Totaler Stromausfall: Das greift im Landkreis Kelheim – und das sollten Bürger horten

Von Martin Rutrecht · 23. Februar 2026 um 17:00

Tagelang kein Strom, nächtelang im Dunkeln. Was Berlin zu Jahresbeginn erlebte, könnte auch den Landkreis Kelheim treffen. In diesem Fall greift ein Sonderplan des Landratsamts – mit Leuchttürmen bei Feuerwehrhäusern. „Jeder Bürger sollte sich auch vorbereiten“, sagen zwei Katastrophenschützer.

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Ein Leben ohne Strom ist kaum vorstellbar. Nicht nur die Beleuchtung in Häusern und Straßen fiele aus, auch Heizungen und elektronische Geräte wären ohne „Saft“. „Im Supermarkt kriegt man keine Lebensmittel mehr, weil die Kasse streikt, Tankstellen stehen still und der Bankomat spuckt kein Geld aus“, setzen Nikolaus Höfler und Wolfgang Weiß fort. Beide arbeiten am Landratsamt im Katastrophenschutz und sind führende Feuerwehrkräfte im Landkreis.

Ursache für den Stromausfall in Teilen Berlins war ein Anschlag. „Genauso kann es ein technischer Defekt oder eine Unwetterlage sein“, sagen sie und erinnern sich an Fälle in Affecking und Herrngiersdorf. Die Auswirkungen blieben auf einzelne Orte begrenzt. „Wir müssen aber auch für einen länger andauernden, flächendeckenden Stromausfall gerüstet sein.“

Dass die Sorge davor Bürger umtreibt, belegen mehrere Anfragen im Landratsamt nach dem Blackout in der Hauptstadt. „Wir sind für den Fall der Fälle vorbereitet“, erklärt Landrat Martin Neumeyer. Schon 2022, nach Beginn des Ukraine-Krieges, hat das Sachgebiet Öffentliche Sicherheit und Ordnung einen Katastrophenschutz-Sonderplan erarbeitet. „Grund war der befürchtete Gasmangel“, erläutert Kreisbrandrat Höfler.

FFW-Gerätehäuser werden nach zwei Stunden besetzt

Ein Blackout könnte auch jegliche Kommunikation lahm legen – selbst unter Einsatzeinheiten. Deshalb greift ein Automatismus: „Zwei Stunden nach Beginn eines großflächigen Stromausfalls trifft sich die Führungsgruppe Katastrophenschutz im Landratsamt, zeitgleich werden alle Feuerwehrhäuser besetzt“, so Weiß. Mittels Notstromaggregaten steht die Versorgung der FFW-Häuser. „Dort gibt es also Strom, Licht und Wärme.“

Diese sogenannten Leuchttürme sind auch Anlaufstation, wenn jemand einen Notruf absetzen möchte, sollten daheim Telefon oder Handy versagen. Viele Kommunen haben Flyer aufgelegt, wo ihre Leuchttürme im Ernstfall zu finden sind. Dringend raten Höfler und Weiß jedem Bürger, sich eine Warn-App (z. B. „Nina“) aufs Smartphone zu laden. „Darüber erhält man die Information, wenn ein totaler Blackout auftritt.“ Eine gute Infoquelle könne auch ein Kurbel- oder batteriebetriebenes Radio sein.

Wolfgang Weiß (l.) und Nikolaus Höfler, beide vom Sachgebiet Katastrophenschutz, zeigen zwei hilfreiche Broschüren. - Foto: Rutrecht

Damit sprechen die beiden Experten an, was in keinem Haushalt fehlen sollte. Neben analogem Radio sind es Taschenlampen, Batterien, Kerzen, Gaskocher und Heizgelegenheiten. Und: Vorrat. „Wir sind gewohnt, dass Wasser aus dem Hahn läuft. Aber ein Stromausfall kann auch Wasserversorger treffen, selbst wenn einige eine Notstromversorgung haben.“ Weiß hat einen Tipp: „Die Badewanne voll laufen lassen, solange Wasser aus der Leitung fließt.“

Ohne haltbare Lebensmittel komme man auch nicht weit. „Wir müssen die Vorratshaltung wieder lernen.“ Weiß berichtet von einem Senior, der seinen Kindern Notpakete schnürte. „Heutzutage ist alles ständig verfügbar – bei einem Stromausfall über Tage kann sich das rasch ändern.“

Wichtig: Ruhe bewahren und Kontakt zu Nachbarn

Bei allem Katastrophenszenario raten Höfler und Weiß insbesondere: Ruhe bewahren. „Wenn mal eine Stunde der Strom ausfällt, ist das kein Drama.“ Ein Austausch mit Nachbarn könne eine Krise zudem abfedern. „Das Zwischenmenschliche ist sehr wichtig.“

Stromversorger wie die Stadtwerke Kelheim wappnen sich auch. „Unsere technischen Anlagen, darunter Trafostationen, Schaltanlagen und Leitungen, unterliegen strengen Sicherheitsstandards“, sagt Pressesprecherin Roxana Jellinek. Details nenne man nicht, „um möglichen Sabotageakten vorzubeugen. Cyberangriffe stellen in allen Bereichen eine ständige Gefahr dar.“

Cyberangriffe stellen in allen Bereichen eine ständige Gefahr dar.Roxana Jellinek

Vorgehalten wird rund um die Uhr ein Bereitschaftsdienst. „Dazu gehört auch entsprechende Ausrüstung, wie beispielsweise mehrere Notstromaggregate“, so Jellinek. Notfallpläne seien bereits in der Erdgaskrise mit Landkreis, Stadt und Hilfsorganisationen abgestimmt worden.

Die Führungsgruppe Katastrophenschutz ist über eine Notstromversorgung in Teilen des Landratsamts autark. Sie arbeitet eng mit der örtlichen Einsatzleitung zusammen. „Mit unserem Vorgehen haben wir eine Grundlage geschaffen, um bei einem Schadensereignis sehr schnell Gegenmaßnahmen treffen zu können“, sagt Kreisbrandrat Höfler.

Eine Checkliste

Vorsorge: Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat eine Checkliste aufgelegt (im Internet zu finden). Sie gibt an, was an Vorrat bzw. Notversorgung ratsam ist.

Richtschnur: Vorbereiten sollte man sich wie auf ein 14-tägiges Camping.