Paintener „Stodl“ vor ungewisser Zukunft – Betreiber suchen eine Lösung für Fortbestand

Seit mehr als vier Jahrzehnten ist der „Stodl“, wie ihn die Einheimischen und Kenner liebevoll nennen, weit mehr als nur eine Diskothek. Der Musik-Stodl in Painten (Landkreis Kelheim) ist Erinnerungsort, Treffpunkt und generationsübergreifender sozialer Raum zugleich. Nun steht die letzte große Dorfdisko der Region vor einer ungewissen Zukunft — und viele Bürger hoffen inständig auf eine Lösung, die ihren Fortbestand sichert.
Eröffnet wurde der Stodl im Jahr 1982. Was ursprünglich als Versuch für „fünf Jahre“ gedacht war, entwickelte sich rasch zu einer Institution über die Landkreisgrenzen hinaus. Das Ehepaar Mayer bewirtet die Gäste seit dem ersten Tag mit Hingabe und Freude, was die Besucher begeistert. Bereits 1988 drohte jedoch das abrupte Ende: Ein Kurzschluss in einer Lampe löste einen Brand aus, der das Gebäude schwer beschädigte. Die Wiedereröffnung war finanziell und emotional ein Kraftakt.
„Aufgeben war nie eine Option“, erinnert sich Betreiberin Birgit Mayer. Gemeinsam mit ihrem Mann Rudi lebt sie bis heute über der Diskothek und bewirtet die Gäste seit den Anfangstagen. „Wenn einmal zugesperrt ist, wird nie mehr aufgemacht — das hat die Erfahrung gezeigt. Das will ich verhindern.“

„Wandel der Zeit“ hinterließ seine Spuren
Vom „Wandel der Zeit“ blieb auch der Stodl nicht verschont. Über die Jahre wandelte sich der Betrieb mehrfach. Neben der Tanzfläche gab es zeitweise eine Kegelbahn und eine Spielehöhle, die inzwischen längst geschlossen sind. Geblieben ist der Kern: Musik, Begegnung und das Gefühl von Vertrautheit. Legendär waren insbesondere die Metal-Partys der früheren Jahre. Die Glanzzeiten dieser Jahre sind Vergangenheit, was bleibt, sind die vielen Erinnerungen.
Tatsächlich prägt der Stodl seit Generationen das Nachtleben im ländlichen Raum. Für viele junge Menschen war er der erste Ort, an dem sie ausgingen; für Ältere ist er ein Stück gelebte Dorfgeschichte. Nach großen Veranstaltungen in der Umgebung – vom Faschingsball über das Maibaumfest bis zum Bürgerfest oder Weihnachtsmarkt – führt der Weg traditionell weiter in den Stodl. Dort wird bis in die Morgenstunden weitergefeiert, oft mit Menschen, die sich seit Jahren kennen.
Genau diese Vertrautheit beschreibt Sami Neumeier als das Besondere: „Der Stodl ist authentisch. Hier trifft man sich auf Augenhöhe, egal ob alt oder jung. Jeder kennt jeden.“ Der Gedanke an die Zukunft kam ihm nach einem Faschingsball, als er – wie viele andere – zum „Absacker“ einkehrte und Mayer fragte, wie lange sie den Betrieb noch weiter führen möchte.
Denn das ist der Kern der aktuellen Situation: Nach 44 Jahren unendlicher Ausdauer stoßen die Betreiber an ihre körperlichen Grenzen. „Wir werden älter“, sagt Mayer offen. „Ich kann nicht einfach den Schlüssel umdrehen. Das täte mir im Herzen weh.“
Besonders am Herzen liegen ihr die Ehemaligentreffen, ein Stelldichein früherer Stammgäste aus nah und fern. Diese Abende, ebenso wie geschlossene Gesellschaften, zählen inzwischen zu den bevorzugten Veranstaltungen der Mayers. Sie zeigen, wie stark die emotionale Bindung vieler Menschen an den Ort geblieben ist.
Breite Unterstützung für den Erhalt des Stodls
Neumeier hat in seinem Umfeld nachgehört und stieß auf breite Unterstützung für den Erhalt. „Painten ist für seinen Zusammenhalt bekannt – vielleicht auch wegen solcher Orte“, sagt er. Für ihn sei es eine „Herzensangelegenheit“, eine Lösung zu finden, die den Stodl als Treffpunkt bewahrt.

Wie diese Lösung aussehen könnte, ist derzeit offen. Denkbar wären neue Betreiber, ein Genossenschaftsmodell oder eine andere Form der gemeinschaftlichen Weiterführung. Klar ist nur: Ein endgültiges Aus würde eine spürbare Lücke hinterlassen – nicht nur im Nachtleben, sondern im sozialen Gefüge der Region.
Der Musik-Stodl steht damit symbolisch für viele traditionelle Begegnungsorte auf dem Land, die mit wirtschaftlichem Druck, demografischem Wandel und fehlender Nachfolge konfrontiert sind. Für Mayer bleibt dennoch Hoffnung: „Ich wünsche mir einfach, dass der Stodl weiterlebt.“
Noch sind die Türen jedes Wochenende geöffnet. Doch hinter der Tanzfläche und den vertrauten Klängen steht eine Frage, die immer drängender wird: Wer übernimmt das Erbe eines Ortes, der für so viele Menschen ein Stück Heimat geworden ist?