Kung Fu und Tanzeinlagen: Humanoider Roboter und Co. verzaubern am Techcampus in Cham

Von Marius Göhl, Theresa Baumann · 21. Februar 2026 um 15:00

Eine technische Haushaltshilfe, die Zwiebeln schneidet, den Abwasch macht und auch Fußball spielen kann. Was sich anhört wie in einem Science-Fiction-Film, ist längst Bestandteil der Realität. Beim Campusforum Mensch-Roboter am Chamer Techcampus führen tschechische Studenten einen humanoiden Roboter vor. Doch nicht nur der soll die Zukunft revolutionieren.

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Aus einem schwarzen länglichen Koffer packen Dominik Beer und Nazar Kononiuk einen grauen Roboter aus. Sie legen ihn auf den Boden. Als die Gliedmaßen des Roboters geordnet sind und die Fernsteuerung angeschaltet ist, schwingt sich der Roboter auf seine Füße. Er baut sich vor seinem Publikum auf. Die Forumsbesucher zücken ihre Handys und halten mit der Kamera drauf.

Pilsener Studenten gruseln sich vor den humanoiden Roboter

Auch wenn das Erwachen des Roboters eindrucksvoll ist – ist der Automat stehend kaum 1,40 Meter groß. Während sich der Oberkörper des Roboters beim Gehen beinahe federleicht zu bewegen scheint, stampfen die Füße bei jedem Schritt dumpf auf dem Boden auf. Der Roboter winkt, schüttelt dem Organisator Michael Zankl die Hand und stolziert durch den Raum – weil Nazar Kononiuk den Roboter durch vorherige Programmierungen über eine Fernbedienung anleitet.

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Kononiuk studiert Informatik an der Universität in Pilsen. Dort programmiert er den Roboter. „Am Montag hat das neue Semester begonnen, aber die neuen Studenten wollten noch nichts mit dem humanoiden Roboter machen. Die hatten Angst vor ihm.“ Als er den Roboter das erste Mal gesehen hat, habe er dasselbe Gefühl gehabt. Dann habe er sich daran gewöhnt. „Wir haben ja auch nicht vor, den Roboter auf jemanden anzusetzen“, fügt er mit einem Lachen hinzu.

Die Roboter könnten nicht nur im Haushalt helfen, sondern auch in der Industrie, wie bei der Montage.Organisator Michael Zankl

Als um den Roboter genügend Platz ist, lässt ihn Kononiuk Kung-Fu-Kicks vorführen. Der Roboter fordert seinen imaginären Gegner heraus, vollzieht eine Drehung und holt mit seinem Bein kraftvoll nach vorne aus. Danach tanzt er. Basketball spielen könnte er auch. Fast alle Bewegungen könnte der Programmierer den Roboter machen lassen. Alle zehn Finger können einzeln programmiert werden. Doch das kostet Zeit. Zeit, die Forschende lieber in wichtigere Dinge investieren sollten, wie Kononiuk findet. Für die Forumsteilnehmer sei es trotzdem interessant, zu sehen, was der Bewegungsapparat dieses Roboters leisten könne.

Die Studenten am Campus in Cham beschäftigen sich mit sämtlichen Forschungsaktivitäten rund um Tätigkeiten, die Roboter ausführen können, erklärt Michael Zankl. „Die Roboter könnten nicht nur im Haushalt helfen, sondern auch in der Industrie, wie bei der Montage.“

Das neue Palettensystem von Filics war auch vor Ort. - Foto: Marius Göhl

Zwischen Wischroboter und Kufensystem

Das Kufensystem von Filics hilft beispielsweise beim Transport von Paletten in Industriehallen. „Eine Kufe wiegt 60 Kilogramm. Zwei Kufen können gemeinsam 800 Kilogramm heben“, erklärt Christian Fenk, Head of Sales. Nach 30 Minuten Aufbau sei das System einsatzbereit. Was können die autonomen Kufen nun besser als herkömmliche Gabelstapler?

Mit einem Controller manövriert Fenk die Kufen unter die Palette. Er könnte die Kufen vollständig darunter hindurchfahren lassen, erklärt Fenk. Diese Fähigkeit ist dann von Vorteil, wenn es darum geht, die Etiketten der Paletten in die richtige Richtung auszurichten. Mit einem Gabelstapler müssten die Paletten dazu mehrmals aufgenommen und rangiert werden. Das Kufensystem brauche für die gleiche Aufgabe weniger Platz und Zeit.

Dan Mollenhauer von der Firma Jugard und Künstner stellt bei der Messe Kehr- und Wischroboter für Industriehallen vor. Weil er beim Aufbau seines Stands dem Roboter eine Fläche zugewiesen hat, kann er nun autonom durch den Raum fahren. Hindernissen weicht er dynamisch aus. Wenn sich im Raum etwas verändert und ein Tisch beispielsweise seinen Standort ändert, registriert der Roboter das von selbst und ändert seine Bahnstrecke. Bis zu 1500 Quadratmeter kann der Roboter putzen, bevor er zu seiner Station zurückkehrt. Dort wechselt er selbstständig sein Wischwasser, lädt seinen Akku und reinigt seine Bürsten, ehe er wieder losfährt.

Organisator Zankl findet es bemerkenswert, wie schnell sich die Forschung weiterentwickelt. Egal ob Produktionsalltag oder Science-Fiction-Film: eine neue, andere Welt ist bereits da und wird auch am Techcampus in Cham weiterentwickelt.

Die Bodenreinigung wurde ebenfalls übernommen. - Foto: Marius Göhl