Kelheimer feierten ihre Schäffler „wie noch nie“ - so emotional war das Finale vor dem Schäffler-Denkmal

Von Lorenz Erl · 22. Februar 2026 um 15:00

Dicht gedrängt verfolgten am Samstagnachmittag viele Zuschauer die beiden letzten Tänze in Kelheim. Reifenschwinger Florian Laußer verriet beim Finale auch, mit welchen Blessuren die Akteure zuletzt kämpften, - und wie „richtige Männer“ Wehmut zeigen.

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Wenn Schäfflertanz eine olympische Disziplin wäre, müsste man wohl sagen, die Kelheimer Schäffler waren am Samstagabend bei ihrem Zieleinlauf spitze und sind vom Publikum dafür begeistert gefeiert worden. Immerhin 259 Auftritte haben die Herren um Oberschäffler Georg Lickleder in den vergangenen sechs Wochen in und um Kelheim hingelegt.

Etliche paar Schuhe wurden dabei durchgetanzt und natürlich gab es auch ein paar Malheure, wie Reifenschwinger Florian Laußer in seiner letzten Ansprache von seinem weiß-blauen Bierfass aus verriet. „Ein Schäffler hat sich an einer heißen Breze einen Zahn ausgebissen – aber wir haben einen Zahnarzt in der Formation und der hat geholfen. Ein Musiker hat sich mit seiner Trompete ein blaues Auge geschlagen und einer der Tänzer hat sich erst vor Kurzem einen Finger gebrochen“, listete er auf.

Reifenschwinger Florian Laußer: „Kelheim ist grandios“

Aber auch Laußer blieb nicht verschont. Bei einem Sprung auf das Bierfass erlitt er einen Muskelschaden und so mussten ihn zwei Kameraden zu seinem letzten Auftritt auf das Bierfass heben. „Danke, dass ihr so zahlreich uns verabschiedet. Ihr habt bewiesen, dass der Schäfflertanz die Kelheimer zusammenbringt und zusammenhalten lässt. Kelheim ist grandios“, versicherte er und erntete dafür riesigen Applaus.

Auch verriet er, was die Männer in ihren Lederschürzen nach den letzten Hopsern und Takten machen würden. „Wir werden jetzt z’sammasteh und woana. Und Manna, die woana, san de richtigen Manna“, betonte er und wieder brandete Applaus auf.

Das Publikum war den Schäfflern während der vergangenen sechs Wochen trotz des oft sehr wechselhaften Wetters bis zum allerletzten „Oba heit is’ kalt“ treu geblieben.

Sie kommen! Die Schäffler marschieren zum Finale am oberen Zweck beim Schäffler-Denkmal ein. - Foto: Lorenz Erl

Lange vor 17 Uhr sammelten sich auch zum Abschied eine dichte Menschenmenge am Schäfflerdenkmal Am oberen Zweck, um ein letztes Mal die Magie der tanzenden Männer zu erleben. „Der Schäfflertanz ist für uns Kelheimer eine tolle Motivation für das Vereins- und Gesellschaftsleben. Ich habe den Tanz heuer gut 25 Mal angeschaut. Es ist jedes Mal ein Erlebnis und man trifft Leute, die man schon lange nicht mehr gesehen hat“, erzählt Anton Brem der Heimatzeitung.

Unter den Wartenden war auch Bürgermeister Christian Schweiger. „Diesmal war es eine herausragende Tanzsaison mit den meisten Tänzen und einem wahnsinnigen Interesse der Bürger. Nachbarschaften haben sich bei den Aufführungen getroffen und es hat sich gezeigt, dass wir in Kelheim wieder eine Gemeinschaft sind“, formulierte er seine persönliche Bilanz.

Auch alle „Wechselspieler“ durften noch einmal tanzen

Zum Finale der Tanzsaison durften die vielen Zuschauer sogar zwei Aufführungen erleben, denn auch die „Wechselspieler“ sollten noch mal vor Publikum auftreten dürfen. Bei jedem Auftritt mit dabei waren natürlich auch die zwölf Musikanten der Kelheimer Gruppe „D’Spreißler“ um ihren Leiter Andreas Handl.

Auch für die Schäffler-Kapelle D’Spreißler gingen sechs intensive Wochen zu Ende. - Foto: Lorenz Erl

„Die Melodien der Schäffler bringt man nie mehr aus dem Kopf raus, weil man immer nur das gleiche Stück spielt. Aber man muss trotzdem konzentriert bleiben. Wir haben das sehr gerne gemacht – es lebt von der Begeisterung der Zuschauer“, ist seine Erfahrung.

Oberschäffler Georg Lickleder war bei jeder der 259 Aufführungen dabei und auch ihm steckt die Melodie tief in den Knochen. „Die Leute gaben uns sehr viel zurück an menschlichen Werten“, ist sein persönliches Fazit.

Vize-Reifenschwinger Sebastian Böhm tanzte bereits in der dritten Tanzsaison mit. „Das ist wie Rad fahren – man verlernt es nicht“, meint er. Diese Saison aber war für ihn ganz besonders: „Die Resonanz des Publikums war gigantisch. So wie die Kelheimer den Schäfflertanz heuer gefeiert haben, habe ich es noch nie erlebt“, strahlt er.

Klar, dass die Schäffler diese Saison im Anschluss zusammen mit den Musikanten im benachbarten Wirtshaus herzhaft haben ausklingen lassen. Das nächste Mal wird 2033 getanzt.