Schäfflertanz in Kelheim: Kasperl und der Reifenschwinger machen jeden Tanz zum Unikat

Schnee, Regen, Wind und Sonne: Der Rosenmontag hielt „Aprilwetter“ für die Kelheimer Schäffler bereit. Aus der Abteilung „Gute Laune“ hatten sie wieder ihre Spezialisten dabei. Doch die dürfen längst nicht mehr so viel wie früher.
Sie sorgen für strahlende Gesichter, Kelheims Schäffler mit ihrem Tanz. Vielen bleiben aber vor allem die Kasperl in Erinnerung. Bei Michi aus Ihrlerstein ist das auch nach Jahrzehnten so. Schwarze Schuhcreme im Gesicht vergisst man halt nicht so schnell, sagt sie nach einem der Auftritte am Rosenmontag und grinst.

„Ja, in den 1980er und 1990er Jahren waren die Späße noch anders“, erinnert sich nicht nur Michi, die damals von einem Kasperl auch auf einen hohen Holzstoß gehoben wurde. „Dann musste man sehen, dass man auch wieder herunterkommt“, so die zierliche Frau.
Am Rosenmontag schaute sie Tanz und lustigem Treiben am Landratsamt zu. Es war nicht der erste Termin. „Wir haben schon so einige gesehen“, sagt die ganze Kombo aus Freunden und Familie. Neben den Kasperln mache auch der Reifenschwinger jeden Auftritt besonders, zum Unikat eben.

Den Rasierschaum lassen die Kasperl inzwischen weg. Der kam bei einigen Kelheimern 2026 nicht so gut an. Und am Ludwigsplatz winden viele Zuschauer auch am Montag die Köpfe, um bloß kein buntes Haarspray abzukommen. Na, gut, wer nicht will, der hat schon. Dann bekommt eben der Bürgermeister ein schön buntes Herz auf die Wange gemalt. Und Konfetti tut auch nicht weh.

Es gibt aber auch die Fans, die eigens ein gemeinsames Erinnerungsfoto wollen. Die Kinder der Fische-Gruppe vom Kinderhaus an der Donau etwa. Natürlich kriegen sie eins. Und mittanzen dürfen sie auch. „Das hat Spaß gemacht“, sagt die kleine Charlotte anschließend zufrieden.
„Kasperl zu sein, ist einfach cool“, sagt Markus Leiderer. Punkt. Für Thomas Prudil braucht es auch gar nicht die derben Sachen. „Die mag ich gar nicht so“, sagt der Kelheimer. Für ihn seien vor allem Begegnungen mit Kinder besonders. „Die behalten nicht die Schäffler in Erinnerung, sondern die Kasperl“, so Prudil, der selbst Papa einer dreijährigen Tochter ist.

Als Kasperl muss man auch sportlich sein. Denn bei vielen Auftritten kraxeln die Spaßmacher auf Bäume, Haus- und Garagendächer. Am Landratsamt am Montagnachmittag aufs Dach der „Kexi“-Garage. Die stehe jetzt dann ja leer, feixte Reifenschwinger Florian Laußer unten. Ob Landrat Martin Neumeyer nicht das Ja geben könne, damit man Schäfflerbogen und anderes künftig da lagern könne. Also, noch vor der Landratswahl. „Man weiß ja nicht, wie sie ausgeht.“

Einen emotional besonders schönen Auftritt hatten Schäffler und Kasperl zuvor bei den Landshuter Werkstätten. Dort freuten sich die Mitarbeitenden jedes Mal besonders. So auch diesmal. Mit den Kasperln gab es auch eine Polonaise und den Ententanz. Vieles was früher ging, gehe heute nicht mehr, das lernten die Kasperl 2026 schon im Training. 2019 hagelte es unter anderem mal eine Anzeige, weil ein Kasperl sich ein Fahrrad ausgeliehen hatte.

Die Kasperl finden trotzdem immer etwas, womit sie für gute Laune sorgen können. Am Landratsamt kurven sie Zuschauer mit einem Rollbehälter durch die Schäffler, während weiße Papierschnipsel vom Garagendach segelten. Manchmal denken die Kasperl auch gerne in XXL. Axel Hierl wollte vom Fenster im vierten Stock der Kreisbehörde aus das Glas des Reifenschwingers fangen. Soll keiner sagen, die Kasperl wären nicht motiviert... Und manchmal müssen sie auch auf das echte Leben reagieren. So wie vor ein paar Wochen, als an der Starenstraße ein Sanka durchmusste, erinnert sich Moritz Reng.

Früher waren die Späße deutlich derber

• Rückblick: Die Späße, die die Kasperl früher vollführten, wären heute undenkbar, sagt nicht nur Schäffler-Chronist Peter Knittl. Der Schabernack, den die Kasperl in früheren Jahrzehnten trieben, sei deutlich derber gewesen, sagt so mancher Kelheimer. „Die haben ja ganze Häuser ausgeräumt oder eben aus der Metzgerei ganze Schweinehälften mit auf die Straßen genommen. Das ginge heute nicht mehr.“
• Späße: Peter Knittl berichtet in der Schäffler-Chronik von 2011 folgendes aus dem Tanzjahr 1963: „Beim Ex-Kasperl Willi Mansdorfer wurde ein fliegender Schuhstand eingerichtet, beim benachbarten TSV-Vorstand Jakob Küffner verteilten sie Jux-Krapfen und -Torten, beim Zahnarzt Ziechaus zogen sie fachgerecht einer Sau den Zahn.“ Der Oberschäffler bekam beim Ehrentanz eine Schnee-Einreibung.
• Unfälle: Und weiter heißt es: „Bei 191 Tänzen in der Saison 1963 blieben einige Unfälle der Kasperl nicht aus. Einem Kasperl wurde von einem Zuschauer Niespulver in die Augen geblasen, er musste zum Augenarzt. Ein weiterer verletzte sich die Hand an einer Betonsäule, konnte nach kurzer Versorgung mit Schiene sein lustiges Treiben fortsetzen. Ein dritter Kasperl stürzte bei einer Fassadenkletterei ab.“