Kardinal Müller rügt die Piusbrüder, wirft Synodalen Weg aber „Häresie“ vor

Der frühere Glaubenspräfekt Gerhard Ludwig Kardinal Müller hatte es in seiner Zeit als Bischof von Regensburg bereits mit aus Sicht Roms unwirksamen Priesterweihen in Zaitzkofen (Lkr. Regensburg) der Piusbruderschaft zu tun. Jetzt wollen die Traditionalisten Bischöfe weihen. Das Bild zeigt Müller im Petersdom (hier mit Kardinal Reinhard Marx aus München).
Der frühere Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller hat sich kritisch über die Traditionalisten der Piusbruderschaft geäußert. In einem Artikel auf der erzkonservativen Plattform „kath.net“ schreibt der Kardinal und frühere Präfekt der Glaubenskongregation den Traditionalisten ins Gewissen – dabei wird er von ihnen selbst als Ursprung des neuerlichen Zwists mit Rom bezeichnet.
Auslöser für den neuerlichen Disput ist, dass die von Rom abgespaltene Gemeinschaft erneut Bischöfe weihen will. Die Piusbruderschaft entstand durch den französischen Erzbischof Marcel Lefebvre. Der hatte sich als Reaktion auf das Zweite Vatikanische Konzil unter Johannes XXIII. und Paul VI. von Rom abgewandt. 1988 weihte er – ohne Zustimmung des Papstes – vier Männer zu Bischöfen. Unter ihnen war auch der Brite Richard Williamson, der in die Schlagzeilen geriet, weil er 2008 gegenüber einem schwedischen Fernsehteam den Holocaust, also die Vernichtung von sechs Millionen Juden in den Gaskammern des NS-Regimes, geleugnet hatte.
Für einen weltweiten Skandal sorgte das auch, weil Papst Benedikt XVI. 2009 die Exkommunikation dieser Bischöfe aufgehoben hatte – darunter war auch Williamson. Weil Williamson im Priesterseminar der Piusbruderschaft in Zaitzkofen (Lkr. Regensburg) den Holocaust leugnete, fand vor dem Regensburger Amts- und später vor dem Landgericht ein Prozess gegen ihn wegen Volksverhetzung statt. Vertreten wurde Williamson dabei zumeist vom heutigen AfD-Politiker Maximilian Krah.
Müller war damals Bischof von Regensburg und wandte sich vehement gegen Priesterweihen, die in Zaitzkofen durchgeführt wurden. Jetzt kündigte der Generalobere der Piusbruderschaft erneuet Bischofsweihen an. In einem Brief an den Nachfolger Müllers, Kardinal Victor Manuel Fernández, griffen die Traditionalisten Müller massiv an: „Doch alles endete schließlich auf drastische Weise durch eine einseitige Entscheidung des Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre, Kardinal Müller, der auf seine Weise feierlich die notwendigen Mindestanforderungen für die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche festlegte“, heißt es in dem Schreiben.
Wenn die Piusbruderschaft kirchengeschichtlich eine positive Wirkung haben will, dann kann sie nicht aus einer Distanz von außen her um den wahren Glauben kämpfen gegen die mit dem Papst vereinte Kirche, sondern nur in der Kirche und mit dem Papst und allen rechtgläubigen Bischöfen, Theologen und Gläubigen.Gerhard Ludwig Kardinal Müller
Müller konterte darauf. Und schrieb: „Wenn die Piusbruderschaft kirchengeschichtlich eine positive Wirkung haben will, dann kann sie nicht aus einer Distanz von außen her um den wahren Glauben kämpfen gegen die mit dem Papst vereinte Kirche, sondern nur in der Kirche und mit dem Papst und allen rechtgläubigen Bischöfen, Theologen und Gläubigen.“ Ansonsten, so Müller, würde dies „von häretischen Gruppen noch höhnisch missbraucht“. Das sei „besonders am sogenannten Synodalen Weg zu studieren, wo es in der Tat darum geht, häretische Lehren besonders in der Übernahme atheistischer Anthropologien einzuführen und eine Art anglikanische Kirchenverfassung“. Müller vergleicht den Synodalen Weg in Deutschland damit mit „Häresie“, also dem Abfall vom „wahren Glauben“.