Rangierbahnhof im Regensburger Westen: Widerstand nimmt Fahrt auf – Anwohner starten Petition

Von Marion Koller · 15. Februar 2026 um 05:00

Fast 600 Menschen unterstützen bisher den Vorstoß gegen die geplanten Rangiergleise im Stadtteil Regensburger Prüfening, für die viele Kleingärten weichen sollen. Die Anwohner befürchten mehr Lärm und fordern den Erhalt der grünen Lunge.

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Im Stadtwesten nimmt der Widerstand gegen den geplanten Rangierbahnhof Fahrt auf. Prüfeninger Anwohner haben eine Bürgerinitiative ins Leben gerufen und eine Online-Petition gestartet. „Das soll ein starkes Signal werden“, sagt der Notfallmediziner Dr. Martin Schambeck, der in der Nähe wohnt. Rund 600 Menschen unterstützen die Petition bisher. Demnächst werden die Regensburger Flyer in Prüfening und Dechbetten verteilen.

Die Deutsche Bahn baut den wichtigen Streckenabschnitt zwischen Regensburg und Obertraubling vierspurig aus. Dabei soll auch ein Rangierbahnhof in Prüfening entstehen, zum Teil dort, wo eine grüne Oase mit 109 Kleingärten liegt. Die Anwohner stellen nicht den Bahnausbau infrage, fordern aber, die Rangiergleise sollten wegen des Lärms und der Lichtemissionen nicht in dem dicht bewohnten Viertel gebaut werden. Auch liegt dort die Kleingartenanlage Prüfening Schloss mit 109 Gärten. Der Großteil müsste weichen. Mediziner Schambeck schlägt vor, die Rangiergleise im Industriegebiet zu errichten.

„Stadt soll gemeinsam mit der Bahn eine Alternative finden“

Das Vorhaben der Bahn treibt die Anwohner um. In den Kommentaren zur Petition schreibt Jakob H.: „Jetzt ist der entscheidende Moment, die Hand zu heben, bevor die Planungen der Bahn gemacht sind. Abstellgleise müssen an einem anderen Standort realisiert werden.“ Die Stadt solle gemeinsam mit der Bahn eine sinnvolle Alternative finden. Sonst gingen wertvolle Freiräume verloren.

Eine Frau lehnt die Abstellgleise ab, „weil unser Mehrgenerationen-Schrebergarten sonst abgerissen wird und wir keinen Ort der Zusammenkunft mehr haben“. Udo H. meint, laut Bahn gebe es 20 Alternativstandorte. „Es gibt also keinen Grund, ein Naherholungsgebiet zu zerstören.“

Das soll ein starkes Signal werden.Dr. Martin Schambeck, Anwohner

Regensburg ist der zentrale Bahnknoten Ostbayerns. Zwischen der Domstadt und Obertraubling überlagern sich die Nord-Süd-Verkehre von Hof in Richtung München sowie die West-Ost-Verkehre von Nürnberg und Ingolstadt in Richtung Passau. Der Abschnitt ist heute schon ein Engpass. Mit dem viergleisigen Ausbau zwischen Regensburg und Obertraubling schafft die Deutsche Bahn (DB) mehr Kapazitäten, besonders im Nahverkehr, und macht Verbindungen zuverlässiger.

Das alles halten die Anwohner für notwendig. Sie wollen aber die DB und Behörden frühzeitig auf ihre Bedenken aufmerksam machen. BI-Mitglied Christine Gietl hofft, „dass wir das Thema Abstellgleise abwenden können“. Schon allein der Begriff sei beschönigend. „Es ist ja Rangieren nötig.“ Die Landschaftsgärtnerin befürchtet Lärm, Staub und stärkere Erhitzung im Sommer wegen der Schotterflächen. Eine 39-Jährige hat wie Gietl einen Schrebergarten gepachtet, den sie mit vielen Helfern bewirtschaftet und nicht verlieren möchte. „Einen eigenen Garten kann ich mir nicht leisten“, sagt sie. „Das ist ein Ort, wo ich auch in einer schwierigen Lebenssituation nie alleine war.“

Eignen sich Flächen am Ostbahnhof als Lösung?

Bis Freitagnachmittag haben 568 Menschen die Online-Petition „Lebensraum statt Abstellgleise“ unterstützt, darunter 464 Regenburger. Die Hälfte der Unterstützer ist selbst betroffen, 13 Prozent fühlen sich verantwortlich. Open Petition setzt 1600 als Ziel, damit die BI dann von Bahn und Behörden Stellungnahmen einfordern kann, darunter Stadt, bayerisches Verkehrsministerium, Eisenbahn-Bundesamt und Stadträte. Entscheider ist die Bahn.

Diese hat noch keine Ersatzlösung gefunden. Judith Göhring, Sprecherin Infrastruktur der DB in München, sagt am Freitag, für den mehrgleisigen Ausbau zwischen Regensburg und Obertraubling (MARO) plane die DB unter anderem, bestehende Abstellgleise in Fahrgleise umzuwandeln. „Diesen Wegfall an Abstellgleisen müssen wir ausgleichen.“

Dafür prüft die Bahn derzeit über 20 Alternativstandorte im Stadtgebiet Regensburg sowie dessen Umgriff. Die DB bewertet dabei auch mehrere Vorschläge aus der Stadtverwaltung, zum Beispiel Standorte in der Nähe des Ostbahnhofs, und aus der Bevölkerung, etwa Altanlagen am ehemaligen Betriebswerk in der Kirchmeierstraße. Das Ergebnis dieser Prüfung sei eine Vorzugsvariante. „Bereits jetzt steht fest, dass diese Vorzugsvariante die Realisierung der Abstellgleise an mehreren Standorten vorsehen wird“, sagt Göhring. 2026 würden verschiedene Optionen mit dem Bund als Auftraggeber abgestimmt. Anschließend informiert die DB die Öffentlichkeit.