„Man weiß ja nie, was alles passiert“: Wolfgang Weiß organisiert in Burglengenfeld zum 15. Mal eine Wahl

Von Thomas Rieke · 27. Februar 2026 um 05:00

Spätestens beim Blick auf die Stimmzettel für den Stadtrat und den Kreistag wird klar: Die Kommunalwahlen sind mit immensem Aufwand verbunden. Das gilt erst recht für diejenigen, die am Wahlabend möglichst schnell unanfechtbare Ergebnisse liefern sollen. Burglengenfelds Wahlleiter Wolfgang Weiß lieferte dazu im Gespräch mit der Redaktion interessante Informationen.

Wie lange sind Sie schon mit der Vorbereitung der Wahlen beschäftigt, und wie viel Personal ist dadurch gebunden?

Wolfgang Weiß: Tatsächlich sind wir bereits über ein Jahr vor der Kommunalwahl mit den ersten Arbeiten beschäftigt. Hintergrund ist, dass wir die PCs und Drucker für die Stimmauszählung des Stadtrats und des Kreistags rechtzeitig und zuverlässig beschaffen müssen. Konkret wurden diese am 24. März 2025 bestellt. Heuer, in der neunten Kalenderwoche, sollten sie eintreffen.

Wie viel Personal ist durch die Vorbereitungen auf die Wahl gebunden?

Weiß: Generell sind meine Stellvertretung, Sophia Schild, ich selbst sowie die Bürgerbüroleitung, Veronika Koisegg, mit den Vorbereitungen befasst. Bei der Vorbereitung der Briefwahlunterlagen sind deutlich mehr Personen eingebunden – insgesamt zwölf Mitarbeitende, auch aus dem Rathaus.

Wie viele Wahlberechtigte gibt es mittlerweile in der Stadt Burglengenfeld?

Weiß: Bei uns in Burglengenfeld sind 11 243 Bürgerinnen und Bürger wahlberechtigt.

Wie stark ist der Anteil der Briefwähler diesmal? Ist ein neuer Rekord zu erwarten?

Weiß: Das bleibt abzuwarten. Aktuell (Stand 24. Februar) haben wir rund 4400 Wahlscheine ausgegeben. Wir gehen von etwa 5500 Briefwählern aus, was tatsächlich einen Rekord darstellen würde. Kapazitäten hätten wir bis etwa 7000 Briefwähler. Generell lässt sich feststellen, dass die Briefwahl zunehmend an Bedeutung gewinnt und die Zahl der Briefwähler die der Urnenwähler inzwischen deutlich übertrifft.

Der Trend zur Briefwahl, Sie sagten es eben selbst, ist eindeutig. Begrüßen Sie dies, ist Ihnen das egal – oder halten Sie es für falsch?

Weiß: Eine Bewertung nehme ich mir nicht heraus. Fakt ist: Die Briefwahl ist zulässig – und damit ist alles gesagt.

Was bedeutet die Entwicklung für Ihr Team, das für das Auszählen zuständig ist? Geht damit nicht eine Mehrbelastung einher?

Weiß: Wir reagieren, indem wir die Zahl der Briefwahllokale auf einen neuen Höchstwert von 15 aufgestockt haben. Beim Auszählen der Stimmen entsteht in den Briefwahllokalen ab 18 Uhr lediglich ein zusätzlicher Arbeitsschritt: Der weiße Stimmzettelumschlag muss geöffnet und der Inhalt auf Vollständigkeit geprüft werden. Daher ist es sinnvoll, die Zahl der Wahlbriefe pro Lokal zu begrenzen, damit die Auszählung zeitlich überschaubar bleibt. Dieses Maximum liegt bei uns bei 467 Wahlbriefen pro Briefwahllokal. Diese Grenze würden wir allerdings erst bei etwa 7000 Briefwählern erreichen, was selbst bei weiter steigender Briefwahl derzeit unrealistisch erscheint. Alle 15 Briefwahllokale befinden sich übrigens zentral in der Stadthalle.

Wie viele Wahlbezirke gibt es?

Weiß: Es gibt insgesamt elf Wahllokale: acht im Stadtgebiet und drei in den Umlandgemeinden. Diese Struktur hat sich etabliert und ist völlig ausreichend. Bei meiner ersten Wahl als Wahlleiter waren es noch 18 Wahllokale.

Wie viele Wahlhelfer haben Sie rekrutiert?

Weiß: Es sind mehr als 230 Wahlhelferinnen und Wahlhelfer im Einsatz. Hinzu kommt mein Wahlteam mit über 20 Beschäftigten aus dem Rathaus. Nur gemeinsam und als Team kann eine Wahl erfolgreich durchgeführt werden.

Ist es schwieriger geworden, solche Helfer zu finden?

Weiß: Das hört man zwar immer wieder, ich aber kann das nicht bestätigen. Natürlich starten wir regelmäßig Aufrufe im Mitteilungsblatt, um auch neue Helfer zu gewinnen. Daraufhin melden sich stets Bürgerinnen und Bürger. Bisher hatte ich nie Probleme, ausreichend Wahlhelfer zu finden.

Kommt beim Auszählen Technik zum Einsatz?

Weiß: Ja, bei der Auszählung der Stimmen für Stadtrat und Kreistag kommt Technik zum Einsatz. Die Stimmen für Bürgermeister und Landrat werden hingegen ohne technische Unterstützung ausgezählt. Dieses System hat sich bewährt und war bereits bei meiner ersten Kommunalwahl 2014 im Einsatz. Natürlich entwickeln sich Technik und Softwareanbieter weiter, das Grundprinzip bleibt jedoch gleich.

Wie hoch ist das Risiko, dass die Technik versagt? Gibt es einen Plan B?

Weiß: Das Risiko schätze ich als sehr gering bis nahezu ausgeschlossen ein. Unsere beiden IT-Mitarbeiter sind am Wahltag im Einsatz, und die Auszählung erfolgt autark, also ohne Internetverbindung. Dadurch besteht auch hier kaum ein Risiko. Sollte dennoch ein Problem auftreten, wird „old school“ mit Zähllisten gearbeitet, die jederzeit zur Verfügung stehen.

Was wird zuerst gezählt, wann gibt es erste Resultate – und wann ist mit den letzten Ergebnissen zu rechnen?

Weiß: Begonnen wird mit der Auszählung der Bürgermeisterwahl, anschließend folgt der Landrat, danach Stadtrat und Kreistag. Erste Ergebnisse der Bürgermeisterauszählung werden – je nach Größe des Wahllokals – bereits gegen 18.15 Uhr erwartet. Das vorläufige Ergebnis sollte gegen 19.15 Uhr feststehen. Gegen 20.30 Uhr wird mit Ergebnissen der Landratswahl gerechnet. Gegen Mitternacht dürfte der Großteil der Stimmen ausgezählt sein, wobei es im Einzelfall auch bis etwa halb zwei Uhr nachts dauern kann. Dabei handelt es sich ausdrücklich um Schätzzeiten.

Sie sind schon ein sehr erfahrener Wahlmanager: Die wievielte Wahl organisieren Sie heuer?

Weiß: Ich musste tatsächlich nachzählen. Aber es ist die 15. Wahl insgesamt und meine dritte Kommunalwahl nach 2014 und 2020.

Gibt es trotzdem noch so etwas wie Nervosität?

Weiß: Nein, dafür mache ich das schon zu lange. Ich würde eher sagen, dass ich vor jeder Wahl Respekt habe, denn man weiß ja nie, was alles passiert. Aber bisher haben wir alles geschafft. Wichtig ist es mir aber, mein Team um Veronika Koisegg und meine Stellvertretung, Sophia Schild, hervorzuheben. Ohne sie wäre keine Wahl und speziell keine Kommunalwahl stemmbar.