Innenstadt, Bulmare und NAC polarisierten: Kandidaten stellten Visionen für Burglengenfeld vor

16 Tage vor der Kommunalwahl kam es am Freitagabend im VAZ zum großen Showdown der Burglengenfelder Bürgermeisterkandidaten Martin Antretter (SPD), Gregor Glötzl (BWG) und Michael Schaller (CSU). Organisiert wurde das Kandidaten-Triell vom Wirtschaftsforum (Wifo) und dem Bund der Selbständigen (BDS).
Die drei Aspiranten auf den Rathaus-Chefsessel stellten sich dabei vor knapp 400 Zuhörern den kritischen Fragen von MZ-Redaktionsleiter Martin Kellermeier. Dank eines Live-Streams konnte man das Ringen um die besseren Ideen auch zu Hause vom Sofa aus bei einem Bierchen und einer Brotzeit miterleben.
So viel vorab: Eine gute Figur gaben alle Kandidaten ab. Alle bewiesen, dass sie das nötige Handwerkszeug für das Amt eines Bürgermeisters mitbrächten, sofern sie gewählt werden sollten. Alle haben Perspektiven aufgezeigt, wie sie die Stadt in eine gute Zukunft führen wollen, wohl wissend, dass nicht jede ihrer Vorhaben und Visionen zu verwirklichen sein werde. Überzeugt hat auch der Moderator Martin Kellermeier, der sich schnell die Sympathien des Publikums sicherte, als er anmerkte, dass Burglengenfeld möglicherweise doch die heimliche Kreisstadt sei.
Die Innenstadt, das Bulmare und das Naabtalcenter waren die drei großen Themenblöcke, mit denen sich die Kandidaten auseinandersetzen mussten. Zwischendurch lockerte der Moderator mit humorvollen- und Schätzfragen die Veranstaltung auf.
Mehr Einzelhändler statt Dienstleister gewünscht
Die Situation in der Innenstadt wurde besonders intensiv diskutiert. Einzelhändler schließen, im Gegenzug siedeln sich immer mehr Dienstleister an. Das Gebäude mit der ehemaligen Geschäftsstelle der Sparkasse steht leer. Wie soll man damit umgehen? Wie bringt man mehr Frequenz in die Kernstadt? Wie kann die Aufenthaltsqualität, aber auch die Parksituation verbessert werden? Auch über das sanierungsbedürftige VAZ wurde gesprochen. Im Grunde waren sich alle Kandidaten einig, dass hier großer Handlungsbedarf gegeben ist.
„Erst mal nicht kaufen und privaten Interessenten den Vorzug lassen“, war Schallers Lösungsansatz zum ehemaligen Sparkassengebäude. Zu groß sei der Renovierungsbedarf. Im Notfall könne die Stadt immer noch handeln. Wenn, dann könnte der Leerstand die neue Heimat des Bürgertreffs werden (Schaller) oder der Bibliothek (Antretter). Auch Wohnungen wurden vom SPD-Kandidaten in diesem Zusammenhang ins Spiel gebracht. Einig war man sich auch, dass zu viele Dienstleister die Innenstadt nicht aufwerten würden.

BWG-Kandidat Glötzl würde beim Parkhaus gerne ein digitales Buchungssystem einführen und brachte auch eine mögliche Erstattung der Parkgebühren durch die Einzelhändler ins Spiel. Auf jeden Fall müsse die Schranke am Parkhaus weg und die Gebühren für das Parken runter. Auch hierüber gab es keine zwei Meinungen. Antretter könnte sich am oberen Marktplatz weitere Parkplätze vorstellen, in dem der Seitenstreifen verbreitert werden würde.
Alle Kandidaten bekannten sich auch zum Volkskundemuseum. Auch über den Erhalt des VAZ herrschte große Einigkeit. Glötzl trauerte der verpassten Gelegenheit nach, das Gebäude nicht erworben zu haben, während Schaller es als einen „Riesengewinn“ bezeichnete, dass sich der Landkreis das Gebäude per Erbpacht gesichert habe. Dadurch sei auch der Standort der Realschule gesichert worden. Antretter möchte das VAZ als Kulturstädte und für Vereine erhalten. Es gelte Fördermittel zu akquirieren und mit dem Landratsamt eine Lösung zu finden, so der SPD-Kandidat. Alternativen dazu gebe es nämlich kaum. Schaller könnte sich dort auch die neue Heimat für den Bürgertreff und der Bibliothek vorstellen.
Einigkeit herrschte bei Erhaltung des Bulmares
Als streitbarer erwies sich der Themenblock zum Bulmare. „Wie kann man die Finanzierungsdiskussion endlich beenden?“, hieß eine der Fragen des Moderators. Antretter appellierte, das Bad nicht dauernd schlecht zu reden und es stattdessen, insbesondere für die Jugend, noch attraktiver zu machen. Schaller konterte: „Wir reden nicht das Bad schlecht, sondern die Finanzierung.“ Die Schuld an der finanziellen Situation des Bades sprach er der SPD zu, die einst einen spekulativen Fremdwährungskredit in Schweizer Franken abgeschlossen habe.
Glötzl machte schließlich deutlich: „Wir alle, die hier sitzen, haben mit der Finanzierung des Bulmare nichts zu tun.“ Es bleibe nur die Flucht nach vorne, so der BWG-Kandidat. Wichtig sei ein neues Energiekonzept, um von den hohen Energiekosten runterzukommen. Trotz der widersprüchlichen Aussagen waren sich am Ende alle Drei einig, dass das Bad erhalten werden müsse.

Die Umgestaltung des Naabtal-Centers (NAC) war ein weiteres Thema, mit dem Kellermeier die Bürgermeisterkandidaten konfrontiert hat. Gregor Glötzl bezeichnete die derzeitigen Planungen als ein „Investorengetriebenes Konzept“, das von der Verwaltung übernommen worden sei. Er sei davon überzeugt, dass die Pläne weder genehmigungsfähig noch für die Innenstadt gut seien. Martin Antretter nannte das NAC vollkommen aus der Zeit gefallen. „Aber wir haben es nun mal und müssen die Leerstände beseitigen“, wie er betonte. Allerdings dürfe man nicht zulassen, dass sich dort Gewerbe ansiedeln werde, das die Innenstadt kaputtmache.
Michael Schaller kann sich dort einen Elektrohandel oder ein Möbelgeschäft mit nachhaltigen Produkten vorstellen. Der Standort NAC werde auch weiterhin interessant sein. Hier könne Kaufkraft erhalten werden, so seine Überzeugung.