Was der Wald von Morgen braucht: Katharina Schulze und Jürgen Mistol informieren sich in Tiefenbach

Von Marius Göhl, Theresa Baumann · 26. Februar 2026 um 17:00

Zwischen Klimawandel, Bejagungs-Debatte und ökonomischem Druck versuchen Waldbesitzer, ihre Waldstücke zeitgemäß zu bewirtschaften. Wie das gelingen kann, zeigt die Bayerische Waldkönigin Patricia Vogl bei einem Spaziergang mit Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bayerischen Landtag, und Jürgen Mistol, Abgeordneter der Grünen im Bayerischen Landtag.

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Auf rund 110 Hektar erstreckt sich das Waldgebiet der Familie Vogl von der Gemeinde Tiefenbach in Richtung tschechischer Grenze. Während im westlichen Teil überwiegend Nadelbäume angesiedelt sind, gibt es im östlichen Teil des Waldstücks auch Laubbäume. Früher sei das Waldstück zu 90 Prozent fichtendominiert gewesen, sagt Alfons Vogl, der Vater der Waldkönigin, zu Beginn. Als Mischwald sei ihre Fläche nun deutlich zukunftsfähiger.

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Katharina Schulze: Richtige Rahmenbedingungen für Waldbesitzer setzen

„In der Waldbewirtschaftung muss man auch Experimente wagen. Hättest du vor zehn Jahren eine Zeder gepflanzt, wärst du ausgelacht worden“, erinnert sich Alfons Vogl. Heute gebe es im Wald der Familie nicht nur Fichten, sondern auch Douglasien, Weißtannen und Eichen, sagt Patricia Vogl. Und warum genau diese Baumarten?

„Wenn wir auf Italien schauen, sehen wir, dass es Weißtannen bis nach Sizilien runter gibt – oder auch in der Türkei. Die Weißtanne ist ein Baum, der bei uns heimisch ist, aber mit dem Klimawandel noch relativ lange zurechtkommt“, erklärt Alfons Vogl. Mit Blick in die Zukunft sei es die richtige Entscheidung, diese Baumart mit in ihrem Waldstück zu integrieren.

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„Wir erleben, dass hier die Klimakrise schon längst da ist. Wir brauchen also einen Waldumbau und vor allem eine Waldverjüngung“, stellt Katharina Schulze klar. Der Haken: Wenn alles, was nachkomme, unmittelbar von Rehen zerbissen wird, hat es der Wald schwer. Deswegen müssten die richtigen Rahmenbedingungen gesetzt werden. Aus Sicht der Grünen im Bayerischen Landtag bedeutet das, zu jagen. Ihr Grundsatz lautet: „Wald vor Wild“.

„Eigentlich haben Rehe keine natürlichen Feinde mehr“, stellt die Bayerische Waldkönigin fest. Wenn die Tiere nicht bejagt werden, käme es zu Konkurrenzsituationen ums Futter, zu Inzucht und eben auch zur Beschädigung junger Bäume. „Wenn man die Jagd richtig im Griff hat, pflanzt man nur, um neue Samenbäume in den Wald zu bringen. Die Verjüngung sollte die Natur dann eigentlich von selber hin bekommen.“

Die Natur kennt das Sparen nicht, aber die Leute schon, und das ist das ProblemAlfons Vogl

Sparen dürfe man bei der Bewirtschaftung seines Waldstücks dennoch nicht, sagt Alfons Vogl. „Die Natur kennt das Sparen nicht, aber die Leute schon, und das ist das Problem.“ Alois Neszl fügt hinzu: „Vielen Waldbesitzern ist einfach nicht bewusst, dass sie so mehr Geld verdienen würden. Wirtschaften heißt eben, dass ich dem Wald eine gewisse Pflege zukommen lasse und er somit ertragreicher wird. Dann verdiene ich mehr Geld.“

Bewusstsein der Bevölkerung für Umwelt und Wald schärfen

Dass ein Waldgebiet aber nicht nur Naherholungsraum und Ort zum Seele-baumeln-lassen sei, dafür müssten manche Spaziergänger noch Verständnis erlernen, sagt Jürgen Mistol. „Ich nutze den Wald als Erholungsraum. Das machen viele, die in Städten wohnen. Manchmal ist da die Vorstellung, dass der Wald unberührt am besten ist. Ich glaube aber, dass man Natur- und Nationalpark sowie Nutzwald gleichermaßen braucht.“ Es sei wichtig, zu begreifen, dass es notwendig sei, auch mit großen Harvestern ab und zu durchzufahren – selbst, wenn das heißt, beim Wandern dreckige Schuhe zu bekommen.

Als Baupolitiker habe er zwar eine Verbindung zum Holzbau, aber eher wenig Bezug zur Bewirtschaftung des Waldes. Genau aus diesem Grund sei der Austausch mit Waldbesitzern vor Ort aus seinem Blick so wichtig. „Im Bayerischen Landtag haben wir oft Entscheidungen, für die wir nicht alle Fachleute sind. Deshalb ist es wichtig, dass man einen Eindruck bekommt, wo die Probleme liegen.“

Schulze findet es wichtig, das Bewusstsein für die Umwelt und damit auch den Wald der Bevölkerung wieder näherzubringen. „Da haben wir schon eine große Verantwortung. Als Grüne ist für uns der Wald absolut entscheidend. Wir wissen, dass der Wald eine unglaublich wichtige Position im Ökosystem einnimmt.“ Sie vertritt die Auffassung: „Du kannst nur das schützen, was du kennst und liebst.“

Mit einem Schild hieß die Familie der Bayerischen Waldkönigin Katharina Schulze Willkommen. - Foto: Marius Göhl