Kürzinger will in Waldmünchen ins Rathaus: Ihn reizt nicht Amt, sondern Aufgabe

Wolfgang Kürzinger ist der Bürgermeisterkandidat der Freien Wähler. Er tritt zum dritten Mal zur Wahl an. Zwei Mal hatte er gegen den amtierenden Markus Ackermann verloren. Das letzte Mal nur hauchdünn. Jetzt tritt der amtierende Bürgermeister nicht mehr an und Kürzinger ist nicht nur deswegen klarer Favorit. Auch dass die CSU keinen Gegenkandidaten aufgestellt hat, und ihn jetzt sogar auf Seiten der CSU-nahen WWL als Wahlempfehlung benennt, spielt dem FW-Mann in die Karten.
Kürzinger fremdelt mit der Rolle des Favoriten
„Ich war im Leben noch nie Favorit“, sagt Kürzinger im Gespräch und gibt deutlich zu verstehen, dass er mit dieser Rollenzuschreibung fremdelt. Es sei ihm nicht leicht gefallen, die zwei Niederlagen zu verarbeiten. Ein Grund, warum er es dennoch noch einmal versucht habe, sei seine Amtszeit als Dritter Bürgermeister. Hier habe er im August drei Wochen Vertretung gemacht und erlebt, was der Unterschied zwischen einer eher zentralistischen Behörde und der Teamarbeit in einer Stadt und dem Stadtrat ist.
Er sei sich klar, wenn er gewählt werde, „wird das mein letzter beruflicher Abschnitt im Leben sein“, sagt Kürzinger. Ein Zurück an die Stelle des Geschäftsführers der Arbeitsagentur in Cham werde es vermutlich nicht geben. So eine Entscheidung „habe ich nicht von heute auf morgen getroffen“
Kürzinger ist bekanntermaßen nicht nur der Chef für die Arbeitsagenturen in Cham und Bad Kötzting, sondern auch engagierter Biobauer in Prosdorf. auch wenn er die Hauptarbeit an zwei Beschäftigte und zwei Azubis übertragen hat. „Wir haben das immer hingekriegt, ich habe noch nie einen Termin abgesagt“, erklärt Kürzinger. Die Reporterfrage, ob ihm diese Doppelbelastung nicht zuviel ist, wenn er jetzt auch noch Bürgermeister wird, scheint Kürzinger nicht zu verstehen. Er habe oft schon 100-Stunden-Wochen gearbeitet, argumentiert er und in „work ist auch life“ . „Mein Job (und da meint er den bei der Agentur) macht mir Spaß, aber alle zehn Jahre brauche ich Veränderung“.
Ob es dann das Geld sei, was ihn am Bürgermeisteramt reize, stichelt der Reporter weiter. „Mir geht es nicht ums Geld“, sagt Kürzinger. Was er vielleicht als Bürgermeister mehr verdiene, müsse er hier im Hof durch eine zusätzliche Kraft ausgleichen.
Und um was geht es einem wie Kürzinger dann, wenn er sich das Bürgermeisteramt antun will? Zusammen mit einem Team eine Aufgabe eigenverantwortlich zu lösen, „das reizt mich“ gibt Kürzinger wortreich zu verstehen. Wichtig sei ihm dabei das Team. So sei das auch bei der Prosdorfer Feuerwehr, wo Kürzinger einst Vorsitzender war. „Mich reizt nicht der Titel oder das Amt, sondern die Aufgabe“, hat das Kürzinger bei einer letzten Kandidatur gesagt. Und diese Aufgabe sei nur im Team zu bewältigen, das dann Kompromisse finde. In diesem Zusammenhang spricht Kürzinger oft vom „kleinsten gemeinsamen Nenner“.
Entscheidend für ihn ist dabei „Ich halte mich an Kompromisse!“ Das einmal gefundene Kompromisse danach gleich wieder ausgehebelt werden, sei das Problem der jetzigen Bundespolitik.
In welche politischen Spagate, solche Kompromisse führen, muss Kürzinger gerade in seiner Rolle als GLLW-Spitzenkandidat erleben. Die Gemeinsame Liste ehemahliger Landkreis Waldmünchen ist ein Zusammenschluss von CSU und FW-Kandidaten im Altlandkreis Waldmünchen, die so ihre Wahlchancen für den Kreistag steigern. Und weil es GLLW-Absprache ist, muss Kürzinger als Spitzenkandidat der Liste für einen CSU-Landratskandidaten Werbung machen, obwohl die Freien Wähler einen eigenen Landratskandidaten haben.
Dass Kürzinger diesen Spagat aushält, hat mit einer anderen Eigenschaft zu tun. „Ich kann sehr diplomatisch mit Dingen umgehen“, sagt er. Damit meint er aber auch, dass er gerne andere Meinungen hört und wahrnimmt. Die Themen und Vorschläge sollen aus einem Team kommen – Wolfgang Kürzinger: „Ich will nicht vorn dran stehen und Oberbürger sein.“
Was er damit meint, wird klar, wenn man nach konkreten Projekten fragt. Zum Beispiel nach dem immer wieder geäußerten Bürgerwunsch in Geigant, dass etwas mit dem alten Gasthaus Wild geschieht, das dem Freistaat gehört. Obwohl noch nicht auf der politischen Agenda, sagt Kürzinger: „Das wird bestimmt ein Handlungsfeld.“ Aber Ideen, was mit dem alten Wirtshaus geschehen könnte, müssten von den Geigantern kommen.
Ähnlich sieht das Kürzinger, wenn es um die Veranstaltungshalle in Waldmünchen geht. Die sei ja inhaltlich noch gar nicht festgelegt. Hier müsste „im Bürgerdialog und nicht am grünen Tisch“ festgelegt werden, welche Funktionen die Halle erfüllen sollte.
Pragmatische Lösungen für den Straßenbau finden
Einen Schwerpunkt für sich, hat Kürzinger schon festgelegt. Er will sich um die Pflichtaufgabe der Infrastruktur kümmern. Konkret geht es ihm um den Straßenbau, Kanal und Wasser. Hier suche er nach „pragmatischen Lösungen“ und die müssten nicht der klassische Vollausbau sein.
Ein anderes Thema ist der Wohnraum. Hier will Kürzinger Baulücken und Leerstände aktivieren. Auf Nachfrage sagt er, dass dafür auch „sozialer Druck“ aufgebaut werden müsse. Die Dorfbevölkerung müsse aktiv auf Menschen zu gehen, wo ein Leerstand entstehen könne. Das sei „mühevolle Kleinarbeit“, die immer wieder mal gelingen könne.