Stadt startet mit ersten Maßnahmen: Verkehrsberuhigung bleibt Reizthema in Regensburg

Von Marion Koller · 23. Februar 2026 um 05:00

Um für die Zukunft gerüstet zu sein, muss sich die historische Altstadt wandeln. Immer heißere Sommer, immer mehr Besucher und Einpendler fordern das Welterbe. Und natürlich sollen sich auch die rund 17.000 Bewohner in ihren Quartieren wohlfühlen. Dabei geht es auch um Verkehrsberuhigung. Was dazu wichtig ist.

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Bei einem Ortstermin Am Weinmarkt hat Planungs- und Baureferent Florian Plajer vor wenigen Tagen den Start der Verkehrsberuhigung angekündigt. Sie soll an der vielbefahrenen Verbindung zwischen Donau und Altstadt beginnen.

Der Verkehr bleibt ein Reizthema: Viele Regensburger haben bei der Bürgerbeteiligung für mehr Grün und Radwege sowie weniger Autos und Parksuchverkehr argumentiert. Dafür sind auch der Verkehrsclub Deutschland, der AK Kultur Regensburger Bürger und der Seniorenbeirat. Die CSU und FDP im Stadtrat sowie zahlreiche Kaufleute lehnen dagegen die Streichung von Parkplätzen vehement ab.

Warum geht es Am Weinmarkt los? Weil dort und in der einmündenden Engelburgergasse die mehr als 100 Jahre alten, undichten Kanäle erneuert werden. Zugleich ersetzt die Rewag die Versorgungsleitungen für Gas, Wasser und Strom, die R-Kom lässt Glasfaserkabel für schnelles Internet verlegen. Verschönert werden auch die Straßenoberflächen. Die Bauarbeiten koppelt das Planungs- und Baureferat mit der Umgestaltung des Weinmarkts. „So wird das Notwendige mit dem gestalterisch Sinnvollen verbunden“, kündigt Stadtsprecherin Katrin Holzgartner an.

Nachbarn und Passanten kommen in Regensburg auf Platz zusammen

Autofahrer müssen Platz abtreten, Fußgänger bekommen mehr Raum. Es entstehen Grüninseln, vier Bäume werden gepflanzt und Sitzmöbel aufgestellt. Den Lokalen gesteht die Stadt größere Freisitze zu. 13 Parkplätze fallen weg. Wie das alles aussehen wird, zeigte Florian Plajer auf einem Banner, das bei der St.-Oswald-Kirche zu sehen ist. Die bisherige Bushaltestelle beim Gotteshaus wird direkt an den Weinmarkt versetzt und völlig barrierefrei.

„So entwickelt sich der Weinmarkt erstmals zu einem qualitätsvollen öffentlichen Platz mit spürbar höherer Aufenthaltsqualität“, sagt Stadtsprecherin Holzgartner. Dieser soll ein „Begegnungsraum“ in der nordwestlichen Altstadt werden.

Referent Florian Plajer stellte die Pläne vor. - Foto: Marion Koller

Autofahrer und Busfahrgäste müssen sich aber auf eine monatelange Sperrung der Donauparallele Am Weinmarkt – Keplerstraße ab Mittwoch einstellen. Der Busfahrplan ändert sich (siehe RVV-App) und Autofahrer können nicht mehr vom Weißgerbergraben in die Straße Am Weinmarkt einbiegen. Radfahrer müssen absteigen. Die Sperrung dauert bis Mitte Juni.

Auch die Mobilitätsdrehscheibe am Unteren Wöhrd mit Parkhaus und insgesamt rund 1000 Stellplätzen, die ab März gebaut wird, soll die Altstadt vom Autoverkehr entlasten. Dort ist heute schon ein Umstieg auf den kostenlosen Altstadtbus Emil, Carsharing und das Fahrrad möglich. Zusätzliche Angebote wie Hotelshuttle, Paketstation und Lastenrad-Verleihstation sollen weitere Nutzergruppen anziehen.

Regensburg: Wer gerne in der Innenstadt verweilt, gibt dort mehr aus

Die Studien des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) zeigen, dass gerade in dicht bebauten Altstadtquartieren die Reduktion des Auto- und Lkw-Verkehrs entscheidend zur Luftverbesserung, Lärmminderung und höheren Verkehrssicherheit beiträgt. Auch wirtschaftlich zahlt sich laut Difu eine höhere Aufenthaltsqualität am Ende aus. Sie lädt zum Verweilen ein. Dies führt dazu, dass die Menschen mehr Zeit in der Innenstadt verbringen. Das begünstigt laut Difu-Forschern Spontankäufe, höhere Umsätze und Abstecher in die Gasthäuser.

Die Parkplätze Am Weinmarkt fallen weg. - Foto: Marion Koller

Bei der Verkehrsberuhigung schafft die Stadt neue Fußgängerzonen, Wohnverkehrs- und Fahrradstraßen. Sogenannte smarte Routen sollen Radfahrer besser leiten, etwa in der Thundorferstraße. Im Altstadtkern und in sehr schmalen Gassen sollen sie künftig absteigen. Ein verkehrsberuhigtes Zentrum sei nicht autofrei, betont die Stadt. Der Durchgangsverkehr wird aber stark eingedämmt. Erschließungsstraßen sollen so angelegt werden, dass sie eine nahezu geschlossene Schleife bilden, die Parkhäuser und öffentliche Parkplätze – Dultplatz, Jacobi-Gelände, Unterer Wöhrd – anbinden. Die Stadt will das Innenstadt-Parken auf diese Bereiche konzentrieren. Eine Zufahrt zu Seitenstraßen und engen Gassen soll ohne Sondergenehmigung nicht erlaubt sein. Die Zahl der Bewohnerstellplätze soll von rund 1670 auf 2290 steigen. 448 öffentliche Stellflächen auf Straßen und Plätzen sollen weichen.

Weil das Parkhaus am Unteren Wöhrd neue Stellflächen bieten wird, fallen netto insgesamt nur 123 Parkplätze weg. Doch das erhitzt die Gemüter. Ob und wie die Verkehrsberuhigung nach der Kommunalwahl im März mit neuer Stadtspitze weitergehen wird, ist unklar.