem neuen Forschungsbereich kann der 41-Jährige seinen Teil zum Potenzial beitragen. Besonders für die Region kann die Agrar-Nische interessant werden. Bis der „ChatGPT-Moment“ bei physischen Robotern kommt, dauert es womöglich nicht mehr lange. Dann wird sich zeigen, wie intelligent Maschinen wirklich sind.