„Der 8.März ist keine g’mahde Wies“, sagt Bürgermeister-Kandidat Kürzinger

Von Martin Hladik · 26. Februar 2026 um 19:00

Krachend voll, so darf man wohl den Gastraum beim Houdara zum Wahlkampfabschluss der Freien Wähler bezeichnen. Zur Einordnung muss man allerdings auch sagen, dass alle 60 Kandidaten der drei Freien-Wähler-Gruppierungen – die Freie Wählergemeinschaft Stadt, die Parteifreien Wählerschaft Land und die Jungen Wähler – allein schon gereicht hätten, um den Gastraum zu füllen.

Das FW-Motto #gemeinsam.besser scheint der Bürgermeisterkandidat Wolfgang Kürzinger auch zum Wahlkampfabschluss ernst zu nehmen. Er sagte, die drei Gruppierungen der Freien Wähler „müssen auch im Stadtrat Gewicht haben, um leichter gemeinsam zu arbeiten“. Das kann man durchaus so deuten, dass er sich als Bürgermeister eine eigene gestalterische Mehrheit wünscht. Bei bisher sieben eigenen Stadträten, die alle bei der Versammlung anwesend waren, ist der Weg dahin allerdings weit. „Der 8. März ist keine g’mahde Wies“, sagte Kürzinger.

Kürzinger: Suche nach Mehrheiten „kann gelingen“

„Wir spielen den Ball und nicht den Mann“, forderte Kürzinger seine Mitstreiter auf. Ähnlich formulierte es der FW-Vorsitzende, Siegfried Wagner: „Wir wollen keine neue Fronten vor der Wahl schaffen.“ Man wolle keinen „Wahlkampf“, so Kürzinger, sondern für sich werben. Kürzinger: „Wir werden auch im Stadtrat gemeinsam weiterarbeiten.“ Man könne sich auch Mehrheiten suchen, „das kann gelingen“, sagte Kürzinger. Sehr offen und knapp stellte er nochmals seine Person vor. Er sei „Verwaltungsmensch und Bauer und ab 4. Mai hoffentlich auch Bürgermeister“.

Am Anfang seiner Rede gab Kürzinger einen Rückblick auf den Wahlkampf. Er sei dankbar für die vielen „inhaltlichen Diskussionen“ aus denen er viel mitgenommen habe. Zudem stellte er ein „gemeinsames Verständnis“ und eine „sehr ähnliche Bewertung der Situation“ der verschiedenen politischen Gruppierungen fest, was die Themenauswahl im Wahlkampf betreffe.

Die nächste Zeit der Stadtratsarbeit werde von infrastrukturellen Maßnahmen wie Straßenbau und der Erneuerung von Wasser- und Kanalleitungen bestimmt werden. Die wichtigste Entscheidung der „nächsten Stadtratsperiode“ werde die über eine Veranstaltungshalle sein. Dabei werde auch die Öffentlichkeit mitzureden haben, sobald alle Fakten vorliegen. Für ihn selbst sei allerdings nur der Neubau einer Festhalle auf dem Jahnplatz sinnvoll. Hier sieht sich Kürzinger auch auf der Seite der Mehrheit der Bevölkerung.

Wirtschaftlich habe sich Waldmünchen „gut entwickelt“, beschreibt Kürzinger den Zuwachs an Arbeitsplätzen. Um weiter wachsen zu können und die Impulse aus dem Gründerzentrum zu nutzen, brauche man ein neues Gewerbegebiet. Er sei „sehr, sehr guter Dinge“ für den Wirtschaftsstandort Waldmünchen. Dafür spreche auch die gute Versorgung mit Schulen in Waldmünchen und damit mit gut ausgebildeten, jungen Menschen. Dies müsse man für den „Standort in Wert setzen“, was wiederum der Stadt mit erhöhter Gewerbesteuer helfen werde. Wichtig sei dabei aber auch, dass die jungen Menschen „im Dorf bauen können“ sagte Kürzinger. In der Bildung sei in den letzten Jahren „sehr, sehr gute Arbeit geleistet worden“, lediglich für die Technikerschule müsse eine Lösung gefunden werden. Hier müsse ein Alleinstellungsmerkmal für Waldmünchen gefunden werden, um die Umwelttechnikerklasse wieder mit Leben zu füllen. „Transparenz will jeder, aber man muss sie leben“, sagte Kürzinger. Hier will er stärker wissen, wo in den Dörfern der Schuh drücke, um auch hier auf Probleme eingehen zu können.

Danach stellten sich die einzelnen Gruppierungen der Freien Wähler mit ihren jeweils 20 Kandidaten kurz vor. Die Vorstellung der Jungen Wähler übernahm Markus Liegl. Die Kandidaten seien zwischen 18 und 30 Jahre alt. Ziel sei es, die Arbeit von Anja Kürzinger weiterzuführen, die bisher die Jungen Wähler im Stadtrat präsentierte, aber jetzt altersmäßig zur Parteifreien Wählerschaft Land gewechselt sei.

Diese wurde von Simon Aumann als „Dorf- und Umlandliste“ beschrieben, die vier Stadträte in den Reihen habe. Listenführer ist Wolfgang Kürzinger. Die Stadtliste der Freien Wählergemeinschaft stellte Stefan Paa vor, der dort einen „super Querschnitt“ durch die Aktiven in Waldmünchen sieht. Zusammenfassend hob der Listenführer der Jungen Wähler, Matthias Heimann, hervor, dass die Listen alle Altersgruppen, alle Ortsteile und alle Berufe umfassen.

Landratskandidat Schindler freut sich auf Stichwahl

Der Landratskandidat der Freien Wähler, Christian Schindler, lobte zunächst Kürzinger für seinen Pragmatismus. Er werde im dritten Anlauf das Bürgermeisteramt holen, prophezeite er. Die CSU, so Schindler, werde nach dem 8. März keine Mehrheit mehr im Kreistag haben. Deswegen stünden die Freien Wähler zur Zusammenarbeit bereit. Thematisch sprach Schindler den Ausbau des Technologiecampus in Cham vor dem Hintergrund der Ansiedlung neuer Firmen an. Wichtig sei der Ausbau überörtlicher Straßen und der ÖPNV mit dem Anschluss an den RVV. Die Digitalisierung müsse stärker in die Verwaltung einziehen. Zudem griff Schindler mehrfach sein Alter von 33 auf. Die Kritik anderer daran, konterte er mit dem Hinweis auf andere junge erfolgreiche Bürgermeister und Landräte. „Ich freue mich auf eine Stichwahl“, sagte der Landratskandidat abschließend.

„Wir ham z’samgehalten“ war dann das Motto des einzigen CSU-Mannes in der Runde. Er stellte die gemeinsame Liste der CSU und der Freien Wähler im Altlandkreis Waldmünchen vor. Mit dieser Liste wollen beide Parteien die Chancen für eine Wahl von Kandidaten in den Kreistag erhöhen. Bisher gibt es fünf Kreisräte der GLLW.