CSU-nahe WWL empfiehlt Wahl von FW-Kürzinger zum Bürgermeister von Waldmünchen

Kleiner Raum, voller Saal: Mit rund 50 Besuchern sehr gut besucht war die Wahlversammlung der der WWL (Wählergemeinschaft Waldmünchen Land) am Donnerstag im Pfarrheim Ast. Am Schluss konnte Listenführer Johann Beer zufrieden feststellen: „In Ast geht es halt lebhaft zu!“ Damit meinte er wahrscheinlich auch, dass für den CSU-Landratskandidaten Michael Multerer nicht nur Wahlwerbung gemacht wurde, sondern er sich auch kritischen Fragen stellen durfte.
Gleichzeitig gab es auch die paradox wirkende Situation, dass der Bürgermeisterkandidat der Freien Wähler, Wolfgang Kürzinger, mit am Podium der Versammlung saß. Der Grund: Kürzinger ist Listenführer der zur Kreistagswahl antretenden GLLW (Gemeinsame Liste ehemaliger Landkreis Waldmünchen), in der die CSU und Freie Wähler gemeinsam um Einfluss von Kandidaten aus dem Altlandkreis kämpfen. Zu dieser Liste gehören auch Kandidaten der CSU-nahen WWL, die wiederum die Dörfer im Norden von Waldmünchen bei der Stadtratswahl vertritt. Die Liste besteht seit der Gebietsreform 1972.
WWL gibt Wahlempfehlung für Wolfgang Kürzinger ab
Ein weiterer Grund für die Teilnahme Kürzingers war, dass er als Bürgermeisterkandidat der Freien Wähler mit einer Empfehlung der WWL unterstützt wird. Die CSU selbst stellt keinen Kandidaten. Die Sympathie, die Kürzinger dabei entgegengebracht wird, wurde auch mehrfach geäußert – so zum Beispiel von WWL-Kandidat Walter Roßmann. Wie fast alle Redner, wünschte er sich, dass „die Dörfer eine Vertretung“ im Stadtrat haben. Roßmann sagte: „Mit dem nächsten Bürgermeister wird das funktionieren, weil er selber vom Land kommt.“
Kürzinger wiederum bezeichnete die GLLW „als Zünglein an der Waage“ im Kreistag und sprach als Listenführer dem CSU-Landratskandidaten Multerer eine Empfehlung aus, weil er der erfahrenste Kandidat ist. Anmerkung: Die Freien Wähler haben mit Christian Schindler selbst einen Landratskandidaten.
Interessant machte die Wahlversammlung auch eine Vorstellungsrunde der Kandidaten zur Stadtratswahl, bei der fünf von 20 Kandidaten die Themen der Wählergemeinschaft vortrugen. Als Listenführer stellte sich der Landwirt Johann Beer vor, der schon 18 Jahre Ortssprecher aus Haidhof ist und zwölf Jahre im Stadtrat war. Sein Thema war die Infrastruktur, die er meist als gut beschrieb. Verbesserung wünscht er sich bei der Beteiligung der Stadt am Waldwegebau. Zudem dürften keine PV-Flächen auf landwirtschaftlichen Flächen errichtet werden.
Bei seiner Vorstellung der bisherigen Stadtratsarbeit sagte er zur geplanten Veranstaltungshalle, dass alle drei Optionen weiterhin zur Wahl stünden und eine Entscheidung erst der neue Stadtrat treffen werde.
Nächster Kandidat der WWL war Reiner Löffler (46), Ortssprecher und Landwirt aus Hochabrunn. Er regte gleich zwei Themen an. Zum einen gebe es in Hochabrunn immer mehr Höfe, die keinen direkten Nachfolger hätten. Vielleicht könnte man hier Möglichkeiten für Interessierte aus anderen Dörfern schaffen. Zum zweiten regte Löffler an, ein neues Gewerbegebiet zu schaffen – allerdings nicht auf einer landwirtschaftlichen Fläche, sondern in einem Wald. In Vorgesprächen mit Bürgermeister Markus Ackermann sei hier das Waldstück gegenüber der Bablsäge angesprochen worden. Der Grund gehöre dem Staatsforst, aber der würde unter Umständen gegen Stadtwald tauschen.
Caroline Stautner stellte als nächste Kandidatin die Themen Familie und Senioren vor. Sie sprach wie andere auch den Verlust der Umwelttechnikklasse in der Technikerschule an sowie die Sorge um fehlende kinderärztliche Versorgung.
Auch Walter Roßmann (63) ging auf die geplante Veranstaltungshalle ein. Für sie seien „nicht die Fördermöglichkeiten entscheidend, sondern deren Zweckmäßigkeit“. Kandidatin Christiane Busch ergänzte, dass die Halle auch für Vereine nutzbar sein müsse. Zudem wünschte sie sich den Perlsee noch stärker in Wert gesetzt, und das verschwundene Dorf Grafenried für ein gemeinsames deutsch-tschechisches Fest genutzt.
In der Diskussionsrunde mussten sich Multerer aber auch der scheidende Bürgermeister Markus Ackermann kritischen Fragen stellen. Zum einen ging es um Baugenehmigungen im Außenbereich. So wurde Multerer gefragt, ob er hier ähnlich entgegenkommend wie Landrat Franz Löffler sein werde. Multerers Antwort: „Das muss man sich anschauen, bis zu einem gewissen Grad geht es“.
Heftige Kritik musste Ackermann gleich von mehreren Seiten wegen der Baulandpreise in Johannisbühl einstecken. Der Vorwurf: Junge Leute würden woanders hinziehen, weil dort das Bauland billiger sei. 120 Euro pro Quadratmeter könne sich keiner leisten.
Ackermann verteidigte sich damit, dass die Stadt nur die entstandenen Kosten für Grundstück und Erschließung weitergebe. Kürzinger wiederum sagte, dass Problem sei, dass Baulücken oder leerstehende Gebäude nicht verkauft würden. Hier müsse Druck gemacht werden. Das veranlasste Multerer wiederum zu der Replik, die für Baulücken geplante Grundsteuer C sei von den Freien Wählern verhindert worden.
Mit 57 Jahren sei Multerer doch schon relativ alt, ob er nur eine Periode zur Verfügung stehe, war eine weitere Frage. Multerer kündigte an, auch mit 63 noch für eine weitere Periode zur Verfügung zu stehen. Auch Politiker könnten länger arbeiten.
Multerer antwortet auf Fragen zur Abfallwirtschaft
Zur Frage, warum das Angebot der Abfallwirtschaft zum Beispiel durch Gelbe Tonnen nicht verbessert werde, antwortete Multerer, dass dies deutlich teurer wäre und man dann auf die Wertstoffhöfe in jeder Gemeinde verzichten müsse.
In seiner eigenen Ansprache war Multerer hauptsächlich auf die Bedeutung der Wirtschaft und ihrer Stärkung durch Fachkräfte und Start-ups aus dem Campus Cham eingegangen.